Fr, 19. Oktober 2018

Salzburgs Goalie

14.08.2018 11:39

Stankovic: „Viele haben mich abgeschrieben“

Cican Stankovic ist Red Bull Salzburgs Mann der Stunde. Im Sommer wurde er zum Liga-Einsergoalie befördert, nach der Verletzung Alexander Walkes ist er auch in der Champions-League-Quali erste Wahl. Dabei hatte es der 25-Jährige bei den „Bullen“ nicht immer leicht. „Viele haben mich in den letzten zwei Jahren abgeschrieben“, sagte er vor dem Rückspiel gegen Shkendija Tetovo am (heutigen) Dienstag. 

Dass Salzburg mit einem 3:0-Vorsprung in die Drittrunden-Rückpartie in Skopje (20.15 Uhr/live Puls 4) geht, ist nicht zuletzt Stankovic zu verdanken, der in der „Regenschlacht“ von Salzburg in der Vorwoche gute Chancen des mazedonischen Meisters vereitelte. Dass er sein Können überhaupt zeigen darf, schien noch vor einem Jahr unwahrscheinlich. Walke (unten im Bild in der Mitte, rechts Ulmer) war die unbestrittene Nummer eins, für den Österreicher mit Ausnahme des Cups - wo er durchaus aufzeigte - die Ersatzbank reserviert.

„Wenn du nicht regelmäßig spielen darfst und von draußen zuschauen musst, ist das nicht leicht. Ich habe versucht, dranzubeiben, mich weiterzuentwicklen, anzubieten. Diese Geduld hat sich ausgezahlt“, sagte Stankovic nun. In der Liga hat er alle drei Partien absolviert, zudem jene gegen Tetovo. „Ich habe auch die andere Seite des Fußballs erlebt in den vergangenen Jahren. Es ist sehr positiv, was jetzt passiert. Ich genieße es“, meinte der reaktionsschnelle 1,86-Meter-Mann, der nicht zuletzt auf der Linie und im 1:1 glänzt.

Von Grödig zum Meister
Im Sommer 2015 kam er mit viel Vorschusslorbeer von Grödig zum Meister. „Ich bin keiner, der wo hinwechselt, um auf der Bank zu sitzen“, sagte er damals. Trainer Peter Zeidler setzte prompt auf den Neuzugang, der aber leistete sich Patzer und musste im schwierigen Herbst ins zweite Glied zurück. Eine Situation, die sich unter Coach Oscar Garcia, der im Winter 2015/16 übernahm, nicht änderte. Erst der nunmehrige Trainer Marco Rose, der seit Sommer 2017 seine Erfolgsgeschichte schreibt, baute Stankovic langsam wieder auf. „Vom Vertrauen her, ist es etwas ganz Anderes im Vergleich zu manch anderem Trainer davor“, sagte Stankovic.

„Marco Rose geht auf die Spieler zu, redet mit ihnen. Vertrauen ist eine der wichtigsten Sachen, die es im heutigen Fußball gibt. Und das genieße ich jetzt bei Rose, es tut mir gut. Ich glaube auch, dass man es an meinen Leistungen sehen kann, und ich hoffe, dass ich konstant bleibe.“ Gelingt das, winkt die auch die Nummer eins in Österreichs Nationalteam. Im Juni holte ihn Teamchef Franco Foda erstmals in den Kader, die Konkurrenz lautet derzeit Heinz Lindner, Jörg Siebenhandl und Richard Strebinger. „Natürlich muss es das Ziel sein, irgendwann eine fixe Größe im Nationalteam zu werden“, meinte Stankovic dazu. Druck will er keinen verspüren. „Das wäre ein Zuckerl. Wenn es klappt, wäre ich froh, wenn nicht, versuche ich weiter, hier meine Leistung zu bringen.“

Serbien-Team kein Thema
Dass der Mann mit serbischen Wurzeln, der im Alter von fünf Jahren nach Österreich kam, für Serbien spielen könnte, sei kein Thema: „Ich habe nur den österreichischen Pass, und das wird in Zukunft auch so bleiben.“

Ohne Akademie geschafft
Besonders interessant an Stankovic ist sein ungewöhnlicher Werdegang. Denn die für heutige Profis quasi obsolete Akademieausbildung blieb ihm verwehrt. Versucht hat er es. Doch Rapid, St. Pölten, und die Austria konnten oder wollten sein Talent nicht erkennen: „Ich habe damals lauter Absagen bekommen und musste deshalb dann den schwierigeren Weg nehmen.“2007 kam er schließlich zu Horn, schaffte mit den Waldviertlern 2011/12 den erstmaligen Aufstieg in die zweite Liga und überzeugte dort erneut. Grödig sicherte sich 2013 seine Dienste, 2015 folgte der Wechsel nach Salzburg.

Rangnicks Vertrauen
Dass ihn der damalige Sportchef Ralf Rangnick folgerichtig als „riesengroßes Naturtalent“ bezeichnete, klingt fast romantisch, doch für Stankovic war der Werdegang im Rückspiegel betrachtet „schon eher ein Nachteil. Ich habe gewisse Dinge später als andere gelernt. In der Horner Kampfmannschaft habe ich das erste richtige Tormanntraining gehabt. Und erst bei Red Bull Salzburg habe ich dann viele tormannspezifische Dinge richtig gelernt“, erinnerte sich Stankovic, dessen Familie noch heute in Pressbaum lebt. 

krone Sport
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