So, 27. Mai 2018

Doping-Prozess

10.08.2011 14:40

Walter Mayer fühlt sich als Opfer einer massiven Intrige

Der ehemalige ÖSV-Trainer Walter Mayer hat am Mittwoch im Doping-Prozess im Landesgericht Wien erneut seine Unschuld beteuert. Der 54-jährige Salzburger sieht sich als Opfer einer groß angelegten Intrige gegen seine Person. "Es gibt wenige Menschen, die mit Vorurteilen so belastet sind wie ich", gab Mayer zu Beginn seiner Befragung durch Richterin Katharina Lewy an. Danach stritt der einstige Vater des österreichischen Langlauf-Wunders sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab und stellte sich als Sündenbock bzw. Opfer dar.

Er habe nie etwas mit Doping zu tun gehabt, "nie damit gehandelt oder es weitergegeben". Die Anschuldigungen seien alle erlogen, der SOKO Doping warf er sogar vor, ein "Beschuldigtenprotokoll" gefälscht zu haben und korrupt zu sein.

Den Mitangeklagten Karl Heinz R., der Mayer zum Prozessauftakt am Montag schwer belastet hatte, habe er im Sommer 2005 auf Empfehlung eines Freundes persönlich kennengelernt, weil er einen guten Dachdecker für eine Baustelle benötigt habe. "Freund war er aber sicher keiner von mir. Es war nur ein loser Kontakt."

"Katzenfutter" doch kein Codewort?
Er habe R. auch nur dreimal zu Hause besucht. "Am 1. April 2008, als ich eine Katze holte, und am 12. April 2008, als ich die zweite Katze holte", sagte Mayer. Das dritte Mal sei dann in Klagenfurt gewesen. "Ich habe nur die Katzen abgeholt", betonte der Ex-ÖSV-Coach. Um Dopingmittel sei es bei diesen Besuchen nie gegangen, oder wie Mayer es ausdrückte: "Ich habe auch kein Katzenfutter mitgenommen." Damit spielte er auf die Aussage von R. am Montag an, dass "Katzenfutter" das Codewort für Doping in persönlichen Gesprächen mit Mayer gewesen sei.

Auch habe er im Dezember 2005 R. nicht gefragt, ob er ihm Dopingmittel besorgen konne, vielmehr sei "das Gegenteil" der Fall gewesen. "Ich habe in Erinnerung, dass er mich gefragt hat", gab Mayer an, weil R. Langlauf betrieben habe und immer hinten nach gelaufen sei. "Da habe ich ihm gesagt: Hör mit der Bodybuilding-Szene auf - und mit dem Dopen! Wenn du schnell laufen willst, dann darfst du nicht Anabolika nehmen."

Schlankheitspräparat mit verkehrter Wirkung
Das einzige Präparat, das er von R. jemals bezogen habe, sei ein Abnehmmittel gewesen. Dieses sei im Zuge des Olympia-Skandals 2006 in Turin um Österreichs Langläufer und Biathleten bei den Razzien von der italienischen Polizei sichergestellt worden. Auch sei der gewünschte Erfolg ausgeblieben. "Ich bin schwerer und nicht leichter geworden", führte Mayer an, dass er R. deswegen auch telefonisch kontaktiert habe. "Das ist, weil du so viel säufst und Potenzmittel nimmst", soll dessen Antwort damals gelautet haben.

Über die damalige Lebensgefährtin von R. sagte Mayer, sie lüge, wenn sie behaupte, dass sie Mayer Ende 2005 und Anfang 2006 getroffen habe, als er EPO und Kühlakkus aus dem Haushalt von R. abgeholt habe. "Sie hat mich vielleicht verwechselt", vermutete Mayer.

Auch die ihn belastenden Angaben einer Senioren-Athletin und einer mitangeklagten Altenpflegerin versuchte er zu entkräften, indem er darauf verwies, dass er als Profi genau darüber Buch führe, wenn er einen Sportler betreue. Er könne deshalb genau nachvollziehen, wo er wann gewesen sei und Dopingpräparate zu den von den Mitangeklagten angegebenen Daten gar nicht in Empfang genommen haben.

Schwere Vorwürfe gegen SOKO Doping
Das habe er auch der SOKO Doping bei den Hausdurchsuchungen in der Wohnung seiner Lebensgefährtin Eva-Maria Gradwohl, einer wegen einer verweigerten Dopinginkontrolle gesperrten ehemaligen Langstreckenläuferin, bereits mitgeteilt. "Holzer (der Leiter der SOKO, Anm.) hat gesagt, dass man das prüfen werde", betonte Mayer, ehe er der SOKO Doping vorwarf, ein "Beschuldigtenprotokoll" mit einem falschen Datum "gefälscht" zu haben, denn R. und die Ermittler hätten in dieser Causa zusammengearbeitet.

Emotional wurde Mayer, als Staatsanwältin Nina Weinberger von ihrem Fragerecht Gebrauch machte und sich beim Ex-ÖSV-Betreuer nach seinen Besuchen in den Räumlichkeiten der Wiener Firma Humaplasma ab dem Jahr 2003 erkundigte. Dort sollen zahlreiche Sportler Blutdoping vornehmen haben lassen. Er sei bei Humanplasma gewesen, wolle aber "aufgrund meiner Erfahrungen mit der SOKO und der Staatsanwaltschaft, die alles zu meinem Nachteil gedreht haben" dazu nicht Stellung nehmen, meinte Mayer zu Beginn.

Angeblich kein Kontakt zu Humanplasma
Daraufhin konfrontierte die Staatsanwältin den 54-Jährigen mit schriftlichen Aussagen der Firmenverantwortlichen, die erklärt hatten, Mayer sei im Spätsommer 2003 bei Humanplasma vorstellig geworden, weil das bis dahin im weißrussischen Minsk praktizierte Blutdoping österreichischer Athleten aus hygienischen Gründen nicht mehr vertretbar sei. Mayer habe an den Patriotismus der Humanplasma-Leiter appelliert und Chancengleichheit eingefordert.

Mayer bestritt aber entschieden, ab 2003 bei Humanplasma Termine für Sportler zwecks Vornahme von Blutdoping ausgemacht und die Sportler auch hingebracht zu haben. Ab 2005 soll der mittlerweile nach dem Anti-Doping-Gesetz abgeurteilte Ex-Sportmanager Stefan Matschiner Mayers Funktion bei Humanplasma übernommen haben.

Mekong-Katzen waren nur Straßenkatzen
Mayers Rechtsvertreterin Barbara Sattinger legte schließlich noch das Foto einer Katze vor (Bild oben), um zu beweisen, dass ihr Mandant der damaligen Freundin von Karl Heinz R. zwei angeblich reinrassige Mekong-Katzen abgekauft habe. Bei den anschließenden Telefonaten zwischen Mayer und R. um Katzenfutter sei es tatsächlich um solches und nicht - wie von R. behauptet - um mit dem Codewort "Katzenfutter" verklausuliertes EPO gegangen. "Außerdem war das Betrug", warf Mayer ein. Die um 1.000 Euro erworbenen Tiere seien in Wahrheit nur Straßenkatzen gewesen.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch mit der Einvernahme prominenter Zeugen fortgesetzt. So sind u.a. Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann, Biathlon-Ex-Vizeweltmeister Ludwig Gredler und Ex-Staffel-Langlauf-Weltmeister Alois Stadlober geladen. Geht es nach Mayers Verteidiger-Team, dann sollen aber noch weitere bekannte Zeugen aufmarschieren, der Prozess könnte noch länger dauern.

So wurden Ladungen für Peter Schröcksnadel, Anton Innauer, Stephanie Graf, Stefan Matschiner, NADA-Chef Andreas Schwab sowie Ex-ORF-Sportchef Elmar Oberhauser beantragt. Selbst Staatsanwältin Weinberger und SOKO-Doping-Leiter Andreas Holzer sollen in den Zeugenstand gerufen werden, um zu beweisen, dass Mayer nicht Täter, sondern Opfer in diesem Prozess sei.

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