Stehende Ovationen und minutenlanger Applaus nach eineinhalb Stunden für Glucks meisterhafte Reformoper „Orfeo ed Euridice“ in der bildgewaltigen Regie von Cornelius Obonya und Carolin Pienkos, die sich auch durch starke Personenführung auszeichnen.
Selten erlebt man am Klagenfurter Stadttheater, dass Applaus und Bravo-Rufe erst mit dem Schlussvorhang verebben. So geschehen am Donnerstag zur Premiere von Christoph Willibald Glucks Meisterwerk, das dem thrakischen Sänger mit der betörenden Stimme ins Jenseits zu seiner verstorbenen Frau folgt, um den Leidensweg des Paares nach eineinhalb Stunden einem glücklichen Ende zuzuführen – und damit einer Liebe zu huldige, die (entgegen dem antiken Mythos) den Tod besiegt.
Das Regieduo Obonya/Pienkos erzählt die Handlung vom Abstieg Orpheus’ in die Unterwelt und der Prüfung, sich beim Aufstieg ins Leben nicht nach Eurydike umdrehen zu dürfen, um diese zu retten, in klaren Bildern voller Poesie und Schönheit. Die ganzen Tragik eines menschlichen Verlusts und die immensen Trauer eines Mannes, der mit seinem Gesang alles und jeden erweichen konnte, leuchtet aus ihnen und bereitet „Orfeo“ Tobias Hechler eine Bühne voller Opulenz und Sinnlichkeit für seinen feinnervigen Countertenor, der des Herzens Klagen inniglich umfasst. „Euridice“ Keri Fuge besticht mit einem souveränen, wendigen Sopran, „Amore“ Luisa Mordel hebt als geflügelte Göttin den strahlenden Glanz der Liebe über die Nacht der Unterwelt mit ihren Geistern.
Glucks musikalische Suche nach edler Einfachheit und dramatischer Wahrhaftigkeit fällt beim KSO unter Michael Hofstetter auf fruchtbaren Boden: Wunderbar die spielerische Fokussierung auf pure Emotion und das ungekünstelte, ausdrucksstarke Changieren zwischen hellem Hoffen und dunkler Verzweiflung.
Günter Wallners Prachtchor ist in seiner Sangeskraft handlungstragend, dem von Riccardo De Nigris choreografiertem Ballett mangelt es schmerzlich an Synchronität, eine visuelles Fest voller Magie und Zauber bereitet Laura Madgé Hörmann dem Auge mit ihren fantastischen Kostümen in Devin McDonoughs erbaulich stimmiger Bühnen-Bogen-Architektur.
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