Der aus Bregenz stammende Perkussionist Claudio Spieler liebt Jazz und Weltmusik. Beim Festival Jazzambach in Götzis in Vorarlberg präsentiert er unter anderem sein Kinderprojekt „takatá takatá“.
„Krone“: Herr Spieler, was erleben die Kinder bei Ihrem Projekt „takatá takatá“?
Claudio Spieler: Die Silben „takatá takatá“ bezeichnen einen Rhythmus, sie werden vor allem im Flamenco verwendet. Mein langjähriger musikalischer Partner Ingvo Clauder am Klavier und ich am Schlagwerk geben der Tänzerin Marina Paje – so die Idee – mit unserem rhythmischen Spiel die Energie zu ihrem Tanz, wir erwecken sie zum Leben. Hören wir auf zu spielen, tanzt sie auch nicht mehr. Dann versuchen wir erneut, mit Hilfe der Kinder, sie zum Leben zu erwecken, etwa durch eine Silbensprache aus Indien, durch einen melodischen Rhythmus am Klavier, durch Klatschen.
Warum haben Sie sich gerade für Flamenco entschieden?
Wenn man sich mit Rhythmus beschäftigt, kommt man zum Flamenco, das ist wie ein Sog. Beim Flamenco machen die Absätze der Tänzer den Rhythmus. Diese Virtuosität, die Marina Paje mit ihren Füßen entwickelt, schaffe ich kaum mit meinen Händen. Ich nenne den Flamenco mein rhythmisches Mekka, wobei Indien, Kuba und Westafrika für mich ähnlich wichtig sind. In diesen Gegenden gehört Rhythmus zum alltäglichen Leben.
Ist bei indischer Musik der Rhythmus tatsächlich so zentral?
Eigentlich schon. Doch auf der Bühne erst so richtig nach vorne gebracht wurde er durch mein großes Vorbild Zakir Hussain. Indien hat das komplexeste und auch das älteste Rhythmussystem weltweit.
Das Festival in Götzis steht unter dem Vorzeichen Jazz. Würden Sie sich als Jazzmusiker bezeichnen?
Nicht wirklich. Eher fühle ich mich als Weltmusiker, wobei man jetzt lieber von „Global Music“ spricht. Zudem bin ich klassisch ausgebildet, habe am Landeskonservatorium in Feldkirch das Konzertdiplom erhalten. Dank der Vermittlung von Herbert Walser, den ich übrigens für den größten Trompeter in ganz Österreich halte, habe ich Barockmusik mit der Wiener Akademie unter Martin Haselböck gespielt wie auch unter Thomas Hengelbrock, unter anderem beim Feldkirch Festival. Was den Jazz betrifft, so habe ich etwa mit Martin Grubinger die Konzerte auf seiner Abschiedstournee mitgespielt, unter dem Titel „Percussive Planet“. Ich hatte einen Solospot von sieben Minuten.
Bei diesem Solo haben Sie vermutlich improvisiert? Improvisation ist ja im Jazz wesentlich.
Ja genau, wobei dort der Beginn und das Ende abgesprochen war, denn die Musik ging nahtlos weiter. Durch Improvisation wird jedes Konzert anders, man spielt bei den Soli nie zweimal dasselbe, man will ja auch die Kollegen überraschen. Das Risiko ist wichtig, es hält das Ganze frisch.
Gibt es noch ein unrealisiertes Projekt, wovon Sie träumen?
Ja, und es dürfte schon bald Wirklichkeit werden. Nächstes Jahr am Spielboden ist mein Projekt „Global Percussion“ geplant. Es ist ein reines Perkussion-Projekt mit Musikern aus verschiedenen Weltgegenden. Denn Rhythmus betrifft uns alle, Rhythmus ist Bewegung, ist Leben.
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