Sa, 23. Juni 2018

35 Jahre im Gefängnis

01.06.2018 08:39

„Berühmtester Bankräuber“ wird Müllmann in Zürich

Eidgenössische Medien nennen ihn den „berühmtesten Bankräuber der Schweiz“: Der 58-jährige Hugo Portmann arbeitet demnächst für die Stadt Zürich als Müllmann. Den Job hat ihm die örtliche Politik verschafft. „Meiner Meinung nach hat jeder Mensch, wenn er sich darum bemüht, eine zweite Chance verdient“, sagte der zuständige Stadtrat. Portmann, der in seinem Leben drei Banken ausgeraubt hat, saß insgeamt 35 Jahre lang im Gefängnis. Mehrmals gelangen ihm sogar Fluchtversuche.

Am 16. Juli ist Portmann wieder ein freier Mann, bis dahin arbeitet er im offenen Vollzug, bis er seine Haftstrafe verbüßt hat. Danach tritt Portmann die Stelle bei der städtischen Müllabfuhr in Zürich an. „Seiner Anstellung bei uns steht nichts im Weg“, sagte der zuständige Stadtrat Filippo Leutenegger gegenüber dem Schweizer „Blick“.

„Stadt hat eine soziale Verantwortung“
Portmann habe seinen Willen gezeigt, sei fit und habe die Tests bestanden. Zudem habe die Stadt eine soziale Verantwortung. Der Bankräuber sei jedenfalls dankbar für die Chance: „Ich bin mir bewusst, dass die Gesellschaft nicht auf Leute wie mich gewartet hat“, sagte Portmann.

Banküberfälle, Schießereien mit Polizei, Fluchtversuche
Seine kriminelle Karriere liest sie wie ein Kriminalroman. 1983, im Alter von 23 Jahren, überfiel er innerhalb von zwei Wochen zwei Banken. Gestoppt wurde er nach einer wilden Verfolgungsjagd durch einen Schuss eines Polizisten in die Lunge. Ein Jahr später wurde er zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Doch schon 1988 floh er während eines Hafturlaubs aus dem Gefängnis und raubte prompt die nächste Bank aus. Noch am gleichen Tag wurde er verhaftet. Für dieses Vergehen gab‘s weitere acht Jahre Gefängnis.

Gebirgslauf für Fluchtversuch genutzt
Im Mai 1992 wagte Portmann erneut die Flucht: In der Strafanstalt nahm er zusammen mit dem Gefängnisdirektor an einem Gebirgslauf teil. Nach der Ankunft im Ziel rannte Portmann einfach weiter und machte sich wieder aus dem Staub. Vier Tage später - nach zwei Schießereien mit der Polizei, einer Schusswunde an der Hand und einem Überfall - wurde er bereits wieder geschnappt und bekam fünf Jahre mehr. 1999 brach er ein weiteres Mal aus. Drei Tage später raubte er mit zwei Komplizen die nächste Bank aus. Portmann bekam noch einmal zehn Jahre, weil neben dem Raub auch noch eine Geiselnahme hinzukam.

Bankräuber verweigerte Therapie: „Ich bin ja nicht krank“
Insgesamt wurde Portmann somit zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Viele Experten sind sich einig, dass er die Strafe längst hinter sich hätte, wenn er die freiwillige Therapie akzeptiert hätte. Portmann sträubte sich aber vehement, mit der Begründung, er sei ja nicht krank und brauche keine Therapie. Die Wende zugunsten des Häftlings brachte im Sommer 2017 ein psychiatrisches Gutachten. Demnach liege bei Portmann „keine psychische Störung von Krankheitswert vor, die sich mit seinen Delikten in Verbindung bringen lässt“. Neben dem neuen Job wolle Portmann nun das Leben in vollen Zügen genießen: „Jeder Tag ist eine Entdeckungsreise, denn die Welt hat sich in den letzten 35 Jahren doch stark verändert.“

 krone.at
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