Mo, 16. Juli 2018

Bahn-Analyse zeigt:

29.06.2018 08:27

Kosmische Zigarre „Oumuamua“ ist offenbar Komet

Der zigarrenförmige interstellare Besucher „Oumuamua“, der aus einem anderen Sonnensystem stammt, ist entgegen früheren Annahmen kein Asteroid, sondern ein Komet. Das schließen Wissenschaftler um Marco Micheli vom Koordinationszentrum erdnahe Objekte (NEOCC) der europäischen Raumfahrtagentur ESA im italienischen Frascati aus der genauen Analyse der Flugbahn des kosmischen Gastes.

Die Form der Bahn lasse sich nicht allein durch die Schwerkraft erklären, erläutern sie im Fachblatt „Nature“. Der vermutlich zwischen rund 400 und 800 Meter lange „Oumuamua“ (auch als  A/2017 U1 bezeichnet) war 2017 durch das innere Sonnensystem gekreuzt und hatte dann seinen Weg zurück in den interstellaren Raum fortgesetzt. Es handelte sich um den ersten beobachteten Besucher aus einem anderen Sonnensystem, Astronomen gehen allerdings davon aus, dass solche Durchflüge öfter unbemerkt stattfinden.

Der interstellare Gast besitzt einige Eigenschaften eines Kometenkerns. Als er in Sonnennähe kam, entwickelte er aber nicht die für Kometen typische Hülle aus auftauenden Gasen, die sogenannte Koma, und auch keinen Kometenschweif. Nicht zuletzt deswegen wurde „Oumuamua“ schließlich als Asteroid klassifiziert. Die genaue Analyse seiner Flugbahn zeigt nun jedoch eindeutige Abweichungen von der reinen Schwerkraftbahn eines Asteroiden. „Oumuamua“ müsse einen zusätzlichen Antrieb gehabt haben, schreiben die Forscher.

Animationsvideo zeigt die Flugbahn von „Oumuamua“:

Zahlreiche mögliche Mechanismen analysiert
Michelis Team hat zahlreiche mögliche Mechanismen analysiert und als Ursache ausgeschlossen, darunter den Sonnenwind genannten Teilchenstrom von unserem Zentralgestirn, den Strahlungsdruck der Sonne und Reibungskräfte. Ein kometenartiges Ausgasen durch die Sonnenwärme, bei dem der Rückstoß des Gasstroms den Kern zusätzlich beschleunigt, könne die Flugbahn dagegen gut erklären. Dieser Antrieb sei auch von anderen Kometen bekannt, schreiben die Forscher.

Die Beobachtungen sprächen dafür, dass es sich bei „Oumuamua“ doch um einen Kometenkern handele. Das deckt sich auch mit anderen Eigenschaften des Objekts wie beispielsweise der tiefschwarzen Oberfläche (siehe Bild unten). Dass sich trotz der auftauenden Gase keine Koma entwickelt habe, könne etwa an fehlenden Staubkörnchen auf der Oberfläche liegen.

Allerdings lasse sich die genaue Natur von „Oumuamua“ aus den vorhandenen Beobachtungen nicht abschließend bestimmen. Die Forscher hoffen darauf, dass Instrumente bald den Durchflug ähnlicher interstellarer Objekte registrieren und damit weitere Beobachtungen zumindest an diesen Besuchern ermöglichen.

 krone.at
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