Kriminalstatistik

Mehr Anzeigen - Aufklärungsquote kaum gestiegen

Wien
12.10.2009 12:09
Mehr Fälle angezeigt, Aufklärungsquote gestiegen: Das ist die auf den ersten Blick erfreuliche Anzeigenstatistik des Innenministeriums für die ersten drei Quartale 2009. Doch auf den zweiten Blick sieht es bei weitem nicht mehr so rosig aus. Ein gigantischer Fall von Internetbetrug mit 6.100 geklärten Fakten in Wien verzerrt die Statistik gewaltig. Bundesweit sieht es, wenn man diesen Fall herausrechnet, so aus: Mehr Fälle angezeigt, mehr geklärt, aber die Aufklärungsquote kaum gestiegen.

Für die Bundeshauptstadt, der die offiziellen Zahlen unter Einrechnung des Falles ein Plus von 9,8 Prozent bei den Anzeigen, plus 14,9 Prozent bei den geklärten Fällen und plus 1,3 Prozentpunkte bei der Aufklärungsquote ausweisen, sieht es mäßig aus: Mit plus 5,9 Prozent Anzeigen, plus 1,1 Prozent Klärungen, aber minus 1,3 Prozentpunkten bei der Aufklärungsquote stünde Wien bei Herausrechnung des einen Falles wesentlich schlechter da als in den offiziellen Zahlen. In Absolutzahlen läge die bereinigte Aufklärungsquote trotz U-Bahnstreifen, Soko Ost und anderer Schwerpunktaktionen bei 26,7 Prozent.

Pkw-Diebstähle und Einbrüche bleiben Sorgenkinder
Bisher wurden mehr als 2.100 Pkw gestohlen. Ein Plus von fast 70 Prozent zum Vorjahr. "Viele merken erst nach Stunden, dass ihr Auto weg ist. Da ist es längst im Osten", so Kriminal-Experte Johannes Scherz. Ebenso alarmierend: Mehr als 7.200 Wohnungen (plus 8,7 Prozent) und fast 1600 Häuser (plus 72 Prozent) haben Einbrecher heuer schon geknackt. "Vor allem von Jänner bis April gab es einen starken Anstieg. Den schleppen wir das ganze Jahr mit", so Scherz.

Weniger Banküberfälle verzeichnet
Erfreulich wertete der Kriminalist den Rückgang an Raubüberfällen um 337 in den ersten neun Monaten 2009. Gerade dieser Sektor sei in den vergangenen Jahren ein Sorgenkind gewesen. Auch die Zahl der Banküberfälle ist zurückgegangen. Bis Ende September gab es um 18 weniger als im Vergleichszeitraum 2008.

Eine Steigerung verzeichnete die kriminalpolizeiliche Abteilung bei Morden. Man liege um drei bis vier Fälle über dem Vergleichswert des Vorjahres, bei allerdings nach wie vor sehr niedrigen Gesamtzahlen unter 20. "Interessant ist, dass die spektakulärsten Fälle heuer eigentlich das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung zu behandeln hatte", sagte Scherz.

Spektakuläre Mordfälle
Das galt für den Mord an dem Tschetschenen Umar Israilov, der im Jänner in Floridsdorf auf offener Straße erschossen wurde. Der mutmaßliche Schütze ist bekannt, er dürfte sich nach Tschetschenien abgesetzt haben, mutmaßliche Komplizen sitzen in Untersuchungshaft.

Das LVT war auch im Mai für den Überfall auf ein Ravi Dass-Gebetshaus in der Pelzgasse zuständig, bei dem der in seiner Heimat bekannte indische Prediger Sant Rama Anand (Nand) durch Schüsse von Tempelbesuchern getötet worden war. Der ebenfalls aus Indien angereiste Sant Niranjan Dass erlitt wie zehn Tempelbesucher Verletzungen. Fünf Hauptverdächtige, die unmittelbar danach festgenommen worden waren, befinden sich in U-Haft.

Spektakuläre Fälle waren auch der Raubmord an der Nationalbankangestellten Julia R. in Hernals. Der mutmaßliche Täter, ein 38-jähriger Ungar, wurde über das Mobiltelefon der Ermordeten gefasst. Aufsehenerregend, aber letztendlich eine Beziehungstat, war der Mord an einer Frau in Penzing, die im September auf offener Straße erschossen worden war. Weil die 25-Jährige die Freundin einer nicht unbekannten Größe der Wiener Rotlichtszene war, sahen manche bereits einen nahenden Unterweltkrieg. Einen Tag später wurde ein eifersüchtiger Ex-Freund als mutmaßlicher Täter festgenommen.

Kronen Zeitung und wien.krone.at

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