Di, 14. August 2018

Das große Krabbeln

19.01.2016 14:14

Hunderte kleine Tierarten leben in unseren Häusern

Das dürfte nicht jedem gefallen: In einem einzelnen Haushalt sind im Mittel etwa 100 verschiedene Arten von Krabbeltieren unterwegs - zumindest in den USA. Neben Fliegen und Käfern seien vor allem Spinnen, Ameisen und Bücherläuse typische Mitbewohner, berichten Forscher im Fachjournal "PeerJ". Die gute Nachricht: Schädlinge sind nur die wenigsten von ihnen.

Die weniger gute Nachricht - vor allem für Menschen mit Krabbeltier-Phobie: Komplett frei von kleinen Mitbewohnern waren nur fünf von mehr als 550 untersuchten Räumen: vier Bade- und ein Schlafzimmer. Die Wissenschaftler um Matt Bertone von der North Carolina State University in Raleigh hatten in der Stadt und ihrer Umgebung 50 freistehende Häuser mit insgesamt 554 Zimmern nach kleinen Lebewesen durchstöbert. Nur sichtbare Flächen, gut zugängliche Ecken unter Schränken eingeschlossen, wurden abgesucht.

Alle aufgespürten Gliederfüßer (Arthropoden) - egal ob lebend oder tot - wurden erfasst. Dieser großen Tiergruppe gehören unter anderem die Insekten, Tausendfüßer, Krebs- und Spinnentiere an. 32 bis 211 optisch klar unterscheidbare Arten fanden die Forscher in den einzelnen Häusern, im Durchschnitt waren es um die 100. Insgesamt wurden 579 verschiedene Spezies erfasst.

Unser Zuhause ist alles andere als steril
"Unsere Häuser bieten viel mehr Biodiversität, als die meisten Leuten denken", wird Bertone in einer Mitteilung zur Studie zitiert. "Wir stellen uns unser Zuhause oft als sterile Umgebung vor, aber das ist sie nicht." Unser Lebensraum sei auch der vieler anderer Arten - nur gebe es meist kaum Berührungspunkte und die Mitbewohner würden gar nicht bemerkt. Haubennetzspinnen (Theridiidae) zum Beispiel wurden demnach in allen Häusern und in zwei Dritteln aller Räume gefunden. Immer im Haus zu finden waren zudem Speckkäfer, Gallmücken und Ameisen, fast immer gab es Bücherläuse und Trauermücken.

Auch versehentliche Besucher wie Kleinzikaden (Cicadellidae) wurden erfasst. Viele der gefundenen Arten lebten nicht ständig in den Haushalten, sondern seien von draußen ins Haus gelangt, etwa in Blumensträußen, erklärt Bertone. In der Wohnung lebten sie dann meist nicht mehr lange. Als ein weiteres Beispiel dafür führen die Wissenschaftler die Gallmücken an, die sich von Pflanzen außerhalb der Häuser ernähren.

Schädlinge eher selten
Zu den wenigen Schädlingen, die die Forscher aufspürten, zählten diverse Schabenarten wie die Rauchbraune Großschabe (Periplaneta fuliginosa) und die Amerikanische Großschabe (Periplaneta americana). Sie kamen in knapp drei Vierteln der Haushalte vor. Seltener waren Termiten (28 Prozent der Häuser), Flöhe (zehn Prozent) und die Deutsche Schabe (Blattella germanica, sechs Prozent).

"Die überragende Mehrheit der Gliederfüßler, die wir in den Häusern fanden, waren keine Schädlinge, sondern friedliche Mitbewohner", betont Bertone. Lästige Arten wie Staubmilben, Silberfischchen oder Kleidermotten habe es allerdings durchaus im Großteil der Häuser gegeben. Bettwanzen waren nicht darunter.

Die Forscher wollen ihre Analyse nun ausweiten. "Wir wollen auch in anderen Gegenden der USA Proben nehmen und erwarten da auch Unterschiede", sagt Bertone. Viele der Arthropoden seien aber weit verbreitet - in den USA und der ganzen Welt. "Sie reisen seit Jahrhunderten mit den Menschen mit." Mitautorin Michelle Trautwein will die Rolle der Krabbeltiere im "Ökosystem Haus" untersuchen: "Haben sie mikrobielle Organismen, die unsere Gesundheit zum Guten oder Schlechten beeinflussen?"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Köln: Hooligan-Attacke
Unbeleuchtete Raser und „neue Gewalt-Dimension“
Fußball International
„Richtiger Zeitpunkt“
Vize-Weltmeister Mandzukic beendet Teamkarriere
Fußball International
Fans flippen aus
Emily Ratajkowski: Nippelblitzer beim Dinner
Stars & Society
Dario Scuderi
„Medizinisches Wunder!“ BVB-Stütze gibt Comeback
Fußball International
Nach 11 Jahren Bauzeit
Historischer Durchbruch beim Koralm-Tunnelbau
Österreich
Die „Krone“ in Israel
Andi Herzog „ist ja ein extrem sympathischer Typ!“
Fußball International
Chelsea leiht ihn aus
Noch ein großer Coup: Bakayoko kommt zu Milan!
Fußball International
Wegen Patzer
Leverkusen zettelt Internet-Streit mit Cech an!
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.