Der Umstieg auf vollelektrische Pkw geht langsamer als erwartet, die EU-Vorgaben waren überzogen. So wie Mercedes, Porsche und andere bremste der Stellantis-Konzern (Opel, Fiat, Peugeot, Citroën usw.) nach Verlust von Marktanteilen seine E-Pläne deutlich und setzt nun auf Hybrid-Technik.
Es geht zwar langfristig in Richtung E-Mobilität, aber die Umstellung werde länger als gedacht dauern, weil die Kunden nicht so mitziehen. „Ursprünglich rechnete man damit, dass bis 2030 schon 50 Prozent des Neuwagenmarktes vollelektrisch sein werden. Das wird aber mindestens bis 2035 dauern“, meint Markus Wildeis, Chef von Stellantis Österreich. Folge: Noch vor drei Jahren schaltete Stellantis ganz auf reine E-Mobilität um, doch der Markt machte nicht mit. Nun setzt man wieder auf Hybrid-Technik als kundenfreundliche Übergangslösung, etwa beim beliebten Fiat 500.
Nur 18 Prozent reine Elektroautos
Im Schnitt sind derzeit 18 Prozent der verkauften Fahrzeuge rein batteriebetrieben, aber die Unterschiede sind enorm. Österreich liegt bei 21 Prozent, Nordeuropa bei bis über 70 Prozent, in Südeuropa sind es bloß unter zehn Prozent. Die frühere Strategie aus Brüssel, die Hersteller mit hohen drohenden Strafzahlungen zu E-Modellen zu drängen, sei ein Fehler gewesen, und auch das zuletzt abgeschwächte Verbrenner-Aus sei fragwürdig, so Wildeis. Aktuell gäbe es Unsicherheit, und es fehle eine klare Lösung für die Zeit nach 2035.
„Es geht aber in Europa um 14 Millionen Arbeitsplätze, in Österreich hängen 400.000 Jobs am Auto, das ist eine Kernwirtschaft.“ Die europäischen Hersteller hätten derzeit gleich drei große Probleme: Nicht nur gehe die E-Transformation langsamer, sodass die Branche sowohl Verbrenner als auch E-Modelle weiterentwickeln müsse, was sehr teuer sei. Zweitens ist der Markt in Europa inklusive Großbritannien von früher 18 Millionen auf 15 Millionen Stück geschrumpft. Europa ist dadurch nur mehr der drittgrößte Automarkt der Welt und am Abstieg zur Nummer vier.
Und drittens gibt es eine massive Offensive der chinesischen Hersteller. „In den USA und Japan ist für sie die Türe zu, Europa ist daher ihr Zielgebiet. Wir haben also auf einem kleineren Markt mehr Wettbewerb.“ Derzeit stammen 21 Prozent der globalen Autoverkäufe von China-Marken, 2030 dürften es schon ein Drittel sein.
Warnung vor staatlich unterstützten China-Herstellern
Daher brauchen die europäischen Hersteller mehr Unterstützung durch die Politik, fordert Wildeis. Man müsse den Wert einer Produktion bei uns stärker herausstreichen, „da geht es um unsere Standards auch als Demokratien gegenüber den autoritären, staatlich geförderten Anbietern.“ Zusätzlich gibt es Sicherheitsfragen, wenn etwa China-Konzerne genaue Daten von ihren bei uns verkauften Fahrzeugen sammeln können. Bei Firmenwagen lässt sich so z. B. genau verfolgen, zu welchen Kunden sie Lieferungen machen – damit könnte ein Geschäftsmodell einfach kopiert werden.
Stellantis selbst ist mit 22 Autofabriken in Europa tätig. „93 Prozent unserer Fahrzeuge sind aus Europa für Europa.“ Parallel hat man bis Ende 2026 auch zwei eigene Batterie-Fabriken, und ein Joint-Venture mit dem privaten chinesischen Elektroauto-Bauer Leapmotor soll zusätzliche Marktanteile sichern. In Österreich war Stellantis im Vorjahr mit 49.000 verkauften Autos Nummer zwei hinter der VW-Gruppe, bei leichten Nutzfahrzeugen sogar Marktführer.
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