Mi, 22. November 2017

100 Korruptionsfälle

06.10.2017 14:17

Minister bedroht: „Das wird er bitter bereuen!“

Diese Dimension der möglichen Korruption sprengt jegliche Vorstellungskraft: Die Staatsanwaltschaft München hat bei Ermittlungen gegen den Airbus-Konzern 100 mutmaßliche Schmiergeld-Deals in dreistelliger Millionenhöhe entdeckt. Im Zentrum: die Firma Vector Aerospace, die auch beim österreichischen Eurofighter-Skandal eine bedeutende Rolle spielt. Minister Hans Peter Doskozil (SPÖ), der mit seiner "Taskforce" seit Februar auch verstärkt die Ermittlungen unterstützt, wurde persönlich bedroht.

"Das wird der Minister noch bitter bereuen", soll ein leitender Jurist der Firma Airbus kürzlich im Beisein eines Anwalts des Verteidigungsministeriums deutlich ausgesprochen haben - der Druck aus Österreich, die Ermittlungen in der Causa Eurofighter intensiv und schneller als bisher zu führen, stört die Bosse des internationalen Flugzeug- und Rüstungskonzerns offenbar gewaltig.

Die neuesten Recherchen der Kollegen vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" werden nicht dabei helfen, diese Nervosität der Airbus-Manager zu reduzieren: So wird im aktuellen Heft, das am Samstag erscheint, erstmals detailliert über die gesamte Dimension des möglichen Korruptions-Netzwerks der Firma Airbus berichtet (es gilt die Unschuldsvermutung).

In Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft München wird nun dokumentiert, dass eine Abteilung des Konzerns in Paris ein weltweites Schmiergeld-Netz aufgezogen haben soll. Es geht konkret um den Einsatz von externen Beratern, die ein System schwarzer Kassen geschaffen haben sollen.

Mit diesen mutmaßlichen Bestechungszahlungen sollen Flugzeuglieferungen des deutsch-französischen Konzerns nach China, Indonesien und Kasachstan unterstützt worden sein, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht. Aber auch die bei uns in Österreich bereits gut bekannte Firma Vector Aerospace wird in diesen Ermittlungsakten prominent erwähnt.

An dieser "Vector Aerospace" war auch die Airbus-Abteilung in Paris beteiligt - und sie habe laut deutscher Justiz die Aufgabe gehabt, "Schmiergeldzahlungen an österreichische Entscheidungsträger" zu leisten, die am Kauf der Eurofighter-Kampfflugzeuge (2002) beteiligt waren. Wie berichtet, sitzt Vector-Direktor Gianfranco Lande in Italien in Haft. In den Akten der Justiz sollen sich auch Hinweise finden, dass Airbus-Konzernchef Thomas Enders (Bild unten) über den Aufbau von Vector informiert war.

Staatsanwaltschaft München wird Anklage erheben
Der Airbus-Konzern dementiert jede Verwicklung in eine strafbare Handlung: "Weder die seit Jahren andauernden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in München und Wien noch unsere eigenen umfangreichen Untersuchungen haben Anhaltspunkte ergeben, die auf Bestechung im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Flugzeugen nach Österreich hindeuten." Trotz aller Beteuerungen des Airbus-Konzerns: In Kürze wird die Staatsanwaltschaft München Anklage erheben

Eurofighter stürzt bei Flugshow ab - Pilot tot
Erst am 24. September ist bei einer Flugshow im italienischen Terracina am Tyrrhenischen Meer ein Eurofighter-Jet bei einem missglückten Flugmanöver ins Meer gestürzt (siehe Video unten). Der Pilot kam dabei ums Leben.

Richard Schmitt
Chefredakteur krone.at
Richard Schmitt
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