Die Geschichte der britischen Underground-Punkband Peter And The Test Tube Babies begann 1978 ohne große Ambitionen – fast 50 Jahre ist die Band rund um Frontmann Peter Bywaters noch immer voll im Saft und kommt in Kürze in die Wiener Arena. Welche Opfer man dafür bringen muss, erzählt uns der Sänger im „Krone“-Talk.
Amerikaliebhaber, die in näherer Zukunft gerne Urlaub in den Vereinigten Staaten machen möchten, haben von den aktuellen Einreiseverschärfungen sicher schon einiges mitbekommen. Neben dem üblichen ESTA-Formular, einem gültigen Reisepass und mehr oder weniger sinnvollen Fragen der Grenzbeamten, dürften in Zukunft auch die Social-Media-Accounts genauer beäugt werden. Peter Bywaters hat die strengeren Regeln des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump bereits durchbrochen, als es sie in diesem Ausmaß noch nicht einmal gab. 2016 war er mit seiner Band Peter And The Test Tube Babies auf der sogenannten „Presidential Tour“ in Europa unterwegs und spielte seine Fun-Punk-Shows als Trump verkleidet. Die drei Bandkollegen posierten als Freiheitsstatue, Uncle Sam und Abraham Lincoln. Die US-Regierung fand das weniger lustig und ließ den Sänger in San Francisco erst gar nicht ins Land – rein PR-technisch war das in mittlerweile fast 50 Karrierejahren wohl der größte Coup der Band.
Kultisch verehrtes Frühwerk
Formiert hat sich die Combo bereits 1978, also direkt nach der britischen Punk-Explosion, in der 15.000-Seelen-Metropole Peaceheaven an der südlichen Küste in East Sussex. Durch ihre humorigen und doppeldeutigen Texte und der wenig ernsthaften inhaltlichen Einstellung wurden sie in die einst recht populäre Subnische „Punk Pathetique“ eingeordnet – inhaltlich vielleicht am ehesten vergleichbar mit der in den 90ern populär gewordenen Punkrock-Welle an der amerikanischen Westküste, wo lustige Themen Sozial- und Gesellschaftskritik überragten. Doch Peter And The Test Tube Babies hatten ihre fettesten Jahre schon in den 80ern. Vor allem die ersten drei Studioalben „The Mating Sounds Of American Frogs“ (1983), „The Loud Blaring Punk Rock Album“ (1984) und die Compilation „Soberphobia“ (1986) werden von vielen kultisch verehrt. Bywaters erinnert sich im Talk mit der „Krone“ gerne an die frühen Tage der Band zurück.
„Natürlich haben wir alles ausprobiert und viel experimentiert. Wir haben den Punk-Lifestyle richtig gelebt, aber so viel anders fühle ich mich heute auch nicht. Wir sind älter, viele unserer Fans sind älter, aber ansonsten hat sich nicht allzu viel getan.“ Bywaters frönt einem äußerst bescheidenen Lebensstil, um ausschließlich von der Musik leben zu können. Ein herkömmlicher Job hat in seinem Punk-Ethos keinen Platz, deshalb lebt er auch lieber im Wohnwagen und macht Abstriche. „Eine Villa oder ein Haus sind nicht nötig, mein Leben ist sehr simpel und kostengünstig.“ Allürenfrei war auch sein letztes Österreich-Stelldichein 2024 im Wiener Chelsea. Das Hotelzimmer war erst um 11 Uhr frei, der Van kam früher an. „Ich habe mich einfach bei voller Beleuchtung auf das Sofa der Rezeption gewuchtet, bis ich ins Zimmer durfte. Es war nicht ideal, aber auch kein größeres Drama.“ Bywaters und sein Kompagnon Gitarrist Derek „Del Strangefish“ Greening befinden sich inmitten ihrer 60er, leben aber noch immer so gut wie möglich wie junge Hunde. Während eines Livekonzerts würde man nicht auf die Idee kommen, dass die Herren schon kurz vorm legalen Pensionsalter stehen würden.
Kampf gegen die Dämonen
„Eine Band gibt dir die Möglichkeit, für immer kindisch zu bleiben. In gewisser Weise fühlen wir uns unzerstörbar und ziehen unser Ding durch.“ Alljährlich touren Peter And The Test Tube Babies zur Weihnachtszeit in Deutschland. Im Jänner oder Februar legt man dann gerne noch Shows in Österreich, der Schweiz, Frankreich oder Belgien nach. „Das ist unser Touring-Maximum, mehr machen wir außerhalb Großbritanniens nicht.“ Umso erstaunlicher ist die Präsenz der Band angesichts der Tatsache, dass Greening aus gesundheitlichen Gründen immer wieder ausfällt und Bywaters seit geraumer Zeit gegen Depressionen ankämpft. „Die Musik und die Band waren schon immer meine Therapie. Es ist gut, wenn man unterwegs ist und den Kopf durchlüften kann. Man trifft neue Menschen, kommt in Kontakt mit Fans und schaltet vom Alltag ab. Ich hatte über Corona wirklich harte Jahre, aber bin mittlerweile wieder gut in der Spur.“
Bywaters wollte schon immer Rockstar werden – der einzige Plan B war, als Englischlehrer zu arbeiten. „Das mache ich manchmal, wenn es finanziell sehr eng wird. Ich kann ihnen nebenbei auch Musikgeschichte beibringen, was die meisten sehr interessiert. Es ist ein schöner Job, der sich gut von meinem hauptsächlichen als Sänger einer Punkband unterscheidet.“ Über die Jahre hat sich Bywaters mit vielen Gleichgesinnten in der Welt angefreundet, der berühmteste ist mit Sicherheit Toten-Hosen-Sänger Campino, mit dem er auch schon Lieder eingesungen hat. „Wir kennen uns schon sehr lange. Ich würde uns jetzt nicht als enge Freunde bezeichnen, aber haben schon so einiges zusammen erlebt.“ Bis vor Ausbruch der Corona-Pandemie haben Peter And The Test Tube Babies auch wieder verstärkt Motivation zum Songschrieben gefunden, wovon die Platten „That Shallot“ (2017) und „Fuctifano“ (2020) zeugen. „Ich würde nicht sagen, dass das letzte unser bestes war“, bleibt der Frontmann aber ungewohnt bescheiden, „da geht mehr und wir haben auch noch mehr vor. Ich würde gerne noch ein wütendes Punk-Album schreiben. Das könnte uns gelingen.“
Live in der Arena Wien
Vorerst kommen Peter And The Test Tube Babies aber mit ihrem klassischen Material nach Wien. Am 28. Jänner gastieren sie in der Wiener Arena – es gibt unter www.oeticket.com auch noch Karten für die Winter-Punksause mit echten britischen Legenden aus dem Underground.
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