Betroffene erzählt

„Müssen zwischen Heizen und Essen entscheiden“

Wien
19.01.2026 19:00

Beim Energiesprechtag des Roten Kreuzes beraten Mitarbeiter in Kooperation mit der Wien Energie Menschen, die sich das Heizen nicht mehr leisten können. Bei einem Lokalaugenschein sprach die „Krone“ mit ihnen – und jenen, die ihnen helfen. 

„Warum sind Sie heute da?“, fragt Imre Siska. Er ist Mitarbeiter der Spontanhilfe des Roten Kreuzes und steht Betroffenen beim Energiesprechtag jeden Montag beratend zur Verfügung.

Die 71-jährige Maria K., sie möchte anonym bleiben, antwortet: „Wegen Strom und Gas.“ K. bekommt Notstandshilfe und hatte erst im November eine Brustkrebsoperation. Sie spare, wo sie kann, sagt sie. Jedoch müsse sie sich auch teure Medikamente kaufen.

Seit zwei Jahren habe sie keine Rechnung mehr bezahlt, stellt Siska im Gespräch fest. Unterstützt wurde K. jüngst mit einem Energie-Gutschein von Wien Energie, wodurch laufende Kosten reduziert werden, und vom Wohnschirm. Das geht aber nicht immer. „Wir müssen schauen, dass sie ihre Rechnungen begleichen können“. K. zuckt die Schultern: „Ich weiß“, sagt sie nur.

Heizen oder Abendessen?
„Die Betroffenen müssen oft zwischen Energie, Gesundheit oder Essen wählen“, erzählt Siska. Früher sei es in Beratungen meist um Jahresabrechnungen gegangen, mittlerweile können viele ihre Teilbeträge nicht mehr zahlen.

„Multiple Problemlagen sind meist Ursache für die Situation“, so Siska. Die Betroffenen seien etwa oft alleinerziehend, leiden unter Altersarmut oder Jobverlust sowie Krankheiten. In Kooperation mit Mitarbeitern der Ombudsstelle der Wien Energie versucht das Rote Kreuz, die Ursache zu eruieren sowie eine gemeinsame Lösung zu finden.

In „Härtefällen“ statten Sozialarbeiter der Wien Energie-Ombudsstelle, wie Mohamed Aboelwafa, auch Hausbesuche ab. „Das sind meistens über 75-Jährige, denen eine Abschaltung der Fernwärme droht“, erzählt Aboelwafa. Er unterstützt dann beim Lesen der Rechnungen oder auch bei „Kleinigkeiten“ wie dem Umgang mit dem Internet, sagt er.

Mehr Bedarf an Beratungen
Insgesamt stiegen auch die Anfragen nach Beratungen an, so Siska. Andere Einrichtungen, die ähnliches anbieten, hätten ebenso alle Hände voll zu tun, weiß er. Die Menschen berät man nämlich über längere Zeit.

So ist das auch bei K. Sie soll bis zum nächsten Gespräch versuchen, 140 Euro monatlich an Wien Energie zu zahlen. Einstweilen beschäftigt sich Siska mit ihren Bescheiden. Ihm fiel nämlich auf, dass K. mit 71 Jahren keine Pension bekommt, sondern noch beim AMS ist. 

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