14.11.2014 15:15 |

Treffen in Brisbane

G20-Gipfel: "Hassfigur" Putin Thema Nummer eins

Der Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im australischen Brisbane sollte eigentlich vorwiegend Themen der Weltwirtschaft behandeln. Doch der Konflikt zwischen Russland und der NATO überschattet bereits im Vorfeld das wichtige Treffen. Weil Moskau vier Kriegsschiffe seiner Pazifikflotte vor die Küste Australiens verlegt hat, befürchtet der australische Geheimdienst einen breiten Spionageangriff. In den Medien wird der Besuch von Kremlchef Wladimir Putin, der in Australien als Reizfigur Nummer eins gilt, ziemlich einseitig thematisiert.

Bevor Putin am Gipfel teilnehme, solle er sich gefälligst beim australischen Volk für den Abschuss der Malaysia-Airlines-Passagiermaschine MH17 in der Ostukraine im Juli entschuldigen, verlangte die Boulevardzeitung "The Courier Mail" am Freitag auf ihrer Titelseite. Das Blatt berichtete, kein ranghoher Politiker empfange den Gast aus Moskau am Flughafen. Ein Beamter vom Verteidigungsministerium sei delegiert.

Seit Tagen wird der "Aggressor" und "Spion" Putin in den australischen Medien fast ausschließlich in Militäruniformen gezeigt. Zwar betonen die Russen, ihre Pazifikflotte vor der Küste komme - wie üblich bei Gipfeln - mit friedlichen Absichten. Aber die Reflexe gegen den früheren Feind aus den Zeiten des Kalten Krieges sitzen tief in Australien.

Französische Kriegsschiffe: Putin trifft Hollande
Putin dürfte in Brisbane zwar kaum neue Konfrontation suchen. Er wird sie jedoch nicht scheuen. Schon die bisher im Ukraine-Konflikt vom Westen verhängten Sanktionen treffen Russland hart. Putin protestiert gegen diese Strafmaßnahmen. Bei einem Treffen will er mit Frankreichs Präsidenten Francois Hollande über die offene Lieferung des Hubschrauberträgers der Mistral-Klasse sprechen. Den Franzosen droht eine milliardenschwere Vertragsstrafe, sollten sie das fertige Kriegsschiff nicht liefern. US-Präsident Barack Obama hatte mit Blick auf den Ukraine-Konflikt stets davor gewarnt, den Russen einen zusätzlichen militärischen Vorteil zu verschaffen.

Zwar sehen sich Putin und Obama nach dem Asien-Pazifik-Gipfel in Peking schon zum zweiten Mal in dieser Woche, ein bilaterales Gespräch ist aber nicht geplant. Der Kremlchef dürfte deshalb die Bühne nutzen, um einmal mehr gegen die USA und anderen NATO-Staaten auszuteilen.

Was den Gipfel selbst und die Tagesordnungspunkte betrifft, wird Gastgeber Premier Tony Abbott wohl am Ende keine großen Erfolge vorweisen können. Aufgrund des offenenen Anti-Russland-Kurses wird der Kreml mit Sicherheit wenig Kooperationsbereitschaft an den Tag legen.

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