Dramatische Zahlen
1 Mrd. Menschen hungern - höchster Wert seit 1970
Damit steht die Realität im krassen Gegensatz zu den im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Zielen, in denen die Vereinten Nationen ursprünglich angestrebt hatten, den Hunger bis 2015 zu halbieren. "Es sind alle Länder betroffen, und wie immer leiden die ärmsten Länder und die hilflosesten Bevölkerungen am meisten", sagte FAO-Chef Jacques Diouf.
Selbst Industrienationen sind betroffen
Die überwiegende Mehrheit der vom Hunger betroffenen Menschen lebt demnach in Entwicklungsländern, die meisten von ihnen im Asien-Pazifik-Raum. Dort sind 642 Millionen Menschen unterernährt. In Afrika südlich der Sahara sind es 265 Millionen Menschen, in Lateinamerika 53 Millionen, im Nahen Osten und in Nordafrika insgesamt 42 Millionen. In den Industrienationen leiden 15 Millionen Menschen Hunger.
"Es fehlt der politische Wille"
Die Auswirkungen der Krise auf den Welthunger seien "katastrophal", sagte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf. Er forderte die Regierungen der Industrieländer auf, sich stärker gegen den Hunger einzusetzen. "Was fehlt, ist der politische Wille, den Hunger für immer auszumerzen", kritisierte der FAO-Chef. Dabei seien die technischen und ökonomischen Voraussetzungen durchaus gegeben. So wie die Mächtigen der Welt "schnell, gemeinsam und kraftvoll" auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei nun "derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen".
"Die gegenwärtige Krise ist historisch beispiellos", erklärte die FAO. Unter den für die Entwicklungsländer besonders verheerenden Faktoren der aktuellen Wirtschaftskrise nennt der Bericht an erster Stelle, dass praktisch alle Länder rund um den Globus hart getroffen wurden. Da die armen Länder heute stärker in die Weltwirtschaft eingebunden seien als noch vor 20 Jahren, würden sie zudem von Schwankungen auf den internationalen Märkten unmittelbarer betroffen.
Lage war bereits vor der Krise dramatisch
Darüber hinaus sei die wirtschaftliche Krise in einer Zeit ausgebrochen, als bereits Nahrungsmittelnotstand herrschte. "Die armen Familien, die schon vorher ihr Hab und Gut verkauft, ihren Lebensmittelkonsum reduziert und bei essenziellen Ausgaben wie Gesundheit und Bildung gespart haben, riskieren nun angesichts hoher Nahrungsmittelpreise, niedrigeren Einkommen und erhöhter Arbeitslosigkeit, immer tiefer in die Hunger-Armuts-Falle zu stürzen", heißt es in dem Bericht.
In fünf Fallstudien des Welternährungsprogramms (WFP) zur Lage in Armenien, Bangladesch, Ghana, Nicaragua und Sambia wird die Notwendigkeit von stärkeren Investitionen im Agrar- und Infrastrukturbereich illustriert. "Auch kleine Farmer müssen Zugang erhalten zu Qualitätssaat, Düngemitteln, Nahrung und Technologie, und den Regierungen der ärmeren Länder müssen die wirtschaftlichen und politischen Mittel in die Hand gegeben werden, um vor Ort Agrarproduktion und Produktivität ankurbeln zu können", erklärte Diouf. Nur so würden die Betroffenen "produktiver und belastbarer".











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