Erschütternder Prozess in Graz: Ein 35-Jähriger soll jahrelang auf perfide Weise zahlreiche junge Frauen und Mädchen in Online-Chats zu Nacktfotos und Sexvideos genötigt und seine Opfer dann auch noch damit erpresst haben.
Es sind unfassbare Abgründe, die sich in der Anklageschrift gegen einen 35-jährigen Grazer auftun: Jahrelang soll der arbeitslose Schulabbrecher quasi nichts anderes getan haben, als sich im Internet an junge Frauen und teils unmündige Mädchen heranzumachen und ihnen Nacktfotos oder Sexvideos zu entlocken. Bei einer Hausdurchsuchung im Jahr 2020 fanden Ermittler rund 13.000 Dateien und Darstellungen mit pornografischen Darstellungen Minderjähriger – die er teils auch anderen Usern schickte bzw. mit ihnen tauschte.
Mann gab sich auch als junges Mädchen aus
Am Freitag stand der Mann nach einem langen Ermittlungsverfahren in Graz vor Gericht. „Er hat sich bei diversen Online-Plattformen angemeldet und sich unter Decknamen als 15- bis 20-Jähriger ausgegeben, teils auch als junges Mädchen“, schildert Staatsanwalt Christian Kroschl. In Chats nötigte der Mann seine Opfer dann geschickt dazu, ihm einschlägiges Material von sich zu schicken.
Er hat seinen Opfern gedroht, bereits erhaltene Nacktbilder zu veröffentlichen bzw. an die Eltern weiterzugeben.
Staatsanwalt Christian Kroschl
Doch damit begann für die Mädchen oft erst das wahre Martyrium: „Er hat seinen Opfern gedroht, bereits erhaltene Nacktbilder zu veröffentlichen bzw. an die Eltern weiterzugeben“, so der Ankläger. Damit wollte er sie erpressen, ihm weitere Sexvideos nach seinen Vorstellungen zu schicken. Oft erst Jahre nach dem ersten Kontakt. „Er hat ihnen dabei genaue Anweisungen gegeben, ich will auf die grauslichen Sachen gar nicht im Detail eingehen“, sagt der Staatsanwalt. Ins Spiel gekommen sind dabei etwa diverse Gegenstände oder sogar Tiere ...
„Habe mein Leben ins Internet verlagert“
Der Verteidiger des Österreichers mit peruanischen Wurzeln betont, sein Mandant sei seit 2018 in psychiatrischer Behandlung. Demnach wurde bei ihm eine Angststörung sowie eine sexuelle Störung diagnostiziert. „Ich bereue zutiefst, was ich getan habe“, beteuert der 35-Jährige vor dem Schöffensenat. Wegen seiner Angststörung habe er sich völlig zurückgezogen. „Ich habe mein Leben komplett ins Internet verlagert.“ Nach Abbruch des Gymnasiums hat der Grazer – bis auf kurzfristige Gelegenheitsjobs – bis heute nie gearbeitet. Er lebt nach wie vor bei seinen Eltern.
Nachdem sich der Mann wiederholt auf seine psychische Erkrankung beruft, wird die beisitzende Richterin Julia Noack ungehalten: „Sie verharren sehr in der Opferrolle. Was hat ihre schlechte Situation mit diesen Grauslichkeiten zu tun, warum geht‘s ihnen besser, wenn‘s anderen schlecht geht?“ – Er habe nur versucht, die Hintergründe zu erklären, so der Angeklagte.
Fünf Jahre Haft
Jetzt wolle er „sein Leben aber wieder hinbiegen“, sagt der Angeklagte. Anfang März habe er schon eine Zusage zum Probearbeiten. „Wo soll's beruflich hingehen?“, will die Richterin von ihm wissen. „Technologie, irgendwas mit IT und Recht“, erklärt der Angeklagte stockend.
Darauf wird er sich im besten Fall hinter Gittern vorbereiten können. Der 35-Jährige wird unter anderem wegen schwerer Nötigung, gefährlicher Drohung und schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu fünf Jahren unbedingter Haft verurteilt. Der Angeklagte nimmt sich drei Tage Bedenkzeit. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.