Der vergangene Freitag wird als ein „rabenschwarzer“ in die Geschichte Tirols eingehen – zumindest was die Zahl der Toten durch Lawinenabgänge betrifft, schreibt Claus Meinert, Chefredakteur der „Tiroler Krone“, in seinem aktuellen Kommentar.
Vier Todesopfer galt es für die Retter zu bergen. Eines in Nauders, gleich drei in St. Anton am Arlberg. Dort wurden Erinnerungen an die Dramen im Dezember 2001 bzw. Jänner 2005 wach, als drei Deutsche bzw. zwei Kanadier und ein US-Bürger nur mehr tot geborgen werden konnten.
Eine andere Zahl jedoch macht wesentlich deutlicher, was sich am Freitag in Tirol abspielte, wie gefährlich es zurzeit auf unseren Bergen ist: Laut offiziellen Angaben des Landes gab es 35 Lawinenalarme – jede Menge Arbeit für die vielen freiwilligen Retter. Auch die Hubschrauber standen im Dauereinsatz. Nur diesen Helfern (und natürlich auch vielen Freiwilligen vor Ort) ist es zu verdanken, dass mehrere Verschüttete noch rechtzeitig aus den Schneemassen ausgegraben wurden und somit nicht verstorben sind.
Gewarnt wurde freilich wieder einmal auf allen nur möglichen und erdenklichen Kanälen vor der großen Gefahr, die aufgrund des Neuschnees vorherrschte. Vielfach leider vergeblich. Augenscheinlich gehen einige Zeitgenossen davon aus, dass es „mich selbst eh nicht erwischt“ bzw. „ich gut ausgerüstet bin“. Oder vielleicht noch grotesker und naiver: Im Falle des Falles werde der Lawine davongefahren.
Dass sich all diese Dramen einmal mehr abseits der gesicherten Pisten abspielten, ist ein weiteres bedenkliches Detail. Verbote scheinen heutzutage – nicht nur was gesperrte Pisten betrifft – einfach nur mehr für die Katz’ herum zu stehen. Sie werden ignoriert. Für manchen mag es – um in die Jugendsprache zu verfallen – „geil“ sein, wenn man an einem Lawinenwarnschild vorbei in einen „jungfräulichen“ Hang einfährt. Dort die ersten (manchmal eben vielleicht sogar die letzten) Spuren zieht, danach diesen „Heldenmut“ postet und womöglich für derart viel Dummheit auch noch Applaus, sprich „Likes“ einfordert – und auch bekommt.
Dabei gehört der Applaus einzig und allein jenen meist freiwilligen Rettern, die alle diese „Mutigen“ aus ihren brenzligen Situationen zu retten versuchen. Manchmal leider ohne Erfolg, wie uns dieser Freitag wieder einmal vor Augen geführt hat.
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