16.12.2009 14:27 |

"Chéri"

Verführerische Michelle Pfeiffer als "Mrs Robinson"

Die Augen sind die präzisesten Waffen weiblicher Koketterie. Ein sinnlich-lockendes Spiel flatternder Lider, das keiner Worte bedarf. Und entwaffnend ist Michelle Pfeiffers Blick in der Tat, dessen Farbe an eine graublaue aufgewühlte See gemahnt. Auf ihren Lippen träumt das wissende Lächeln um die Regeln erotischer Verführung. Sie zählt zu jenen Frauen, die den Kelch vorüberziehender Jahre bedenkenlos leeren und die den Zeichen der Zeit nur wenig Angriffsfläche bieten.

Mit 51 Jahren hat sie souverän zum Ufer der zweiten Lebenshälfte übergesetzt. Und mit „Chéri“, Stephen Frears' brillanter Verfilmung, basierend auf Colettes provokantem Roman, in dem sie eine Edelkurtisane im Paris der Belle Époque spielt, knüpft sie an ihre verführerische Aura und Performance in „Gefährliche Liebschaften“ an. Gut 20 Jahre später hat sie nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Pathetische Bankrotterklärungen an das eigene Dasein, nur weil sie im sechsten Lebensjahrzehnt angekommen ist, sind ihre Sache nicht. Und süffisant stellt Michelle Pfeiffer fest: „In Hollywood ist der Lolita-Wahn schön langsam rückläufig.“

Pfeiffer: „Ich horche in mich hinein“
Ist das Alphabet reifer, intensiv gelebter Gefühle wie in „Chéri“ ein anderes als in jungen Jahren? Pfeiffer: „Ich habe nie eine Figur gespielt, die nicht zumindest zur Hälfte meine Persönlichkeit besaß. Ich wäre unfähig, eine Rolle von A bis Z zu konstruieren. Stattdessen horche ich in mich hinein.“ Es ist atemberaubend, ihr dabei zuzusehen.

Paris also und seine Demimonde, seine Halbwelt, gesehen durch die Augen der französischen Schriftstellerin Colette. Michelle Pfeiffer spielt Léa de Lonval, die sich vom Geschäft mit der käuflichen Lust zurückgezogen hat. Das erarbeitete Vermögen ermöglicht ihr einen gediegenen Lebensstil. Bei Tee und Kartenspiel feilt sie mit anderen Kurtisanen an geschliffen-pikanten Bonmots, aktuelle Eitelkeiten und verflossene Galane betreffend. Ein rhetorisches Feuerwerk aus kundigem Munde.

Macht der Jugend oder Erfahrung?
Als Léa den Sohn einer Liebesdienerin zum Mann machen, ihn in die Geheimnisse lustvoller Sexualität einweihen soll - Mrs Robinson aus "Die Reifeprüfung" lässt grüßen -, sieht sie darin erst nur den willkommenen Flirt mit der Unschuld. Doch aus dem zärtlichen Nahkampf mit dem sanften Beau namens Chéri - gespielt von Rupert Friend - entwickelt sich eine über Jahre dauernde Liaison. Als der in den Liebeskünsten bestens Unterwiesene eine Geldheirat eingeht, fühlt sich Léa, die Pariser Halbweltdame, in ihrer Hingabe - nackt bis aufs Herz - verraten. Und das Ahnen um das eigene Verblühen wird zum tobenden Schmerz. Ein Geschlechterkampf, bei dem die Macht der Jugend über jene der Erfahrung nonchalant triumphiert.

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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