Mi, 14. November 2018

Thailand-Höhlendrama:

04.07.2018 18:34

Telefonleitung für ersten Kontakt mit Eltern

Im Norden Thailands haben Retter die seit elf Tagen in einer Höhle eingeschlossenen Jugendfußballer und ihren Trainer noch immer nicht retten können. Derzeit stehe das Wasser in der Höhle weiterhin zu hoch, teilten die Behörden mit. Trotz der langen Zeit in Finsternis und Nässe scheint es der Gruppe den Umständen entsprechend gut zu gehen. In einem Video (siehe oben), das die thailändische Marine am Mittwoch veröffentlichte, grüßten die Burschen einzeln in die Kamera. Sie waren in Wärmeschutzfolien gehüllt und schienen trotz der Strapazen in guter Verfassung und Stimmung zu sein. Zu sehen ist in dem Video auch, wie ein Marinetaucher mit den Burschen scherzt. Derzeit versuchen Rettungskräfte, Telefonleitungen zu installieren, damit die Kinder mit ihren Eltern Kontakt aufnehmen können. 

Sollte die Telefonleitung stehen, wäre das der erste Kontakt, seit die Gruppe nach einem Training am 23. Juni die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non besuchte. Nach Angaben der örtlichen Behörden waren sie dort wohl von einer Sturzflut überrascht worden und hatten sich immer tiefer ins Innere der Höhle zurückgezogen. In der Nacht auf Dienstag entdeckten britische Taucher die Gruppe schließlich mehr als drei Kilometer vom Höhleneingang entfernt.

„Mir geht es gut“
Die an der Rettung der Jugendlichen beteiligte thailändische Marineeinheit veröffentlichte die Videobotschaft der Buben auf Facebook. Nur spärlich beleuchtet, grüßen sie in der dunklen Höhle auf traditionelle thailändische Weise, stellten sich einzeln vor und sagen dann jeweils: „Mir geht es gut.“ Die Buben wirken in dem Video entspannt und deutlich fitter als zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung. Am Ende des Films sagt einer der zwölf Burschen, er sei in der Vorstellungsrunde vergessen worden - was Gelächter auslöst. Britische Taucher hatten die zwölf Buben im Alter zwischen elf und 16 Jahren und ihren 25-jährigen Trainer nach neun Tagen lebend in der kilometerlangen, verwinkelten Tham-Luang-Höhle entdeckt. Sie wurden mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut.

Die gut einminütige Videobotschaft löste in Thailand große Freude aus, nachdem das Land mehr als eine Woche lang um das Leben der Buben gebangt hatte. Die Mutter eines der Buben, die sich das Video auf einem Bildschirm vor der Höhle ansah, sagte unter Tränen, sie sei glücklich, ihren Sohn zu sehen. „Er ist dünner“, sagte sie, während sie mit dem Finger über das Bild ihres Sohnes fuhr. In den nächsten Tagen wollen Freunde versuchen, die eingeschlossenen Jugendlichen mit Musik zu versorgen.

Onkel möchte eingeschlossenem Neffen Herzenswunsch erfüllen
Auch andere Verwandte hegen schon Pläne für die Zeit nach der Befreiung. So will der Onkel eines eingeschlossenen Fußballers einen Herzenswunsch erfüllen und ihm ein neues Fahrrad schenken. Das habe sich der Elfjährige schon lange gewünscht, sagte der Onkel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle aber warten, bis der Bub aus der Höhle gerettet sei. „Ich will, dass er es sich selbst im Geschäft aussucht.“ Wie die thailändische Nachrichtenseite Sanook.com berichtete, ist der Betreuer in einem schlechteren Zustand als die Jugendlichen. Er habe ihnen den ganzen Proviant überlassen.

Unterdessen sind mehr als hundert Bauern in der Region im Norden Thailands bereit, einen Teil ihrer Ernte zu opfern, um den eingeschlossenen Fußballern zu helfen. Die Landwirte hätten den Rettungsteams erlaubt, Wasser aus der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai auf ihre Höfe und Felder abzuleiten, teilten die Behörden mit.

Rettung könnte noch Monate dauern
Die endgültige Rettung des Fußballteams könnte allerdings noch Monate dauern, viele Kammern der Höhle sind weiterhin überflutet. Das Abpumpen des Wassers wird durch wiederkehrende Monsunregen erschwert. „Wir müssen zu 100 Prozent sicher sein, dass es kein Risiko für die Buben gibt, bevor wir evakuieren“, sagte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osottanakorn. „Wir werden auf sie achtgeben, als wären es unsere eigenen Kinder.“ Der thailändische Regierungschef Prayut Chan-O-Cha bekräftigte, alle sollten „so schnell wie möglich“ gerettet werden, ein Datum könne er aber nicht nennen.

Kinder sollen tauchen lernen
Zur Rettung der Fußballmannschaft gibt es nun drei Möglichkeiten: Sie könnten hinaustauchen, die Höhle durch einen Gang verlassen, der noch gefunden oder in die Felsen gebohrt werden müsste, oder die Monsun-Zeit abwarten, um dann nach Monaten durch trockene Höhlengänge endlich ins Freie zu gelangen. Die erste Möglichkeit birgt einige Risiken, zumal keiner der Burschen tauchen kann und einige nicht einmal schwimmen können. Sie müssten zunächst tauchen lernen und dann in schlammigem Wasser praktisch blind durch extrem enge Stellen tauchen. Die Fußballer müssten „psychologisch in die Lage gebracht werden“ und die Tauchstrecken dürften „nicht zu lang oder schwierig“ sein, sagte der australische Höhlen-Rettungstaucher Alan Warild. Doch selbst mit professioneller Hilfe ist nicht auszuschließen, dass die Buben bei einem solchen Tauchgang in Panik geraten.

 krone.at
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