Akte aufgetaucht

“Helmut Zilk war kein Agent”

Österreich
26.03.2009 10:56
Jetzt liegt es auch schwarz auf weiß vor: "Helmut Zilk war kein Agent." So steht es in einer als geheim eingestuften Akte des Österreichischen Staatsarchivs aus dem Jahr 1969. Die verschollen geglaubten Unterlagen der Staatspolizei sind Mittwoch von einem ORF-Reporter auf Mikrofilm gefunden worden.

Das Original der Staatspolizei-Akte über Helmut Zilk dürfte vernichtet worden sein. Allerdings sind Teile der jetzt von dem Referenten im Staatsarchiv, Rudolf Jerabek, entdeckten Materialien auf Mikrofilm archiviert worden. Geführt wurde die Dokumentation über Helmut Zilk unter dem Codenamen "Mittwoch". Angelegt worden ist der Akt bereits nach dem Prager Fühling im Jahr 1968. 

In einer Untersuchung heimischer Behörden im September 1968 nach der Einvernahme eines Informanten aus der damaligen CSSR, die nun vorliegt, kam man dabei zu folgendem Schluss: "Dr. Zilk, Direktor des österreichischen Fernsehens, ist kein Agent, sondern lediglich Gesprächspartner auf dem politischen Sektor." Aus den Papieren geht auch eindeutig hervor, dass Zilk "sich weigert, etwas gegen österreichische Interessen zu tun". 

Zilks Motiv war "Reformpolitik"
Aus den 30 Jahre alten Akten lässt sich auch Helmut Zilks eigentliches Motiv belegen. Er wollte, wie in den Unterlagen wörtlich vermerkt, mit seinen Prager Kontakten und Möglichkeiten als Fernsehdirektor die Reformpolitik in der Tschechoslowakei betreiben. 

In diesem Sinne passen Helmut Zilks Kontakte auch gut ins Bild seiner Bemühungen nach den "Stadtgesprächen" - jener live übertragenen Diskussions-Sendung zwischen Wien und Prag. Mit diesem Format gelang es Zilk, mitten im Kalten Krieg über den Eisernen Vorhang hinweg Kontakte zu knüpfen. 

Diese Ost-West-Debatte im ORF brachte Österreich damals nicht nur international hohes Ansehen ein, sie führte auch zu einer sukzessiven Aufweichung der rigiden Zensurmaßnahmen des kommunistischen Regimes; Maßnahmen, die erst nach dem Prager Frühling wieder strenger wurden. 

Infame Vorwürfe widerlegt
Schon einmal, im Oktober 1998, waren die infamen Vorwürfe gegen Helmut Zilk wie eine Seifenblase geplatzt. Damals war es im Grunde eine in Prag initiierte üble Aktion gegen den tschechischen Präsidenten Vclav Havel. Diesmal allerdings ließen sich in Österreich ein paar Handlanger vor den Karren spannen. Und es kann nun darüber spekuliert werden, welche Interessen diese Intriganten verfolgen... 

Von Claus Pandi, Kronen Zeitung

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt