Er opfert sich auf
Berlusconi zu CNN: "Eigentlich mag ich meinen Job nicht"
Berlusconi hat in den letzten Wochen einen Skandal nach dem anderen erlebt. Zuerst der in der Öffentlichkeit ausgetragene Rosenkrieg mit seiner Ehefrau Vernonica Lario um die angeblichen Affären mit dem blutjungen It-Girl Noemi Letizia und der Edel-Prostituierten Patrizia D'Addario. Auf wirtschaftlicher Seite wurde dem Medientycoon eine 750-Millionen-Euro-Zahlung an seinen schärfsten Konkurrenten aufgebürdet. Politisch droht Berlusconi eine Reihe von Korruptionsprozessen, nachdem ihm das Verfassungsgericht in Rom die Immunität aberkannt hat.
Hinzu kommen mehrere populistische Aktionen gegen Berlusconi: Auf einer italienischen Website wird zynisch für eine Seligsprechung des Premiers geworben, am Mittwoch haben weibliche Oppositions-Politikerinnen knapp 100.000 Unterschriften einer Anti-Berlusconi-Petition präsentiert. "Dieser Mann beleidigt uns", lautet das Motto der vor etwa zehn Tagen von der linken Zeitung "La Repubblica" initiierten Aktion. In einer Fernsehdiskussion hatte Berlusconi die 58-jährige, etwas rundlich aussehende Oppositionspolitikerin Rosy Bindi abwertend als "noch eher schön als intelligent" tituliert.
Die Presse ist an allem schuld
In dem Interview mit CNN lässt Berlusconi, der sich noch vor wenigen Tagen als "bester Premierminister der Welt" lobte, erstmals Anzeichen von Amtsmüdigkeit und Resignation erblicken. "Man muss sich in diesem Amt mit vielen schmutzigen Dingen herumschlagen. Und dann ist da noch die Revolverpresse, diese Unverschämten", beklagt der Premier die negative Berichterstattung über seine Person. Dabei schüttet er aber selbst immer wieder Öl ins Feuer, jüngst mit einer Verunglimpfungsreportage über einen Mailänder Richter auf seinem Mediaset-Sender Canale 5.
Auch seine verbalen Entgleisungen würden von den Zeitungen konstruiert, behauptet der 73-jährige Politiker gegenüber CNN. Seine Feststellung, US-Präsident Barack Obama sei "erfolgreich und braungebrannt", hätten Medien ins falsche Licht gerückt. Auch als er die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkal für ein Handy-Telefonat vor laufender Kamera düpiert dastehen ließ und bei seinen angeblichen Querelen mit der britischen Queen Elizabeth bei einem Dinner im Buckingham Palace, habe die Presse die Finger mit im Spiel gehabt. Und natürlich sind die Medien auch schuld daran, dass sich seine Frau Veronica Lario nun von ihm scheiden lassen will.
Berlusconi will sich trotzdem weiter "aufopfern"
Trotzdem will Berlusconi weiterhin in Italien regieren. Er sei trotz der Intrigen gegen seine Person weiter "in den Herzen aller Italiener, das zeigen sie mir oft genug". Er sei der einzige Premier in Europa, der eine Mitte-Rechts-Regierung beieinanderhalten könne. Die Motivation dafür sei seit Jahren dieselbe: "Ich bin seit 1994 in der Politik, um die kommunistischen Ideologien in meinem Land zu bekämpfen." Und er sei weiterhin bereit, sich dafür "aufzuopfern". "Ich kann es nicht zulassen, dass meine Heimat, jenes Land, in dem ich als erster italienischer Unternehmer wirklich große Erfolge feierte, diesen Leuten zum Opfer fällt."











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