Mo, 18. Dezember 2017

Kaum zu vernichten

12.12.2013 12:20

USA: "Superunkraut" durch genmanipulierte Pflanzen

Forscher warnen vor "Superunkraut", das sich in den USA bereits auf 24 Millionen Hektar Land breitgemacht habe und kaum noch zu vernichten sei. Entstanden sei es durch genmanipulierte Pflanzen, genauer gesagt den damit verbundenen Umgang mit Unkrautvernichtungsmitteln. Die Wissenschaftler fordern nun eine Rückkehr zu nachhaltiger Landwirtschaft und Biodiversität statt Monokulturen.

Die Studie "The Rise of Superweeds - and What to Do About It" kommt vom unabhängigen US-Forscherverband Union of Concerned Scientists. Die Wissenschaftler schreiben, dass US-Bauern verzweifelt versuchen, Unkraut zu vernichten, das gegen entsprechende Mittel immun sei, klinge wie ein Science-Fiction-Film - sei aber längst Realität. Über 24 Millionen Hektar Land seien inzwischen betroffen.

Begonnen habe alles mit dem - von Umweltschützern seit Jahrzehnten heftig kritisierten - Konzern Monsanto. Dieser ist berühmt für Saatgut, das so genmanipuliert wurde, dass die Pflanzen möglichst viel Nahrung produzieren, vor allem aber Unkrautvernichtungsmitteln standhalten. Die Idee: Gewaltige Monokulturen ohne die dabei üblichen Probleme durch Unkraut, denn das sollte komplett ausradiert werden.

Gewaltiger Erfolg für Gen-Saat
In den 1990ern stellte Monsanto eine neue Linie Samen vor, genannt "Roundup Ready", die dank Genmanipulation gegen den von der Firma patentierten Unkrautvernichter Roundup bzw. dessen Hauptbestandteil Glyphosat immun waren. Obwohl "Roundup Ready" vergleichsweise teuer war, wurden die Samen zum Verkaufsschlager, schließlich vereinfachten sie die Unkrautvernichtung. Und das, obwohl Glyphosat als weniger giftig als vergleichbare Mittel galt.

Das Problem: Je mehr Bauern das System einsetzten, desto mehr breiteten sich gegen Roundup resistente Unkrautarten in den USA aus. So setzten die Bauern nach und nach zusätzliche Unkrautvernichtungsmittel ein, um der Lage Herr zu werden. So sei der Verbrauch kontinuierlich angestiegen, statt wie versprochen zu sinken, beschreiben die Wissenschaftler. Und gegen die resistenten Unkrautarten ist dennoch kaum ein Ankommen.

Lösung der Firmen: Noch mehr Gift
Die Forscher warnen nun davor, dem Lösungsvorschlag der Industrie zu folgen: Diese setzt auf neues gentechnisch verändertes Saatgut, gerade wird in den USA die Zulassung durch das Landwirtschaftsministerium geprüft. Die Saat soll nicht mehr nur gegen Glyphosat, sondern auch ältere Unkrautvernichter wie 2,4-D und Dicamba immun sein.

2,4-D und Dicamba aber gehören laut der Union of Concerned Scientists zu einer chemischen Klasse, die mit erhöhten Krankheitsraten in Verbindung gebracht wird, etwa dem Non-Hodgkin-Lymphom. Zudem seien sie hochgiftig für viele Samen herkömmlicher Frucht- und Gemüsesorten. Da sich 2,4-D und Dicamba viel leichter über die Luft verteilten, sei es wahrscheinlich, dass benachbarte Anbauflächen und Brachland in Mitleidenschaft gezogen würden.

Forscher raten zu Tradition und bio
Die Wissenschaftler sehen nur einen Ausweg: Dem Unkraut müsse wieder mit althergebrachten Methoden und biologischer Landwirtschaft der Garaus gemacht werden. Dazu zählen sie die Rotation beim Anbau, Gründüngung und die Verwendung von Kompost statt künstlicher Düngemittel. Zudem seien eine Abkehr von Monokulturen sowie verstärkte Biodiversität - durch die Einmischung von Pflanzen, die chemische Stoffe produzieren, die als natürliche Unkrautvernichter wirken - wichtig. Bauern sollten überdies stärker auf bestäubende Tiere und andere Nützlinge, die sonst durch chemische Unkrautvernichtungsmittel ausgerottet werden, setzen.

Mit all diesen Maßnahmen könne man nicht nur dem Superunkraut das Leben schwerer machen, so die Forscher. Auch die Fruchtbarkeit des Bodens werde erhöht, die Vergiftung des Grundwassers aufgehalten und weniger Emissionen produziert, die der globalen Erwärmung Vorschub leisten. Damit all das auch umgesetzt werde, brauche es vor allem mehr Informationen und Hilfe für Bauern, genau wie Investitionen in Bio-Landwirtschaft und weitere Forschung, so der Bericht.

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