Di, 11. Dezember 2018

Wahl-Extra

07.09.2017 10:30

Köchl im Interview: "Nachtlimit ist schlau"

Der grüne Spitzenkandidat Matthias Köchl (40) zur Krise seiner Partei, Asyl und die Tempolimit-Pläne von Parteifreund Holub.

Mitten in der Schwammerlsaison: Welcher ist ihr Lieblingspilz: Herrenpilz, Parasol oder Peter Pilz?

Eierschwammerln, am liebsten als Gulasch.

Sie sind zu Beginn der grünen Krise in Kritik gestanden, weil sie angeblich etliche Asylanten zu stimmberechtigten Mitgliedern der Grünen gemacht haben? Wie lief das?

Jeder, der sich zu unseren Grundwerten bekennt, darf dabei sein. Am Parteitag waren sieben Asylwerber dabei. Wer sagt, dass die überall mitgestimmt haben? Ich habe übrigens Marion Mitsche gewählt und finde es schade, dass sie nicht weiter vorne gelandet ist.

Sie gelten als politischer Hans Dampf in allen Gassen. Ihre Biografie auf der Parlaments-Homepage zählt Funktionen auf ohne Ende. Warum sind Sie so umtriebig?

Ich habe zwei wichtige Funktionen: Nationalrat und Gemeindevorstand in Krumpendorf. Hier habe ich schon Impulse gesetzt: Biomarkt, Sommerkino, "Essbare Gemeinde" und gegen die Baulobby.

Als einer der Ersten haben Sie auf Elektromobilität gesetzt. Die Klimabilanz eines E-Autos von der Herstellung bis zum Betrieb ist angeblich schlechter als die eines Pkw mit Verbrennungsmotor...

Diese Studien kommen von Lobbyisten der fossilen Energie. Ich möchte die Leute von der Abzocke an den Tankstellen befreien. Die Klimabilanz eines E-Autos ist definitiv besser.

Soll es in Klagenfurt, das im Winter stets mit der Luftqualität zu kämpfen hat, ein Fahrverbot für Autos mit Dieselmotoren geben?

Ich bin kein Freund von Verboten, daher ein klares Nein.

Einer ihrer Aufreger war im Gemeinderatswahlkampf die Forderung nach einer Fusion von Krumpendorf mit Klagenfurt. Halten Sie die Forderung aufrecht und für sinnvoll?

Die Forderung ist hinfällig, Klagenfurt erreicht die magischen 100.000 Einwohner auch selbst.

Die Grünen stecken in der schwersten Krise seit ihrer Gründung. Was läuft falsch?

Der Abgang von Eva Glawischnig hat für Unruhe gesorgt. Peter Pilz hätte mit Platz 6 ein Bundesmandat erreicht. Das wollte er partout nicht. Wir Grünen müssen weg von der Radikalität der 80er-Jahre hin zur Sachpolitik ohne Populismus. Wir hatten aber noch keine Chance, den grünen Unterschied zu beweisen.

Sie setzen sich sehr engagiert für Asylanten ein...

Schau'n Sie, Asyl ist Schutz auf Zeit und nicht verhandelbar. Wir haben aber Handlungsbedarf bei der Abschiebung krimineller Asylanten. Das klappt nicht.

Da klappte ja schon 2015 nichts...

Wir wollten Registrierungen an den Grenzen. Auch der Klagenfurter Flughafen hätte sich für ein Registrierungszentrum geeignet.

Sie sind in Krumpendorf zuhause. Unterstützen Sie die Forderung ihres Landesrates Rolf Holub nach Tempo 100 auf der Autobahn?

Tempo 100 ist eine langjährige Forderung der Bevölkerung. Aber ich halte den Vorschlag von Landeshauptmann Peter Kaiser für schlau, vielleicht einmal eine Pilotphase in der Nacht zu starten und dabei weiter zu messen und zu prüfen.

Welche Ziele setzen Sie sich für den Fall des Wiedereinzugs in das Parlament?

Ich möchte beim Finanzausgleich eine Gleichstellung von Land- und Stadtbewohnern, Erleichterungen für Selbstständige und ein 1000-Euro-Jahresticket für alle Öffis in ganz Österreich.

Fritz Kimeswenger, Kärntner Krone

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