Wenn Dmitri Medwedew unsere Außenministerin mit Schnaps-Vergleichen attackiert, dann ist das kein ernst zu nehmender Beitrag zur internationalen Diplomatie, sondern der digitale Rülpser eines Mannes, dessen politisches Gewicht längst nur noch aus Putins Gnaden existiert. Wer im eigenen Land nichts mehr zu sagen hat, flüchtet sich eben in Telegram-Polemik. Österreichs Neutralität ist seit jeher ein Balanceakt – aber ein Balanceakt, der uns Respekt verschafft hat. Dass gerade Russland, ein Staat, der das Völkerrecht mit Kettenfahrzeugen überrollt, uns Lektionen in Geschichte und Moral erteilen will, ist so grotesk wie ein Pyromane, der den Feuerwehrmann verspottet, weil er Wasser trägt. Medwedews Schmähungen zeigen weniger über Beate Meinl-Reisinger als vielmehr über den Zustand einer Machtelite, die im Spott den letzten Rest von Relevanz sucht. Natürlich darf man über die Zukunft der Neutralität streiten. Man darf auch infrage stellen, ob dieser Mantel noch wärmt oder längst zerfetzt ist. Aber was sicher nicht geht: dass Moskau diktiert, wie wir uns kleiden. Österreichs Sicherheitspolitik wird in Wien entschieden – nicht im Kreml, nicht auf Telegram und schon gar nicht im Delirium eines russischen Ex-Präsidenten. Es ist höchste Zeit, dass wir unsere Rolle in Europa klar definieren: nicht als Zaungast, sondern als Partner. Neutralität darf kein Märchenbuch sein, in dem wir uns einreden, dass die Welt von gestern auch die Welt von morgen ist. Sie muss eine Haltung sein, die wir selbstbewusst gestalten – unabhängig von Drohungen und Spott. Denn wenn jemand betrunken wirkt, dann sicher nicht Österreich. Sondern jene, die glauben, mit billigen Schmähungen und Kriegsdrohungen ein selbstbewusstes Europa ins Wanken zu bringen.
John Patrick Platzer, Viktring
Erschienen am Mi, 17.9.2025
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