Im Wiener Rabenhof feierte eine Adaption des von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs 1890 in Berlin uraufgeführten Stücks „Pension Schöller“ Premiere. Regisseurin Ruth Brauer-Kvam machte aus dem Klassiker einen mit Musiknummern gespickten, hyper-hysterischen Spaß. Das kann ganz schön anstrengend sein.
Die „Pension Schöller“ zählt zu den Komödienklassikern der Theaterbühnen. Wie man dieses mit Brachialhumor gespickte Stück gewitzt serviert, haben Maxi und Alfred Böhm in der legendären Hugo-Wiener-Adaption gezeigt. Daran gilt es sich bis heute zu messen. Regisseurin Ruth Brauer-Kvam hat sich nicht auf die simple Genialität des Lustspiels verlassen, sondern zerstückelt, auf den ohnehin schieren Wahnsinn noch mehr Schräges draufgepackt und eine Band ins Spiel gebracht – die zwar dank Frontman Robert Slivovsky, der einen köstlichen Neffen in Geldnöten gibt, die operettenhaften Revuenummern Fred Raymonds anständig rockt. Sound und Gesang sind aber zu laut und leider oft unverständlich.
Sehenswert: Doris Hindinger als hinters Licht geführte Tante und Florian Carove als Professor Schöller (beide Bronski-erprobt, herrlich am Punkt). Bei Burg-Star Sebastian Wendelin bleibt die Tragikomik des „n“-Fehlers auf der Strecke. Kein Wunder bei dem hektischen Regietempo und Pointen, die mit dem Holzhammer verabreicht werden. Beeindruckend die Kondition des spiel- tanz- und singfreudigen Ensembles. Denn ab der ersten Minute dreht die Inszenierung auf Vollgas und überspannt bereits nach einer Stunde die Humor-Aufnahmebereitschaft, die von Anfang an auf die Probe gestellt wird, etwa, wenn sich im offenen Kamin ein Hinweisschild „Achtung Feuer“ befindet.
Alle, die mit der original „Pension“ vertraut sind, werden wohl auch enttäuschte Augen machen, dass ausgerechnet jener Teil, in dem die vermeintlichen Irren beim Onkel (hier wäre es die Tante) daheim auftauchen und für den Obergag sorgen, komplett gestrichen wurde. Nach 1 Stunde 45 Minuten ist schließlich Schluss mit Lustig. „Ob die lachen werden in Teplitz?“ Das Premierenpublikum tat’s.
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