Mo, 20. August 2018

Gutachten fertig

22.10.2008 16:06

"Ich habe eine bösartige Ader!"

Wer ist dieser Josef F., der seine Tochter 24 Jahre lang wie eine Sklavin hält, sie zwingt, sieben Kinder von ihm in einem Keller zur Welt zu bringen - und der eigenen Frau drei davon zur Erziehung "unterjubelt"? Wir wissen mittlerweile: Dieser Josef F. ist zurechnungsfähig. War es immer. Aber im soeben fertig gestellten Gutachten lernen wir noch viel mehr von ihm kennen. Das Kind, den Pubertierenden, den Erwachsenen, den Horror-Vater ...

130 Seiten stark ist das Gutachten von Primaria Heidi Kastner, Leiterin der forensischen Psychiatrie Linz. Und stark ist auch der Inhalt. Im Folgenden einige wichtige Passagen.

Das Kind Josef F.: Sohn einer Mutter, die ihn als "Alibikind" (Zitat F.) zur Welt brachte. Um zu beweisen, dass sie nicht unfruchtbar ist. F., der behauptet, ein geschlagenes, ignoriertes, unterjochtes Kind gewesen zu sein. Isoliert von anderen seines Alters. Ein Kind, das lernte, fortan Realitäten auszublenden und sich vornahm: "Ich will was aus meinem Leben machen, nie wieder gedemütigt werden."

Der pubertierende Josef F.: einerseits besessen, zu lernen und seinen Intellekt zu schärfen. Darunter bereits verborgen: die "böse Seite" (Zitat Kastner). Das Verlangen nach Machtausübung gegenüber Frauen erwacht. Bald wird er Frauen im Park nachstellen, später wird er wegen Vergewaltigung verurteilt. Parallel: heiratet er ...

Der erwachsene Josef F.: hat viel von einem Vulkan. Eine unspektakuläre Oberfläche, fast bieder. Er fühlt sich zerrissen, will alles gut machen - dann wiederum "kommt das Böse in ihm zum Ausbruch" (Kastner). "Ich habe festgesellt, dass ich eine bösartige Ader habe", und: "für jemanden, der zum Vergewaltigen geboren ist, habe ich relativ lange durchgehalten", sagt er im Gutachten, das an Deutlichkeit nichts vermissen lässt.

Primaria Kastner kommt zum Schluss, dass er mit der Einkerkerung seiner Tochter für seine Perversion die "Ideallösung" gefunden hat. Sein Leben spiegelt seine Seele wider: "oben" das biedere Haus, das biedere Leben. "Unten", im Keller, konnte er seine "böse Seite" ausleben. Seine abartigen Phantasien.

Dreifachleben geführt
F. will seiner Tochter bei sexuellen Übergriffen nie ins Gesicht gesehen haben und denkt heute noch daran, mit seiner Familie seinen Lebensabend zu verbringen. F. hat es immer geschafft, Realitäten auszublenden. Er ist nicht nur "exorbitant fähig, ein Doppelleben zu führen. Er schaffte auch die Aufrechterhaltung eines Dreifachlebens ohne Probleme", sagt Kastner.

Sehr hohe Rückfallgefahr
Für sie ist klar: Josef F. ist krank. Er ist straffähig, muss aber in eine Anstalt, denn die Rückfallgefahr ist in seinem Fall hoch. Sehr hoch.

Interessant auch die Begründung des Warum: F. wollte immer die unauflösbare Nähe, den völligen Besitz. Er war überzeugt, seine Tochter würde für den Rest ihres Lebens ihm gehören.Selbst nach ihrer Befreiung würde sie für keinen anderen Mann mehr attraktiv sein können ...

Von Susi Hauenstein, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.