So, 19. August 2018

Prügelorgie

25.02.2009 10:32

Street Fighter IV

Seit 1987 geben sich die Heroen der "Street Fighter"-Serie aus dem Hause Capcom bereits auf die Nase. Dementsprechend groß war die Freude, als der japanische Publisher im Oktober 2007 offiziell den vierten Teil des Prügelspiels ankündigte. Fast anderthalb Jahre später steht "Street Fighter IV" nun endlich in den Läden – und fast scheint es so, als wäre die Zeit an ihm spurlos vorübergegangen.

Denn während andere Hersteller sich all die Jahre meist vergeblich bemühten, das Beat'em-Up-Genre weiter zu entwickeln, kehrt "Street Fighter IV" zu den Wurzeln der Serie zurück und präsentiert klassische Mann-gegen-Mann-Kämpfe in 2D. Herumtänzeln um seinen Gegner kann man demnach ebenso wenig wie plötzlich in einer Arena über eine Treppe auf eine andere Ebene stolpern, auch wenn die Kämpfer selbst und die Schauplätze in 3D gehalten sind.

Altbewährt auch das Spielprinzip: Im Arcade-Modus tritt der Spieler als einer von insgesamt 25 Charakteren, 16 davon stehen von Beginn an zur Verfügung, gegen einen Kontrahenten seiner Wahl an, bis er nach mehreren erfolgreichen Schlägereien schließlich seinem Erzfeind gegenüber tritt. Ryu, Ken, Honda, Blanka, Mr. Bison und zahlreiche weitere alte Bekannte sind mit von der Partie, neu hinzugekommen sind etwa der dicke Rufus, Franzose Abel oder Schlägerbraut Crimson Viper.

Wer mehr über die einzelnen Charaktere in Erfahrung bringen möchte, bekommt vor jedem Kampf in kurzen Manga-Sequenzen ein paar spärliche Details zu Geschichte, Werdegang und Herkunft seiner Spielfigur verraten. Eine epische Story, die dem Ganzen einen tieferen Sinn verleiht, sucht man allerdings vergeblich. Dies ist aber auch nicht weiter schlimm, stand bei "Street Fighter" doch von jeher die Action im Vordergrund.

Daran hat sich auch im vierten Teil der Serie nichts geändert, zumal das Kampfsystem mit einigen Neuerungen wie dem aufladbaren Fokus-Angriff sowie den Super- und Ultra-Kombos aufwarten kann:  Letztere lassen sich abhängig davon, wie viel Prügel der Spieler während des Kampfes austeilt und auch einstecken muss, entfesseln. Dank acht unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade werden blutige Anfänger wie ausgefuchste Profis gleichermaßen gefordert, zumal für all jene, die sich mit den Besonderheiten der zwar leicht zugänglichen, aber nur schwer zu meisternden Steuerung vertraut machen wollen, ein umfangreicher Tutorial-Modus zur Verfügung steht.

Trainieren lässt es sich auch sehr gut mit Hilfe des Trial-Modus, indem anfangs noch simple Schläge und einfache Kombos, später besonders knackige Spezialattacken auszuführen sind. Im Survial-Modus geht es hingegen ums nackte Überleben, während im Time-Attack-Modus Widersacher innerhalb der erbarmungslos heruntertickenden Uhr zu besiegen sind. Sein wahres Potential entfaltet der Titel allerdings erst im Spiel gegen einen zweiten menschlichen Gegner – sei es off- oder online. Wer sich nicht in Ranglisten-Kämpfen messen möchte, kann sich online auch auf die Suche nach einem Kontrahenten seiner Wahl begeben oder sich in Zufallsbegegnungen stürzen.

Sowohl in akustischer als auch optischer Hinsicht präsentiert sich der Titel auf der Höhe der Zeit, wenngleich der Cel-Shading-Comik-Look der Charaktere und vor allem die Manga-Zwischensequenzen sicher nicht jedermanns Geschmack sind. Dennoch: Sind die Kämpfer erst einmal in Fahrt gekommen, darf sich das Auge des Spielers an absolut flüssigen Animationen und einem Effekt-Feuerwerk sondergleichen erfreuen. Etwas nervig sind auf Dauer hingegen die musikalische Untermalung und die sich stets wiederholenden Sprüche der Prügelknaben. Die fetzige Soundkulisse macht diese Mankos aber wieder wett.

Fazit: "Street Fighter IV" erinnert ein wenig an alte Filme mit Bud Spencer und Terence Hill: Obwohl bereits deutlich in die Jahre gekommen, hat das Spiel trotz oder gerade wegen seiner einfachen Strickart und Geradlinigkeit einen gewissen Unterhaltungswert. Anfangs leicht zugänglich, später aufgrund der komplexen Kampfmöglichkeiten nur schwer zu meistern, kommen mit "Street Fighter IV" sowohl blutige Anfänger als auch eingefleischte Fans der Serie auf ihre Kosten. Ein paar zusätzliche Modi wären zwar wünschenswert gewesen, langfristiger Spielspaß wird jedoch auch durch die zahlreichen freischaltbaren Extras und den Online-Modus garantiert.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC (Juni 2009)
Publisher: Capcom
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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