678 im Jahr 2008

Neuer Tiefststand bei Verkehrstoten erreicht

Österreich
01.01.2009 17:33
678 Verkehrstote im Jahr 2008 in Österreich - das bedeutet erneut einen historischen Tiefststand. Seit Beginn der Aufzeichnungen des Innenministeriums im Jahr 1950 waren im Vorjahr die wenigsten Unfallopfer zu beklagen, gab Innenministerin Maria Fekter am Neujahrstag bekannt. 2007 hatte es noch 691 Verkehrstote gegeben, also 13 Opfer mehr als im vergangenen Jahr. Trotzdem gibt es Kritik: Der Verkehrsclub Österreich meint, das Ziel für 2008 wären weniger als 577 Tote gewesen. Es wurde also klar verfehlt. VCÖ und ÖAMTC fordern die Umsetzung umfangreicher Maßnahmen durch Verkehrsministerin Bures, darunter eine Erweiterung des Vormerksystems und verstärkte Unfallursachenforschung.

Die Zahl für 2008 liegt in der Tat immer noch deutlich über dem Zielpfad für das Verkehrssicherheitsziel 2010. Auch wenn die österreichische Unfallstatistik für den Straßenverkehr seit Jahren rückläufig ist, sinkt die Zahl der Toten zu langsam: Im Verkehrssicherheitsprogramm wurde 2002 beschlossen, dass die Zahl der tödlichen Unfälle bis 2010 auf rund 500 gesenkt werden soll, wofür auch jährliche Etappenziele festgelegt wurden. Diese versäumt man seither regelmäßig, wie auch der VCÖ bemerkte. Das Ziel für 2008 seien demnach weniger als 577 Verkehrstote gewesen.

Mehr Details zur Verkehrsstatistik 2008 wie die Aufteilung nach Bundesländern und Verkehrsmitteln findest du in der Infobox!

Das schwärzeste Jahr in der Unfallstatistik war das Jahr 1972 mit 2.948 Toten. Vor neun Jahren, im Jahr 1999, gab es in Österreich noch mehr als 1.000 Tote (1.079) im Straßenverkehr. Der Rückgang seit damals beträgt mit 37 Prozent mehr als ein Drittel. Das Zwischenziel für das Verkehrssicherheitsprogramms 2002 bis 2010 (Ausgangsbasis 1.006 Getötete; minus 50 Prozent bis 2010) zeigt derzeit aber ein Minus von knapp 33 Prozent.

VCÖ: Schnellfahren und Handyfonieren ins Vormerksystem
Kritik gab es nach der Veröffentlichung der Zahlen vom Verkehrsclub Österreich und dem ÖAMTC. „Österreich hat das Verkehrssicherheitsziel von weniger als 577 Verkehrstoten leider klar verfehlt“, betonte der VCÖ. Die Organisation fordert ein Verkehrssicherheitspaket mit einer Erweiterung des Vormerksystems. 

„Die Hauptunfallursachen sind nach wie vor zu schnelles Fahren, Alkohol am Steuer und Ablenkung, etwa durch Telefonieren. Bei diesen Delikten ist anzusetzen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, sagte VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Der VCÖ begrüßt Vorhaben von Verkehrsministerin Doris Bures, das Vormerksystem zu reformieren. Aus Sicht des VCÖ sei es wichtig, dass Schnellfahren und Telefonieren am Steuer in das Vormerksystem aufgenommen werden. „Ein großes Problem im Straßenverkehr ist, dass zu wenig Rücksicht aufeinander genommen wird. Wir brauchen mehr Miteinander statt Gegeneinander“, so der VCÖ.

ÖAMTC: Mehr Ursachenforschung und „Coaching-Gespräche“
„Die Voraussetzung für eine effektive Verkehrssicherheitsarbeit ist eine gezielte Unfallursachenforschung“, meinte der Chef der ÖAMTC-Interessensvertretung, Mario Rohracher. „Nur mit fundierten Daten ist es möglich, treffsicher Unfallursachen, Unfallhäufungspunkte und Einstellungsdefizite bei den Lenkern zu erheben und die richtigen Maßnahmen zu setzen. Sonst könnten die Unfallzahlen auch in den kommenden Jahren auf dem jetzigen Niveau stagnieren.“

Für alle Formen von Verkehrsübertretungen sind gezielte Kontrollen und eine konsequente Überwachung durch die Exekutive wichtig. „Das gewährleistet, dass Vergehen mit bestehenden Strafen sanktioniert und Hochrisikolenker aus dem Verkehr gezogen werden“, sagt der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Der Club plädiert in diesem Zusammenhang auch dafür, Strafkataloge bundesweit einheitlich zu gestalten. „Klare Sanktionen erleichtern die Präventivarbeit“, so Rohracher.

Zudem wünscht sich der ÖAMTC das von Verkehrsministerin Bures angeregte „Coaching-Gespräch“ für jene Lenker, die mit 0,5 bis 0,8 Promille am Steuer erwischt werden. Weitere Forderungen des Clubs: eine Evaluierung und Verbesserung der Mopedausbildung und eine optimierte  Schutzweggestaltung für mehr Sicherheit für Fußgänger.

Fekter will weiter auf Prävention setzen
Für Innenministerin Maria Fekter ist die Bilanz der Verkehrsstatistik ein Auftrag, die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. „Neben einer verstärkten sichtbaren Präsenz der Exekutive an unfallträchtigen Strecken oder Straßenstellen werden wir unsere strategische und zielgerichtete Verkehrsüberwachung und Verkehrskontrolle auch künftig an die aktuellen Entwicklungen und Erfordernisse anpassen und auch im kommenden Jahr weiter intensivieren und verstärken“, sagte die Ressortchefin.

„Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit für noch mehr Sicherheit im Straßenverkehr ist die vielfältige Tätigkeit der Exekutivbeamten im Bereich der Prävention“, so Fekter. Vor allem die Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen, die Kinderpolizei, die Verkehrssicherheitsberatungen für Jugendliche und Senioren sowie die Fahrsicherheitstrainings für Moped- und Motorradlenker seien wichtig und wesentlich zur Bewusstseinsbildung.

Seit 2006 werde zudem verstärkt an einer Modernisierung der Verkehrsüberwachungsgeräte gearbeitet. "Beispielsweise wird der erfolgreiche Weg des Einsatzes der derzeit 834 Alkoholvortestgeräte und der damit einhergehenden wesentlichen Erhöhung der Kontrolldichte fortgesetzt", sagte die Innenministerin. Die Radargeräte werden weiter auf digitale Systeme umgerüstet, derzeit seien 126 von 168 Radaranlagen mit digitaler Technik ausgestattet. "Nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit stellt nach wie vor die Hauptursache der tödlichen Verkehrsunfälle dar", erklärte Fekter. "Jeder Verkehrstote ist einer zu viel ", betonte die Innenministerin.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
01.01.2009 17:33
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt