Mo, 17. Juni 2019
29.08.2017 16:55

Bei Public Viewing

Schwarzes Entzücken auf der Alpbacher Alm

Smartes Jungvolk, edelstudentische Herren im blauen Blazer mit Goldknöpfen und Stecktuch, aufgedirndlte Damen und dazwischen ein paar ältere Semester aus der noch aktuellen Elite der ÖVP hatte sich Montagabend im Tiroler Almgasthof Rossmoss eingefunden, um nach langer bundespolitischer Durststrecke in der Rolle des Regierungszweiten ihre Hoffnung auf das Kanzleramt im Fernsehen mit gebührender Ehrerbietung aus Tirols alpiner Ferne anzufeuern.

Basti-Viewing auf 1200 Meter Seehöhe mit allem modernen Schnickschnack wie Kameradrohne und XXL-Flatscreens vor rustikaler Bergkulisse. Die Junge ÖVP eben, die neue Volkspartei, das türkise Jungdamen- und Herrenkomitee des von Sebastian Kurz mit einem Lächeln im Handstreich von Reinhold Mitterlehner übernommenen Altherrenklubs.

Strahlender Anführer im Wahlkampf
Jetzt ist das Partyvolk der sichtbar besseren Kreise aus Stadt und Land an der Reihe, das ORF-"Sommergespräch" mit ihrem strahlend gegelten Anführer im Wettkampf um die Spitze an der Regierung mit ungespieltem Eifer zu begleiten.

Schwarzes Entzücken macht sich in den Jungen ÖVPlern bei der fünften Minute des TV-Auftritts mit dem diesmal recht angreiferisch wirkenden ORF-Moderator Tarek Leitner in der Gaststube auf dem Rossmoos breit. Der Moment, in dem Kurz die Frage des Moderators pariert, wie lange er sich schon auf die Machtübernahme in der ÖVP vorbereitet habe, löst kollektives Gelächter aus.

Beifall der handverlesenen Fan-Truppe
In der knapp 60-minütigen Sendung erntet Kurz bei den gestoppten Minuten 18, 22, 30 und 44 ähnlichen Beifall seiner mehr oder weniger handverlesenen Fan-Truppe. Da und dort Schweißperlen auf der Stirn des Kurz’schen Freundeskreises. Eine nur mit erheblicher Disziplin zurückgehaltene Freude an der sich für viele am Horizont abzeichnenden Machtfülle in der Zukunft. Dass nichts aus dem Ruder läuft, darauf achtet auf der Alm um 22 Uhr der Kurz-Vertraute Stefan Schnöll. Ein kluger junger Mann im Sport-Sakko und mit ausnehmend guten Manieren. Ganz wie der Chef.

Aus der Reihe tanzen nur Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, der jedem, der es hören oder nicht hören will, erklärt, wie souverän der Sebastian war. Und Innenminister Wolfgang Sobotka, den die neue ÖVP-Generation fast übersehen hätte, macht mit laut vernehmbaren Kommentaren seiner Begeisterung auf sich aufmerksam. Jetzt ist nicht die Stunde stiller Loyalität.

Claus Pándi, Kronen Zeitung

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