Meisterkonzerte

Erfrischend kosmopolitisch

Vorarlberg
23.02.2026 16:55
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Ein Programm mit Werken des 20. Jahrhunderts präsentierte am Wochenende das Orchester der Oper Montpellier im Rahmen der Bregenzer Meisterkonzerten im Festspielhaus.

Der junge, charismatische Dirigent Roderick Cox aus dem amerikanischen Bundesstaat Georgia gewann 2018 den Sir Georg Solti Conducting Award und ist seither rund um den Globus als Opern- und Konzertdirigent tätig. Nun ist er in der bereits zweiten Saison beim Opéra Orchestre National de Montpellier Occitanie und verfolgt mit diesem einen Weg der Öffnung. Diesen frischen Wind spürte man auch beim Konzert im Bregenzer Festspielhaus beim vierten Meisterkonzert der Saison. Das Programm, das ausschließlich Musik des 20. Jahrhunderts brachte, begeisterte das Publikum im voll besetzen Saal. Rasant begann es mit einer Komposition von John Adams, komponiert im Jahr 1986, mit dem bezeichnenden Titel „Short Ride in a Fast Machine“. Der Sound, den das Orchester aus Südfrankreich vorlegte, war hoch präsent, zuweilen fast grell.

Das sollte auch beim nächsten Stück, dem Cellokonzert von Samuel Barber, so sein, wenngleich das Orchester sich hier auch wunderbar zurücknehmen konnte. So gelang ein faszinierendes Ganzes zusammen mit dem hierzulande bestens bekannten Cellisten Maximilian Hornung. Der sympathische Augsburger zog das Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann mit seinem klaren Ton und seinem Spiel, das technische Steilvorlagen mühelos meisterte. Die musikalische Komplexität des ersten Satzes bewältigte er ebenso schlüssig, wie er die traumverlorene Stimmung des zweiten zauberte. Nach dem energetischen Finalsatz bleibt die Frage, warum dieses wunderbare Konzert nicht öfter in den Konzertprogrammen zu finden ist. Mit einem sehr frei gespielten Satz aus einer Cellosuite von Bach dankte Hornung für den begeisterten Applaus. Dieses ruhige Werk schlug die Brücke zu der ganz neuen Klangwelt, die das Orchester aus Montpellier nach der Pause erschuf.

Claude Debussys Tongemälde „La Mer“ – „Das Meer“ ist purer Impressionismus, zart getupft wie glitzernde Lichtpunkte auf dem Wasser, aber auch aufbäumend wie große Wellen – Debussy verlangte ja dezidiert auf der Erstausgabe der Noten den japanischen Holzschnitt einer überstürzenden Welle. Wunderbar, wie fein das Orchester unter Roderick Cox hier musizierte, und wunderbar auch der Klangrausch des folgenden Werks, Maurice Ravels „La Valse“, eine Verneigung vor dem Wiener Walzer, aber auch eine Verzerrung desselben und vielleicht sogar, so sehen es viele Musikologen, ein Taumeln in die Gewehrsalven des Ersten Weltkrieges. Diesen entfesselten Schluss des Werks wiederholte das Orchester als Zugabe. Schon am 11. März gibt es das nächste Bregenzer Meisterkonzert, diesmal mit sehr ruhigen Klängen.

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