21.02.2008 16:21 |

Oscar-Gala 2007

Das waren die Oscars 2007

Die 40 Jahre Warten seit seinem ersten Film haben sich für Starregisseur Martin Scorsese ausgezahlt. Mit seinem Thriller "The Departed" räumte der Macher von Filmen wie "Taxi Driver", "Raging Bull" und "Goodfellas" die begehrtesten Academy Awards für Beste Regie, Besten Film und noch zwei weitere Preise für Schnitt und adaptiertes Drehbuch ab. Beste Hauptdarsteller wurden die Favoriten Helen Mirren ("The Queen") und Forest Whitaker ("The Last King Of Scotland"). Bei den besten Nebendarstellern wurden überraschend Jennifer Hudson ("Dreamgirls") und Alan Arkin ("Little Miss Sunshine") geehrt. Der beste ausländische Film ("Das Leben der Anderen") kommt aus Deutschland.

Erst im achten Anlauf hat der amerikanische Regiestar Martin Scorsese den ersten Oscar seines Lebens erhalten. Kein anderer wurde zuvor so oft nominiert, ohne die glanzvolle Preisverleihung mit einer Trophäe zu verlassen. "Könntet ihr den Umschlag bitte noch einmal überprüfen?", fragte Scorsese seine Regie-Kollegen George Lucas, Francis Ford Coppola und Steven Spielberg, die ihm den Preis überreichten.

Der 64-Jährige wurde für seinen Genre-Thriller "The Departed: Unter Feinden", eine gekonnt erzählte und spannend verfilmte Geschichte über polizeiinterne Intrigen, Mord, (falsche) Liebe und Mafia-Verbrechen mit Jack Nicholson als Gangsterboss, Leonardo DiCaprio als Polizisten-Underdog und Matt Damon und Mark Wahlberg als zwei von mehreren Bösewichten, geehrt.

"Erzrivalen" Clint Eastwood geschlagen
Im Rennen um die Beste Regie schlug er Freund und "Erzrivalen" Clint Eastwood, Stephen Frears, Paul Greengrass und Alejandro Gonzales Inarritu. Der Ehrenpräsident des Österreichischen Filmmuseums hat sich seit den 70er Jahren für Filmklassiker wie "Taxi Driver", "Raging Bull" (übrigens auch der Spitzname des nur knapp über einen Meter sechzig kleinen Regietalents) oder "Goodfellas" verantwortlich gezeichnet. Seinen ersten Film machte er 1967, Scorsese war davor bereits als Regieassistent bei legendären Produktionen wie der Woodstock-Doku in Erscheinung getreten.

"The Queen" und "König von Schottland" beste Hauptdarsteller
Bester männlicher Darsteller wurde der Afro-Amerikaner Forest Whitaker (bekannt aus Filmen wie "Ghost Dog" oder "The Crying Game") für seine Rolle des ugandischen Diktators Idi Amin in "The Last King of Scotland". Die Trophäe für die beste Hauptdarstellerin ging an die Britin Helen Mirren, die in dem Drama "The Queen" die englische Königin Elizabeth spielt. Für das Drehbuch des Films ging der in Wien lebende Brite Peter Morgan leer aus. Er musste sich der Independent-Komödie "Little Miss Sunshine" geschlagen geben. Den Preis als beste Nebendarsteller nahmen überraschend die US-Schauspieler Alan Arkin für "Little Miss Sunshine" und Jennifer Hudson für "Dreamgirls" entgegen.

Ironischer Al Gore von Abgangsmusik unterbrochen
Der Film über den Klimawandel, "Eine unbequeme Wahrheit", mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore wurde mit zwei Oscars gewürdigt: Als bester Dokumentarfilm und für den besten Filmsong, den Rockröhre Mellisa Etheridge verantwortete. Der frühere US-Vizepräsident sorgte damit an einem von viel US-Pathos geprägten Abend für ein wenig Aufsehen und politische Botschaften. Bei einem ironischen Auftritt mit Hollywood-Star Leonardo DiCaprio setzte Al Gore scheinbar zur Bekanntgabe seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur an, wurde jedoch von der plötzlich einsetzenden Musik unterbrochen. DiCaprio stimmte die gefakte Unterhaltung mit den Worten "Mister Gore hat noch eine wichtige Sache zu verkünden..." an. Gore nahm den Ball auf, und als er tatsächlich nach einem Zettel kramte und mit "Meine lieben amerikanischen Mitbürger..." begann, bekamen die Event-Ausrichter Panik und machten ihn mit der üblichen Musikeinspielung "mundtot".

"Dreamgirls" und "Babel" Verlierer des Abends
Das Globalisierungs-Drama "Babel" war bei sieben Nominierung und nur einem Oscar für die beste Filmmusik einer der Verlierer des Abends. Auch Topfavorit "Dreamgirls" bekam am Ende nur zwei Preise, war für acht nominiert. Clint Eastwoods "Letters from Iwo Jima" war für vier Oscars nominiert, bekam am Ende nur einen. Das Horrormärchen "Pan's Labyrinth" des Mexikaners Guillermo del Toro räumte mit der Besten Maske, der Besten Ausstattung und der Besten Kamera drei Oscars ab und wird damit zum Überraschungsgewinner des Abends.

Deutscher Film gewinnt Auslands-Oscar
Der Preis für "Das Leben der Anderen" ist erst der dritte Oscar für einen Spielfilm aus Deutschland. Zuletzt brachte Caroline Link vor vier Jahren den Auslands-Oscar für "Nirgendwo in Afrika" nach Deutschland. Davor nahm Volker Schlöndorff 1980 den "Goldjungen" für "Die Blechtrommel" entgegen. Die Freude von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck über seinen Triumph in Hollywood war grenzenlos. "Ich danke Deutschland und Bayern dafür, dass sie diesen Film möglich gemacht haben", sagte er auf der Bühne. Und hinterher schwärmte er im Presseraum des Kodak-Theaters: "Ich konnte mir gut vorstellen, diese herrliche Statue in den Händen zu halten. Es fühlt sich wirklich großartig an und sie ist wunderschön."

Ehrenoscar für Komponist Ennio Morricone
Einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk nahm der 78 Jahre alte italienische Komponist Ennio Morricone in Empfang. Er schuf unvergessliche Melodien zu Filmen wie "Spiel mir das Lied vom Tod".

Skurrile Moderatorin – kein Preis für Borat
Die gesamte Oscar-Show wurde von Komikerin Ellen DeGeneres manchmal skurril, zumeist aber ohne Ecken und Kanten präsentiert. Zum Besten Animationsfilm wurden die steppenden Pinguine von "Happy Feet" gekürt - nach "Die Reise der Pinguine" im vergangenen Jahr damit erneut ein Pinguin-Streifen. Die Kurzfilm-Auszeichnungen gingen an "West Bank Story" (Realfilm) und "The Danish Poet" (Trickfilm). Clint Eastwoods zweiter Film "Flags Of Our Fathers", Sacha Baron Cohens "Borat" und Mel Gibsons "Apocalytpo" gingen gänzlich leer aus.

Die Gewinner der wichtigsten Kategorien auf einen Blick
Bester Film: "Departed: Unter Feinden"
Hauptdarstellerin: Helen Mirren, "The Queen"
Hauptdarsteller: Forest Whitaker, "The Last King of Scotland"
Nebendarstellerin: Jennifer Hudson, "Dreamgirls"
Nebendarsteller: Alan Arkin, "Little Miss Sunshine"
Regie: Martin Scorsese, "Departed: Unter Feinden"
Nicht-englischsprachiger Film: "Das Leben der Anderen"
Adaptiertes Drehbuch: William Monahan, "Departed: Unter Feinden"
Original-Drehbuch: Michael Arndt, "Little Miss Sunshine"
Kamera: Guillermo Navarro, "Pan's Labyrinth"
Schnitt: Thelma Schoonmaker, "Departed: Unter Feinden"
Ausstattung: Eugenio Caballero und Pilar Revuelta, "Pan's Labyrinth"
Kostümdesign: Milena Canonero, "Marie Antoinette"
Ton: Alan Robert Murray und Bub Asman, "Letters From Iwo Jima"
Ton-Effekte: "Dreamgirls"
Make-Up: David Martí und Montse Ribé, "Pan's Labyrinth"
Spezial-Effekte: "Der Fluch der Karibik 2"
Filmmusik: Gustavo Santaolalla, "Babel"
Original-Song: Melissa Etheridge, "Eine unbequeme Wahrheit"
Kurzfilm: Ari Sandel, "West Bank Story"
Animationsfilm: George Miller, "Happy Feet"
Animations-Kurzfilm: Torill Kove, "The Danish Poet"
Dokumentarfilm: Davis Guggenheim, "Eine unbequeme Wahrheit"
Kurz-Dokumentarfilm: "The Blood of Yingzhou District"
Ehren-Oscar für das Lebenswerk: Ennio Morricone
Jean Hersholt Humanitarian Award: Sherry Lansing

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