Mittwoch bis Montag

Deutschland vor längstem Bahnstreik der Geschichte

Ausland
04.11.2014 16:26
Auf die Kunden der Deutschen Bahn kommt der längste Streik in der Geschichte des Unternehmens zu. Von Donnerstag um 2 Uhr an wollen die Lokführer im Personenverkehr bundesweit für vier Tage die Arbeit niederlegen. Betroffen sind Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Im Güterverkehr beginnt der Ausstand schon am Mittwochnachmittag um 15 Uhr. Das Ende des Streiks ist erst für Montag, den 10. November, um 4 Uhr geplant.

Es ist der sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994. Betroffen sind auch die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Wochenende in Berlin. Die Bahn erklärte, sie versuche, mindestens ein Drittel des Zugverkehrs aufrecht zu erhalten. Dennoch müssten Zugreisende mit starken Beeinträchtigungen rechnen. Informationen zum Ersatzfahrplan können ab sofort alle Betroffenen auf der Website der Deutschen Bahn abrufen.

GDL will auch für übriges Zugpersonal verhandeln
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) begründete die Aktion mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind. GDL-Chef Claus Weselsky sagte, man wolle und müsse auch für das übrige Zugpersonal Tarifverträge aushandeln: "Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich."

Der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Weber, kritisierte die Entscheidung der Gewerkschaft und bezeichnete diese als "Schikane". Er forderte die GDL auf, den Streikaufruf unverzüglich zurücknehmen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte die Gewerkschaft zuvor noch zur Besonnenheit aufgerufen. "Unsere gewachsene Sozialpartnerschaft ist ein hohes Gut", sagte er beim Arbeitgebertag in Berlin. "Damit muss auch weiterhin sehr verantwortungsvoll umgegangen werden", fügte Grube hinzu, ohne dabei konkret den laufenden Tarifkonflikt mit der GDL anzusprechen.

Verhandlungen am Wochenende erneut gescheitert
Am Wochenende hatte die Gewerkschaft abermals Verhandlungen mit der Bahn für gescheitert erklärt. Dabei ging es um Spielregeln für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Bahn, der GDL sowie der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Hauptstreitpunkt ist eben die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für das übrige Zugpersonal Tarifverträge aushandeln zu dürfen. Der von der Bahn vorgelegte Vertragsentwurf sieht ein Verhandlungsmandat der GDL auch für die Zugbegleiter vor.

Sollten sich beide Gewerkschaften aber nicht über Tarifregelungen für diese Berufsgruppe verständigen, soll letztlich das Ergebnis der Verhandlungen mit der EVG gelten. Weselsky sprach von einer "Scheinzuständigkeit für Zugbegleiter", die die GDL nicht akzeptieren könne. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner wiederum griff Weselsky an: "Er schadet nicht nur der Bahn, er schadet der Gewerkschaftsbewegung, weil er eine andere Gewerkschaftslandschaft haben will."

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