So, 21. Oktober 2018

Nach zwei Schafsrissen

27.05.2018 07:01

Die Sorge vor dem Wolf ist in Weyer nun sehr groß

Nach den beiden Wolfsrissen bei der Schafbauernfamilie Kaltenbrunner in Weyer sind die Landwirte der Gemeinde besorgt. „Man weiß ja nicht, wann und wo er als Nächstes zuschlägt“, sagt Schafzüchter Erich Hinteramskogler. Und er bringt es auf den Punkt: „Wir können unsere Tiere nicht rund um die Uhr einsperren.“

Bei der durch den Wolf geschädigten Familie Kaltenbrunner ist seit Donnerstag nichts mehr so, wie es war. Der beschauliche Schafzuchtbetrieb steht nun im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, ständig klingelt das Telefon. Dazu kommt, dass die Tiere nun über Nacht im Stall eingesperrt werden müssen. Familienoberhaupt Johann Kaltenbrunner schläft derzeit extrem schlecht, bei jedem Geräusch in der Nacht schreckt er auf: „Es könnte ja sein, dass er zurückkommt“, so der 66-Jährige - siehe auch unser Interview unten.

Durchgreifen gefordert
Obwohl die DNA-Bestätigung noch ausständig ist, geht Experte Wolf-Dietrich Schlemper, Wildschadensbeauftragter der Landwirtschaftskammer OÖ, aufgrund der charakteristischen Spuren davon aus, dass das nur ein „Isegrim“ gewesen sein kann.
„Wir sind alle schockiert und verärgert, dass bei uns jetzt der Wolf ist“, sagt Erich Hinteramskogler, mit 200 Schafen der größte Züchter in Weyer. Er fordert ein rasches Durchgreifen der Behörden, damit das Raubtier nur ja keinen Gefallen an einem Aufenthalt in der Region findet. Sein Fazit: Wölfe hätten in dieser Gegend nichts verloren.

Steigende Bedrohung
„Wir werden alles tun, damit er hier nicht heimisch wird“, verspricht VP-Ortsparteichef Herbert Matzenberger. Die Region habe in der Vergangenheit durch die Wiederansiedlung von Luchs und Bär schon einiges im Zuge der Arterhaltung ertragen müssen. Ein ansässiger Wolf würde aber eine signifikante Steigerung der Bedrohungslage für Tier und Mensch bedeuten: „Es darf nicht sein, dass unsere exponierten Lagen noch weiteren Belastungen ausgesetzt werden!“ 

Schafbauer: „Wollte gar nicht glauben, dass das ein Wolf war“
Landwirt Johann Kaltenbrunner (66) betreibt seit 31 Jahren erfolgreich Schafzucht, sein Käse wurde mehrfach prämiert. Er ist jetzt verunsichert, weil er seine Schafe nicht ganzjährig im Stall schützen kann.

„Krone“: Wie haben Sie von den Wolfsrissen erfahren?
Johann Kaltenbrunner: Mir ist aufgefallen, dass die auf der Weide untergebrachten Schafe in der Früh außerhalb des Zauns waren. Als ich nach zwei noch abgängigen Tieren gesucht hab’, hat die Nachbarin gesagt, dass sie tot in der Wiese liegen.

„Krone“: Haben Sie sofort darauf getippt, dass sie einem Wolf zum Opfer fielen?
Kaltenbrunner: Nein, das hab’ ich zuerst gar nicht glauben wollen. Es war dann eine bestürzende Überraschung, als mir der Experte die Bissspuren im Genick und am Hals gezeigt hat.

„Krone“: Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden?
Kaltenbrunner: Zum Glück nicht allzu hoch, weil die zwei gerissenen Schafe schon älter waren. Übrigens, bei einem dritten sind vermutlich als Folge der großen Aufregung Lähmungen am Bein aufgetreten.

„Krone“: Der mentale Schaden ist offenbar deutlich größer?
Kaltenbrunner: Wir sind verunsichert und wissen nicht, ob der Wolf zurückkehrt, weil es   so problemlos für ihn gelaufen ist. Und dass er sich bis auf 20 Meter zum Haus herangetraut hat, ist auch nicht beruhigend.

„Krone“: Können Sie alle Ihre Tiere nachts einsperren?
Kaltenbrunner: Derzeit schon, doch im Herbst muss ich die Jungen auf eine weiter entfernte Weide geben.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner

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