Georg Schmiedleitner steht für politisches Volkstheater mit Wucht und Aktualität. Er lebt in Nürnberg und feierte gerade einen Premierenerfolg in Heilbronn. Der Linzer Regisseur kehrt für eine brisante Uraufführung im Juni nach Oberösterreich zurück: Er inszeniert für den Theatersommer Meggenhofen ein Stück zum Bauernkrieg.
Ob Bauernkrieg oder Gegenwart: Georg Schmiedleitners (69) Inszenierungen verbinden Historie mit heutiger Machtkritik, sie sind leidenschaftlich und hochrelevant.
Gerade wurde seine Regie für Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ in Heilbronn hymnisch bejubelt; ab nächster Woche probt er „Amerika“ nach einem Kafka‑Roman am Landestheater Salzburg. Er stammt aus Linz und lebt in Nürnberg.
Uraufführung statt Komödienklassiker
Am 3. Juni wird beim Theatersommer Meggenhofen „Spaltboden“, eine Tragikomödie von Fritz Egger, aus der Taufe gehoben. Schmiedleitner führt Regie und verrät im „Krone“-Talk das Thema.
„Krone“: Sie stammen aus Linz, haben das Theater Phönix einst mitbegründet, derzeit arbeiten Sie als Regisseur vor allem an deutschen Theatern. Wo ist Ihr Lebensmittelpunkt?
Georg Schmiedleitner: Ich wohne seit acht Jahren in Nürnberg, bin aber viel unterwegs. Letzte Woche hatte ich Premiere in Heilbronn mit „Die letzten Tage der Menschheit“. Das habe ich schon einmal bei den Salzburger Festspielen gemacht, jetzt wieder – aber in einer ganz anderen Form. Das Publikum hat den Atem angehalten, weil alles, was gesagt wird, auch von einem Machtpolitiker der heutigen Zeit stammen könnte – es war extrem aktuell. Am Montag fahre ich nach Salzburg, ich inszeniere am Landestheater „Amerika“ von Franz Kafka, eine Romanbearbeitung. Am 20. März ist Premiere.
Am 3. Juni hat „Spaltboden“ Premiere, ein Stück von Fritz Egger. Geben Sie uns erste Stichworte zu dieser Uraufführung?
Die Story: Das Frankenburger Würfelspiel – ein legendäres Theater zum Bauernkrieg – wird geprobt. Gleichzeitig passieren parallel ähnliche Dinge, denn das Stück greift soziale Konflikte rund ums Bauerntum in der Gegenwart auf. Diese Verschränkung von Historie, Bauernkriegstheater und Jetztzeit finde ich besonders reizvoll.
Worin liegt die Aktualität des Bauernkriegs, der heuer auch Thema der communale OÖ ist?
Ich habe ländliche Wurzeln und weiß vom Leid der Bauern damals. Diese Konflikte stehen auch stellvertretend für eine Gesellschaft, die immer autoritärer wird. Darin liegt die Aktualität im Stück. Man kann sehen, was passiert, wenn Rechte verloren gehen, wenn Machthaber an Menschen herumdoktern. Letztlich wurde um das Leben gewürfelt – ich bete, dass so etwas nie mehr zu uns zurückkehrt.
Es geht im Stück auch um die Bauern heute …
Gerade in den letzten Jahren ist das Bauernwesen hochsensibel geworden. Bauern fahren mit Traktoren vor Rathäusern, in Frankreich gibt es Aufstände, in Österreich Kritik am Freihandelsabkommen Mercosur, viele Bauern hören überhaupt auf. Darum ist es mir ein großes Anliegen, mich im Theater dazu äußern zu können.
Sie haben schon 2004 in Kohlgrub/Wolfsegg am Hausruck politisches Theater inszeniert. Jetzt wieder im Hausruckviertel, aber eben in Meggenhofen.
Ja, es ist für mich ein bisschen wie Heimkommen. Und politisches, zeitgemäßes Theater zu machen, ist mein Herzstück. Ich bin auch ein Volkstheatermensch. Politisches Volkstheater im guten Sinne, in dem heutige Probleme, Sachverhalte und soziale Konflikte erzählt werden – da finde ich mich als Regisseur.
Infos: „Spaltboden“: 3. Juni – 11. Juli; theatermeggenhofen.at
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