Männer sind in Krisenhilfen, Pflege und Sozialarbeit noch immer in der Minderheit. Doch warum ist das so? Die „Krone“ hat mit einem gesprochen, der Menschen zur Seite steht. Eine Frage des Geschlechts sei die Arbeit nicht, befinden auch Experten.
Als wir mit Dominik Lichtenthal sprachen, war er gerade von einem tödlichen Unfall zurückgekommen, bei dem er den Angehörigen und Helfern zur Seite stand. Er ist einer von wenigen Männern in der Krisenhilfe von pro mente. „Warum ist das so?“, fragte die „Krone“. „Ich denke, das ist zu einem Teil auch historisch gewachsen und hat viel mit Klischees zu tun. Es wird noch immer oft suggeriert, dass Männer das nicht können“, sagt er.
Helfer im zweiten Bildungsweg
Dass sie es können, zeigt Bernhard Kuppek. Er arbeitet ehrenamtlich beim Roten Kreuz in der Krisenintervention. Der 50-jährige Vater von zwei erwachsenen Kindern war lange in der Politik und arbeitet nun beim Land. Zur Krisenintervention kam er eher durch Zufall. „Ich wollte eine Weiterbildung machen und bin durch Zufall auf das Thema Resilienz gestoßen – das hat mich gepackt“, erzählt er.
Männer in der Minderheit
Kuppek wollte mehr und landete schließlich bei der Krisenintervention beim Roten Kreuz. „Wir sind im Bezirk Linz-Land rund 20 Personen, vier davon sind Männer. Es ist schon sehr auffällig, dass wir in diesem ganzen Sozialbereich und in der Pflege rar sind“, merkt er an. „Ich habe noch einige andere Zusatzausbildungen gemacht – etwa Suizidprävention. Da waren wir meist maximal zwei Männer, oder ich war überhaupt allein“, sagt Kuppek.
Es geht um Rollenvorstellungen
Katja Sieper, Leiterin der Krisenhilfe Oberösterreich, sieht keinen Grund, warum Männer die Arbeit schlechter oder anders machen würden. „Da gibt es keinen Unterschied. Ich denke, das sind veraltete Rollenvorstellungen“, sagt sie. In den Lehrgängen sind auch bei der Krisenhilfe Männer ganz klar in der Minderheit, im aktuellen Kurs sind sogar nur Frauen.
Sie helfen Menschen in traumatischen Situationen. Aber wer hilft den Helfern? Auch hier sind in den einzelnen Organisationen bereits zahlreiche Maßnahmen aufgebaut. Beim Roten Kreuz nennt sich das Stressverarbeitung nach Ereignissen (SvE). Dabei werden Mitarbeiter nach psychisch belastenden Ereignissen intensiv betreut und begleitet.
„Gemischte Teams bringen die Vorteile von unterschiedlichen Perspektiven und Zugängen und können damit für Menschen in Not ein breiteres Angebot an Beziehung und Identifikation ermöglichen. Emotionale Präsenz, Mitgefühl und das Aushalten von Ohnmacht sind professionelle Kompetenzen und keine Frage des Geschlechts“, meint auch Petra Keplinger, Leiterin der Krisenintervention beim Roten Kreuz Oberösterreich.
Es geht vor allem ums Dasein und Zuhören
Bernhard Kuppek hat aber noch eine ganz andere Erklärung, warum sich Männer in diesen Bereichen schwertun. „Ich weiß schon, das ist jetzt auch ein Klischee – aber ich glaube, Männer wollen immer eine Lösung. Hier in der Krisenintervention gibt es aber keine Lösung. Wir können nur da sein, zuhören und Hilfe anbieten. Lösen können wir nichts.“
Zu den schwierigsten Aufgaben zählt in der Krisenintervention sicherlich das Überbringen von Todesnachrichten. Das geschieht gemeinsam mit der Polizei, denn nur die darf formell die schreckliche Nachricht überbringen. „Da haben wir eigentlich zwei Rollen, weil die Beamten sagen können, hier ist jemand für Sie vom Roten Kreuz, und dann sind wir für die Betroffenen da“, sagt Kuppek.
Boys‘ Day als Anreiz
Weil eben Männer in psychosozialen Berufen noch immer unterrepräsentiert sindm sollen der Boys’ Day Abhilfe schaffen. Er ermöglicht Burschen und Männern zwischen zwölf und 25 Jahren, Berufe in den Bereichen Pädagogik, Pflege und Soziales kennenzulernen, um geschlechter-stereotypische Berufswahlen aufzubrechen. Heuer findet er am 12. November statt: www.boysday.at
Berufsanreiz
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