Das freie Wort

Die Welt aus den Fugen

Der Blick über den Tellerrand unseres Lebensbereiches zeigt eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Während die einen nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld, leben andere ein menschenunwürdiges Dasein. Die offiziellen Statistiken zeigen zwar, dass die globale Armut abnimmt, doch in vielen Bereichen unserer Welt fristen Menschen ein schlimmes Dasein. Kriegerische Konflikte und Klimawandel machen das Leben und den Verbleib in ihrer meist zerstörten Heimat unmöglich. Wer nicht flüchten kann, leidet zusätzlich unter den Repressalien diktatorischer Machthaber. Versuche, bessere Lebensverhältnisse zu erlangen, werden von den Herrschenden verhindert. Ein aktuelles Beispiel ist Afghanistan. Weltweit agierende Konzerne dominieren die Wirtschaft der ärmeren Länder, Landraub und Rohstoffausbeutung verhindern deren wirtschaftliche Entwicklung. Ein Blick nach Afrika genügt, um zu sehen, was falsch läuft. Verständlich, dass die Menschen ihre Heimat verlassen und in den Wohlstandsländern ein besseres Leben suchen, was immer weniger gelingt, da auch Europa die Flüchtlinge zurückdrängt und autoritäre Machthaber sie als Druckmittel zur Durchsetzung ihrer Ziele missbrauchen. Sowohl der belarussische Diktator Lukaschenko als auch der Autokrat Recep Erdoğan beherrschen dieses verwerfliche Spiel perfekt. Es ist unglaublich, wie hilflos, desinteressiert oder selbstgefällig die wohlhabende Welt auf diese unmenschlichen Zustände reagiert. Außer Gipfeltreffen, Geberkonferenzen oder unverbindliche Meetings, bei denen Hilfsgelder zugesagt, jedoch selten bereitgestellt werden, gibt es kaum Projekte, welche die Lebensumstände vor Ort verbessern. Es ist ethisch verwerflich, dass sich die reichen Länder von der humanitären Verpflichtung, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen, einfach freikaufen. Die wohlhabenden Länder, die UNO und die EU wollen nicht wahrhaben, dass unsere Welt moralisch völlig aus den Fugen geraten ist. Die Hilflosigkeit und das Desinteresse in der reichen Welt sind beschämend. Trotz besseren Wissens und umfassender Information finden diese unmenschlichen Zustände an den Brennpunkten unseres Globus kaum Beachtung. Es scheint niemanden zu interessieren, dass die Welt auseinanderbricht.

Franz Peer, Linz

Erschienen am Mi, 5.1.2022

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