Jugend stumpft ab

Komasaufen, um sich zu spüren

400 jugendliche Oberösterreicher landen jedes Jahr mit Alkoholvergiftungen im Spital, Komasaufen wird wie Sport betrieben, per Handy gefilmte Sexattacken wie jene in Freistadt werden häufiger. Die Linzer Psychologin Christa Schirl-Russegger weiß: „Wir leben in Reizüberflutung. Kinder trinken, um sich zu spüren.“

„Superreize“, so lautet die psychologische Bezeichnung für diese abstumpfende Zeiterscheinung. „Früher hat im Fernsehen der Kasperl dem Krokodil eins auf die Nase gegeben, heute fliegt gleich alles in die Luft“, nennt Schirl-Russegger ein Beispiel dafür. Das Gleiche gilt für den Alkohol. „Schon immer haben junge Menschen neugierig alles ausprobiert. Aber einst war es ein Schluck von Papas Bier, jetzt müssen es gleich ein paar Liter sein.“

Schockierend auch die Ergebnisse der neuesten Jugendstudie in Oberösterreich: Sechs Prozent der Elfjährigen waren schon einmal betrunken, bei den 12-Jährigen sind es 15 Prozent, und im Alter von 15 haben fast zwei Drittel Vollrausch-Erfahrung. Auch sexuelle Aktivitäten beginnen immer früher, oft schon mit 13, drei Prozent der Befragten waren beim ersten Mal sogar noch viel jünger.

Suchtvorbeugung muss im Vorschulalter beginnen, betont Schirl-Russegger. „Kinder müssen lernen, mit Langeweile und Frust umzugehen. Man muss sie motivieren, bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben.“

 

 

 

Symbolfoto: Martin A. Jöchl

Mittwoch, 12. Mai 2021
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