Wirbel um Nationalrat

FPÖ-Eklat bei Predigt: „Kein Maulkorb für Bischof“

Tirol
05.05.2026 10:11
Porträt von Hubert Rauth
Porträt von Tiroler Krone
Von Hubert Rauth und Tiroler Krone

Er nimmt sich selbst nie ein Blatt vor den Mund und sorgt regelmäßig für Aufregung und Ordnungsrufe im Parlament – nun geriet offenbar auch der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler in dessen Visier. FPÖ-Nationalrat Christoph Steiner sorgte mit vermeintlichen Zwischenrufen während Glettlers Predigt bei der Gauderfest-Messe für Wirbel. Kritik hagelt es seither von vielen Seiten. „Wer so agiert, wird in Tirol nie regierungsfähig sein“, heißt es etwa von der Volkspartei.

Der wortgewaltige Zillertaler Nationalratsabgeordnete soll am Sonntag bei der Feldmesse im Rahmen des Gauder Festes in Zell am Ziller die Predigt von Bischof Glettler danach gut hörbar mit Kritik in dessen Richtung kommentiert und gemeint haben, dass der Geistliche besser „Politiker bei den Grünen“ hätte werden sollen. Offenbar hat Steiner – der bekanntlich gerne austeilt – der Inhalt der Predigt nicht gepasst. Er ortete Polit-Agitation.

Bischof-Appell zu mehr Zusammenhalt
Aber was genau brachte den FPÖ-Politiker eigentlich so auf die Palme? Bischof Glettler richtete sich in seiner Predigt mit einem eindringlichen Appell zu mehr Zusammenhalt an die Messebesucher. „Inmitten einer hochnervösen, aggressiven Zeit“ rief er dazu auf, sich nicht von „Neid, Hass und einfachen Lösungen“ leiten zu lassen. Anstelle von „Abschottung in ideologische Blasen“ brauche es „mehr Begegnung und die gemeinsame Suche nach Lösungen.“ Ziel sei ein „Miteinander, das trägt“.

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Vorsicht deshalb vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen.

Bischof Glettler in seiner Predigt

Ein weiterer Auszug aus Glettlers Predigt: „Vorsicht deshalb vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen: ,Mit uns wird alles besser, alles gerechter. Mit uns kommt die gute alte Zeit zurück!‘ Das sind leere Worte. Und wenn dann jemand noch die Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten beherrscht – gegen die Sozialbetrüger und Völkerwanderer – dann bitte Vorsicht: Es gibt nicht die einfachen Lösungen! Neid erzeugt Neid, Enthemmung führt zu weiterer Enthemmung und Hass produziert Hass.“

Bürgermeister: „Zum Fremdschämen“
Und was war nun mit Steiners Zwischenruf? Der für „alle hörbare“ Zwischenruf bei der Messe sei „zum Fremdschämen“ gewesen, empörte sich etwa Dominik Mainusch, ÖVP-Landtagsvizepräsident und Fügener Bürgermeister. „Wärst besser grüner Politiker geworden“, soll der FPÖ-Politiker dem Bischof zugerufen haben.

Was Steiner zu den Vorwürfen sagt
Stimmt so nicht (ganz) – zumindest was den unmittelbaren Adressaten betrifft, meinte hingegen Steiner selbst zur APA. Er habe vor sich selbst hin sowie zu neben ihm sitzenden Parteikollegen in Bezug auf Glettler gesagt: „Wäre er doch besser Politiker geworden.“ Daraufhin habe jemand aus einer anderen Sitzreihe gerufen: „Aber kein G‘scheiter“. Woraufhin er, Steiner, wiederum von sich gegeben habe: „Dann halt bei den Grünen.“ Geschrien oder lautstark gerufen, habe er dabei nicht.

Bischof Hermann Glettler (links) und Christoph Steiner (rechts) nach dem Gottesdienst beim ...
Bischof Hermann Glettler (links) und Christoph Steiner (rechts) nach dem Gottesdienst beim Einzug – beide gut gelaunt.(Bild: Christof Birbaumer)

Die Predigt sei ganz klar erkenntlich „auf die FPÖ gemünzt gewesen“, so Steiner weiter. Auch jeder hohe kirchliche Würdenträger könne seine persönliche politische Einstellung haben – „ob eine linke oder eine rechte.“ „Aber er sollte diese Einstellung nicht von einer Kanzel herunterpredigen“, sagte der freiheitliche Abgeordnete.

Glettler habe 20 Minuten lang „die FPÖ abgekanzelt und diskreditiert“: „Das war der echte Skandal bei der Messe.“ „Für mich als gläubiger und bekennender Katholik gehört parteipolitische linke Agitation nicht in eine Eucharistiefeier, das sollte der Bischof von Innsbruck verstehen und einsehen“, meinte Steiner gegenüber der APA und der „Tiroler Tageszeitung“.

„Kein FPÖ-Maulkorb für Bischof Glettler“
Die Aktion erhitzt jedenfalls weiter die (politischen) Gemüter und sorgt nach wie vor für Kritik. Heftig reagierte etwa die Tiroler Volkspartei. Klubobmann Jakob Wolf, der sich Anfang des Jahres noch „gegen eine pauschale Ausgrenzung“ der FPÖ ausgesprochen hatte, meinte etwa: „Wer meint, einem Bischof den Mund verbieten zu können, hat ein völlig falsches Verständnis von Meinungsfreiheit und gesellschaftlichem Diskurs. Das Abbügeln oder gar Abkanzeln kirchlicher Stimmen geht in Tirol gar nicht.“

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Wer so agiert, wird in Tirol niemals regierungsfähig sein.

VP-Klubobmann Jakob Wolf

Die Kirche habe auf Basis ihrer Werte „nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu begleiten und alle politischen Kräfte in die Pflicht“ zu nehmen. „Gerade in einer pluralistischen Gesellschaft braucht es unterschiedliche Stimmen, auch jene der Kirche. Ein Maulkorb für den Bischof ist inakzeptabel“, so Wolf weiter.

Der ÖVP-Klubobmann kritisierte auch den „politischen Stil“ der FPÖ: „Mit Forderungen nach Zensur gegenüber Medien und Kirche disqualifiziert sich die FPÖ einmal mehr selbst. Wer so agiert, wird in Tirol niemals regierungsfähig sein.“ Die vermeintliche Annäherung vor der Landtagswahl 2027 ist damit wohl vorerst Geschichte.

Antidemokratisch bis ins Mark“
Kritik an Steiner kam unterdessen auch von den oppositionellen Tiroler Grünen. Diese sprachen von einer „verbalen Entgleisung“ gegenüber Glettler, die „antidemokratisch bis ins Mark“ sei. Dies erinnere „fatal an internationale FPÖ-Vorbilder wie Donald Trump, der jüngst auch den Papst angegriffen hatte, aufgrund der Kritik gegen sinnlosen und unmenschlichen Krieg“, so Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan.

„Schauspiel politischer Arroganz“ 
Die Tiroler Freiheitlichen reagierten am Dienstag auf die Kritik und sprachen von einem „erschreckendem Schauspiel politischer Arroganz.“ Weil sich NR Steiner erlaubt habe, „die Aussagen von Bischof Hermann Glettler kritisch zu kommentieren, spricht die Volkspartei der FPÖ Tirol kurzerhand die Regierungsfähigkeit ab. Ein derartiges Demokratieverständnis ist nicht nur befremdlich – es ist brandgefährlich“, betonte Landesparteigeneralsekretär Patrick Haslwanter via Aussendung.

Und weiter: „Offenbar gilt für die ÖVP: Wer nicht auf Linie ist, wird ausgegrenzt. Kritik – selbst an öffentlichen Aussagen eines Bischofs – wird nicht mehr als legitimer Teil der politischen Debatte akzeptiert, sondern als Vorwand genutzt, um politische Mitbewerber zu diffamieren. Das ist ein autoritäres Denken, das in einer modernen Demokratie nichts verloren hat.“

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