Di, 25. September 2018

„Falsch verstanden“

07.07.2018 18:17

Atomare Abrüstung: Kim verpasst Trump kalte Dusche

In die „Flitterwochen“ von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat jetzt - wie erwartet - der Blitz eingeschlagen. Nordkorea sieht sich vom US-Präsidenten „falsch verstanden“ und ließ US-Außenminister Mike Pompeo einfach abblitzen. Pompeo, der nach Pjöngjang gereist war, um die Zusagen gegenüber Trump auf dem Singapur-Gipfel auszuhandeln, handelte sich nach Gesprächen mit dem Sicherheitschef des Regimes eine scharfe Abfuhr ein. Statt Denuklearisierung drohte Nordkorea mit dem Scheitern der Bemühungen um die atomare Abrüstung.

Pompeo sei mit „einseitigen, räuberischen Forderungen“ aufgetreten, hieß es. Das Ergebnis der Gespräche sei „extrem bedauerlich“, da die USA auf einer einseitigen kompletten, nachprüfbaren und unumkehrbaren Denuklearisierung Nordkoreas beharrten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag aus einer Erklärung des Außenministeriums. Der „entschlossene und feste“ Vorsatz Nordkoreas, das Atomprogramm aufzugeben, könne dadurch in Gefahr geraten.

Der US-Außenminister erklärte dagegen, die Gespräche über die von Nordkorea zugesagte Denuklearisierung seien „sehr produktiv“ verlaufen. Es gebe „Fortschritte bei fast allen zentralen Themen“, wenn auch „an einigen Punkten noch Arbeit zu tun“ sei. Pompeos Gesprächspartner am Freitag und Samstag war der ehemalige Geheimdienstchef Kim Yong Chol, mit dem er auch das Gipfeltreffen von Trump mit Kim eingefädelt hatte.

Trump und Kim tauschen Briefe aus
Mit Kim, den er bei seinen vorigen beiden Besuchen in Pjöngjang getroffen hatte, sprach Pompeo diesmal nicht. Allerdings gab er einen Brief Trumps für Kim weiter, wie auch Kim laut KCNA seinerseits einen Brief an Trump übergeben ließ.

Kim hatte sich bei dem Gipfel in Singapur grundsätzlich dazu bekannt, „an einer kompletten Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel zu arbeiten“, dabei aber offengelassen, wie und wann das Atomwaffenprogramm abgewickelt werden soll. Trump hatte Nordkorea als Gegenleistung Sicherheitsgarantien angeboten. Die USA sagten zudem gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea ab. Allerdings musste Trump erst vor wenigen Tagen eingestehen, was damals schon sämtliche Experten analysiert hatten: Er wurde von Kim über den Tisch gezogen.

„Wir hatten vermutet, dass die US-Seite mit einem konstruktiven Vorschlag kommen würde, und nahmen an, dass wir eine Gegenleistung bekämen“, zitierte KCNA einen Sprecher des Außenministeriums. Aber nach den Gesprächen stehe man vor der gefährlichen Lage, „dass unser Vorsatz zur Denuklearisierung, der entschlossen und fest war, ins Wanken geraten könnte“. Eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel sei am schnellsten durch ein schrittweises Vorgehen zu erreichen, bei dem beide Seiten zur gleichen Zeit vereinbarte Maßnahmen umsetzten.

Kronen Zeitung, krone.at

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