Weniger Nächtigungen, weniger Investitionen, weniger Arbeitsplätze: Wirtschaftlichen Schaden verursache die Debatte um Motorbootabgabe und mögliche Nutzungseinschränkungen am Wörthersee, so Vertreter der Wirtschaft, die einen offenen Seendialog fordern.
“Natürlich ist die Wirtschaft daran interessiert, dass der Wörthersee erhalten und intakt bleibt“, schickt WK-Vizepräsidentin Nika Bašić voraus. Schutz und Nutzung der Seen sollen langfristig in Einklang gebracht werden. Nachhaltigkeit bedeute aber, die Maßnahmen müssen ökologisch vertretbar und ökonomisch sinnvoll sein. „Der Wörthersee ist unser USP, wir dürfen ihn nicht noch leiser drehen“, so Bašić.
“Es geht um Wertschöpfung, Wertschätzung und Wertsicherung – natürlich müssen wir die Ressource See gut erhalten“, betont Hannes Markowitz, der Geschäftsführer der Veldener Tourismusgesellschaft. „Seit mehr als sechs Jahrzehnten prägt der Motorbootsport das Image am Wörthersee. Ich sehe Motorboote nicht als Betriebsunfall der Geschichte am Wörthersee. Sie gehören zur Wertschöpfungskette.“ Es gebe mehr als 800 Bootslizenzen am Wörthersee, davon etwa 500 für Elektroboote und 300 für Motorboote. „Von privaten Booten läuft der Motor 20 bis 25 Stunden im Jahr. Für ein E-Boot sind 1500 Euro, für ein Motorboot 8000 Euro an Steuern zu zahlen; das ist viel für so wenige Betriebsstunden.“ Durch Kauf, Service und Reparatur eines Bootes, Besuche seines Besitzers und dessen Freunde in Hotellerie und Gastronomie komme enorm viel Wertschöpfung zustande. „Ein Tagesgast gibt 27 Euro aus, ein Motorbootgast 190 Euro – allein in der Gastro“, so Markowitz.
Wenn Abgabenerhöhungen für Motorboote und Zweitwohnsitze in Diskussion stehen, was ist die Botschaft? Die Botschaft ist: Du bist nicht willkommen bei uns!

Hannes Markowitz, der Geschäftsführer der Veldener Tourismusgesellschaft
Bild: WKK | Peter Just
Die Diskussion um Abgabenerhöhungen für Motorboote und Zweitwohnsitze würde den Gästen ruppig vermitteln: Du bist nicht willkommen. „Und das zu Saisonbeginn!“, bedauert Markowitz, der Stammgäste, die sich in Kärnten ein Netzwerk aufgebaut und dann einen Zweitwohnsitz gekauft haben, nicht Touristen, sondern „Einheimische auf Zeit“ nennt. „90 Prozent ihrer Investitionen, vom Architekten über die Baufirma bis zum Fleischer und Friseur, tätigen sie innerhalb von 60 Kilometer. Viele Unternehmer in Velden überleben nur ihretwegen den Winter. Diese Zielgruppe darf man nicht abdrehen!“
Wir fordern einen fairen Prozess, einen offenen Dialog, ein Maßnahmenpaket, das auf Fakten basiert, und keine reine Symbolpolitik.

WK-Vizepräsidentein Nika Bašić
Bild: WKK | Peter Just
Stark betroffen von der Diskussion und den Maßnahmen sei auch der Sport, so WM-Vizepräsidentin Nika Bašić: „Seit knapp 65 Jahren besteht die Wasserskischule in Pörtschach, die montags immer eine tolle Show geliefert hat – aber heuer wurde diese von der BH nicht mehr bewilligt. Wegen des Wellenschlages. Mit dieser Show hat der Verein den Trainingsalltag finanziert. Das Nein ist also schlecht für den Verein, schlecht für die Nachwuchsförderung und schlecht für die Gäste.“
Werden Gäste vergrämt, sinken Wertschöpfung und Zahl der Arbeitsplätze
Dass der Wörthersee zum Sommertourismus gehört und dieser wiederum die tragende Säule in der Kärntner Tourismuswirtschaft sei, betont Herwig Draxler, der Leiter der WK-Wirtschaftspolitik: „Etwa 1,5 Millionen Nächtigungen in diesem Großraum verdeutlichen die wirtschaftliche Bedeutung dieser Region. Eine Modellrechnung zeigt: Ein Rückgang der Gäste um zehn Prozent bedeutet 34 Millionen Euro weniger Bruttowertschöpfung in Kärnten und gefährdet rund 490 Arbeitsplätze. Bei einem Rückgang um 20 Prozent sinkt die Wertschöpfung gar um 68 Millionen Euro und 980 Arbeitsplätze geraten unter Druck.“
Schutz und Nutzung sind zeitgleich möglich. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit ist das Ziel.

Herwig Draxler, der Leiter der WK-Wirtschaftspolitik
Bild: WKK | Peter Just
Es gebe ökologische Stellschrauben, ohne deshalb gleich Sport und Tourismus abzustellen, so Draxler: „Etwa das Hotspot-Management, die Wahl von Zeitfenstern, den Schutz sensibler Uferabschnitte oder punktuell technische Lösungen wie mobile Wellenbrecher. Schutz und Nutzung schließen einander nicht aus, wenn man es sachlich und faktenbasiert angeht.“
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