Diese schmerzhafte Erfahrung müssen auch ein paar Gangster-Bosse machen, die den Zorn der Kopfgeldjägerin zu spüren bekommen. Die Story rückt jedoch bereits wenige Minuten nach Spielbeginn in den Hintergrund und überlässt das Feld fortan bleihaltiger und vor allem blutiger Action, die direkt einem B-Movie Quentin Tarantinos entsprungen zu sein scheint und letztlich nur eines zum Ziel hat: viele Gegner möglichst schnell und elegant über den Jordan zu befördern.
Damit Rubi mehr Kills und in dessen Folge auch bares Geld für Waffenupgrades auf ihrem Konto verbuchen kann, verfügt die Gute über die glückliche Gabe, die Zeit zu verlangsamen. Dies geschieht automatisch bei jedem Sprung oder Rutschen auf den Knien, was es der Killerin erlaubt, ihre Gegner in aller Ruhe mit dem Katana oder ihren Schießprügeln ins Visier zu nehmen. Die Zielerfassung erfolgt dabei zur Hälfte manuell, zur Hälfte automatisch, und ermöglicht Rubi so das gleichzeitige Ausschalten zweier Gegner.
Die hohe Kunst des Spiels besteht nun darin, die für die Rivalen meist tödlichen Auseinandersetzungen zu Kombos miteinander zu verbinden, was wiederum einen Punktemultiplikator in die Höhe schnellen lässt. Rubi verfügt zu diesem Zweck über ein umfangreiches Bewegungsrepertoire, welches vom Hinabrutschen von Leitern über das Hochlaufen an Wänden bis zum Saltoschlagen reicht.
Bis auf diese mit Akrobatik-Einlagen gepaarten Schieß-Orgien hat "Wet" allerdings nur wenig zu bieten. Auch der von Marketingstrategen angepriesene "Rage"-Modus, in dem sich das Bild blutrot färbt, bietet letzten Endes nicht mehr als die gewohnte Metzelei. Einzig einige Quick-Time-Events, in denen sich Rubi durch richtiges Knöpfchendrucken etwa in "Matrix"-Manier über einen Autobahnabschnitt kämpft, sowie die Arena-Konfrontationen, in denen solange Gegner auf Rubi einströmen, bis im Level-Abschnitt verteilte Portale zerstört wurden, sorgen für Abwechslung.
Das ist insofern schade, weil "Wet" in punkto Aufmachung durchaus zu gefallen weiß. Die Texturen hätten zwar mit Sicherheit ein paar Details mehr vertragen können – insbesondere die Gegner wirken mehr als klobig – und auch die deutsche Synchronisation lässt einen gewissen Enthusiasmus vermissen, das Flair und den Charme eines B-Movies, inklusive Filmriss-Filter und Werbeunterbrechung, haben die Entwickler jedoch sehr gut eingefangen.
Am Ende reicht dies allerdings nicht aus, um auf Dauer motivieren zu können – zumal nach gut fünf Stunden Spielzeit lediglich einige akrobatische Herausforderungen in Rubis Zuhause, einem Schrottplatz, sowie der Arcade-Modus bleiben. In diesem gilt es den Punktestand der Story-Missionen zu überbieten.
Fazit: Die anfängliche Freude über die "stylisch" inszenierte Ballerei weicht in Bethesdas "Wet" schnell einem Gefühl der Langeweile. Verantwortlich dafür zeichnet der nahezu immer gleiche Missionsablauf ohne Abwechslung und spielerischen Tiefgang. Auch der derbe Humor der abgebrühten Protagonistin, der herrliche B-Movie-Charme und der überaus gelungene Soundtrack können dieses Manko nicht mehr wett machen. Wer auf bleihaltige Luft steht, sollte demnach lieber zu John Woo's "Stranglehold" greifen – immerhin lassen sich da auch nahezu sämtliche Objekte in ihre Einzelteile zerlegen.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Bethesda Softworks
krone.at-Wertung: 7/10
von Sebastian Räuchle









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