Banken-Staatshilfe

Erste Bank holt sich Milliarden-Finanzspritze

Österreich
27.02.2009 20:05
In der Nacht zum Freitag ist die börsenotierte Erste Group mit der Republik Österreich über die Staatshilfe handelseins geworden. Demnach wird die Bank im April insgesamt 2,7 Milliarden Euro aufnehmen. Bis zu 1,89 Milliarden Euro davon sollen vom Staat kommen - wofür acht Prozent Zinsen im Jahr bezahlt werden. Die restlichen 30 Prozent der will die Erste Group privat aufbringen. Die Inanspruchnahme von Staatshilfe führt bei der Erste Group automatisch auch zu Rückgängen bei den Vorstandsgehältern. Für das Jahr 2008 werden die Manager der Holding keine Bonuszahlungen erhalten, erläuterte Erste-Chef Andreas Treichl am Freitagvormittag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien die Vereinbarungen.

Außerdem müssten die Manager jedes Jahr, in dem die Bank die Zinsen für die Staatshilfe nicht bezahlen könne, ebenfalls auf ihre Boni verzichten. Derzeit werde zudem bei der Bank ein neues Gehaltssystem erarbeitet, in dem bei den Vergütungen auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit gesetzt werde. Wahrscheinlich werde es 2009 oder 2010 fertig sein. "Wenn die Bank weniger verdient, müssen auch die Manager weniger verdienen", betonte Treichl. Das betrifft alle Manager konzernweit.

Zudem ist mit dem Bund vereinbart, dass die Bank in den nächsten drei Jahren an die heimische Wirtschaft neue Kredite für 4,4 Milliarden Euro vergibt. Mit der Zusage vom Oktober, zwei mal drei Milliarden zu vergeben, sei die Bank bereits freiwillig darüber hinaus gegangen.

Bestbezahlter Manager Österreichs gibt sich wortkarg
Der bisher bestbezahlte Bankmanager in Österreich gab sich auf Fragen zu seinem eigenen Gehalt zurückhaltend. Für das Jahr 2007 hatte Treichl 4,42 Millionen Euro brutto jährlich bezogen - bestehend aus Grundgehalt und Bonuszahlungen. Für 2008 ist Treichl nun offenbar auf sein Fixgehalt von etwa 1,2 Millionen Euro zurückgefallen. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt des österreichischen Bundeskanzlers liegt bei 286.000 Euro brutto.

Der deutliche Rückgang könnte jedoch nur vorübergehend sein: Wenn die Bank die Zinsen auf den staatlichen Kredit zahlen kann, könnten Treichl und seine Kollegen auch in den nächsten Jahren theoretisch wieder mehr kassieren, zumindest wenn es nach dem Vertrag zur Staatshilfe geht.

Treichl: "Bin überzeugt, dass wir nicht mehr brauchen"
Erste-Group-Chef Treichl geht davon aus, dass die 2,7 Milliarden Euro an frischem Kapital ausreichen werden. "Ich bin überzeugt, dass wir nicht mehr Kapital brauchen", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz. "Wenn wir mehr brauchen, ist das nicht ein Problem der Erste Group". Das nämlich hieße, dass die ganze Region Osteuropa ein dramatisches Problem hätte. Expertenprognosen, wonach die österreichischen Banken in Osteuropa aus ihren Kreditengagements zwischen 20 und 30 Milliarden Euro verlieren könnten, kommentierte Treichl öffentlich nicht. "Ich kritisiere keine Analysten."

Gewinn um 26,8 Prozent gesunken
Der Konzernnettogewinn der Erste Group ist nach hohen Abschreibungen auf Ostbanken und strukturierte Papiere 2008 um 26,8 Prozent auf 859,6 Millionen Euro gesunken. Im vierten Quartal 2008 wies die Bank aber einen Verlust von 603 Millionen Euro aus. Nur die Erste-Tochter in der Ukraine schrieb 2008 Verluste (minus 28,7 Millionen Euro). Alle anderen Töchter seien profitabel gewesen, teilte die Bank mit.

Auch 2009 und 2010 werde die Bank weniger verdienen als man 2007 geglaubt habe. Eine Ergebnisprognose für 2009 mied Treichl auch auf mehrfache Nachfragen: "Erstens glaubt sie uns sowieso niemand und wenn wir sie nicht erfüllen, kriegen wir auch die Watschen."

Empörung über Ausschüttung einer Dividende
Auch die Aktionäre bekommen den Gewinneinbruch zu spüren und erhalten für 2008 etwas weniger Dividende: Die Bank kürzte die Ausschüttung auf 65 statt bisher 75 Cent. Bei den Grünen löste dies Empörung aus: Dass die Bank für das vergangene Jahr eine Dividende ausbezahle, gleichzeitig jedoch Geld vom Bankenhilfspaket in Anspruch nehme, sei "eine unglaubliche Dreistigkeit und Schamlosigkeit", so der Budgetsprecher der Grünen Wien, Martin Margulies. Während immer mehr Menschen arbeitslos werden oder von Kurzarbeit betroffen sind, werde "aus Steuergeldern der Reichtum der Vermögenden abgesichert", so Margulies in einer Aussendung. In Krisenzeiten sei kein Platz für "Steuergeldverschwendung an Aktienbesitzer".

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