27.01.2009 12:14 |

Postler in Angst

300 Postämter auf Streichliste für das Jahr 2009

Nach dem kurzen "Weihnachtsfrieden" geht bei den Postlern jetzt wieder die Angst um: Wer muss gehen, wen wird es treffen? Denn noch heuer sollen 300 Filialen geschlossen werden - vor allem die defizitären auf dem Land. Bei den Briefträgern ist die Stimmung damit erneut auf dem Tiefpunkt. Die zuständige Infrastrukturministerin Doris Bures verweist in dem wiederaufflammenden Streit auf den von Bundeskanzler Werner Faymann verordneten Schließungsstopp - der gilt aber nur für das erste Halbjahr. Bei der Post dementiert man die Liste nicht, hält sich aber über die Zahl der Schließungen bedeckt.

"Wir haben eine Finanzkrise. Wenn ich jetzt meinen Job verliere, was soll ich dann tun? Wer nimmt mich denn?", sagt ein 46-jähriger Postler aus Niederösterreich im Gespräch mit der "Krone". Ein Gedanke, den derzeit viele Mitarbeiter des gelben Unternehmens auf dem Land haben. Denn der "Weihnachtsfrieden" im Poststreit ist vorbei, wieder schocken die neuen Zahlen die Belegschaft.

300 Filialen sollen für immer geschlossen werden und das noch im heurigen Jahr. Stattdessen sollen neue Postpartner die Geschäfte führen. Eine Idee, die schon in der Vergangenheit hoffnungslos gescheitert ist. Rund 1000 Filialen wurden in den letzten Jahren geschlossen, "eingesprungen" sind dafür magere 170 Partner. Einige der Postpartner wollen sich von dem großen Chef-Unternehmen sogar wieder lösen. "Es rentiert sich einfach nicht", sagt ein Postpartner aus Kaumberg in Niederösterreich. "Ein paar Briefe, ein paar Pakete , dafür aber ein eigenes Computersystem und eine Zettelwirtschafts-Bürokratie, die sich gewaschen hat."

Post: "Mitarbeiter kommen an anderer Stelle unter"
Die Zahl 300 will Post-Sprecher Michael Homola nicht bestätigen, sagt dafür aber: "Betroffene Mitarbeiter kommen im Konzern an anderer Stelle wieder unter." Doch an eine Job-Garantie glaubt niemand im Unternehmen. Der Auf-Teufel-komm-raus-Spargedanke ihrer Manager macht allen auf dem Land große Angst.

Dass Schließungen durchgeführt werden sollen, war vom Management ja nie abgestritten worden. Man habe lediglich betriebsbedingte Kündigungen für heuer ausgeschlossen und versprochen, Personal aus betroffenen Filialen anderweitig zu beschäftigten. Nach Vorliegen der Liste wird die Post AG das Einvernehmen mit den betroffenen Gemeinden suchen, hieß es.

Die für die Post zuständige Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) verweist bei der Zahl 300 lediglich auf die Verordnung Faymanns, nach der die Post in der ersten Jahreshälfte keine Filialen stilllegen darf. Das gebe dem Management "Zeit für die Erarbeitung eines neuen Unternehmenskonzepts, das sich nicht in Schließungen und Personalabbau erschöpft", so Bures im Hinblick auf den weiter schwelenden Konflikt um die geplanten Postamtsschließungen. Im Regierungsübereinkommen sei jedenfalls eine "flächendeckende, qualitativ hochwertige und leistbare Versorgung" mit Postdienstleistungen auch am Land vereinbart worden.

Post-Gewerkschaftssprecher Martin Palensky ortet im Zusammenhang mit der 300er-Liste eine "Provokation" aus dem Management: "Wir werden uns nicht provozieren, aber auch nicht an der Nase herumführen lassen."

25.000 Unterschriften für das Volksbegehren
Das Thema Postämter jedenfalls beschäftigt alle, Kunden sowie Postler. 25.000 Österreicher haben die Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren "Stopp dem Postraub" bereits unterschrieben. Die Formulare liegen bis Ende des Monats in den Gemeindeämtern und den Magistratsabteilungen auf.

Von Michael Pommer, KronenZeitung, und krone.at

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