Durch den herzlosen Abrissbescheid des Ortschefs – zugestellt just am Höhepunkt der besinnlichen Adventzeit – verlieren 21 Pächter in Bad Vöslau in Niederösterreich ihr grünes Paradies!
Liebevoll, mit Hingabe und oft mit bloßen Händen pflegen die Kleingärtner in der Kanalgasse auch jetzt im Winter ihre kleinen Oasen. Auf etwas weniger als einem Hektar ist über Jahrzehnte ein Paradies gewachsen – nicht nur aus Rosen, Paradeisern und Obstbäumen, sondern aus Erinnerungen, Familiengeschichten und Nachbarschaft.
Seit Jahrzehnten wird hier gegärtnert
Die Pomonia-Siedlung in Bad Vöslau ist für ihre Pächter weit mehr als ein Stück Grün. Sie ist Rückzugsort, Treffpunkt, grüne Lunge und Heimat zugleich. Entstanden 1975, wird hier in manchen Familien bereits in dritter oder vierter Generation gegärtnert. Während rundherum Autobahn, Gewerbegebiete und Wohnsiedlungen aus dem Boden schossen, wurden die Gärten jahrzehntelang geduldet.
Umwidmung ohne die Pächter
Doch 2018 kam die kalte Dusche: Das Grundstück wurde plötzlich zu Bauland umgewidmet – ohne Einbindung der Pächter. Seitdem kämpfen die Kleingärtner um ihr „Paradies“, legten sogar einen professionellen Parzellierungsplan vor. Vergeblich. Die Gemeinde bleibt beinhart.
Unsere Gärten sind keine Aktennummern. Hier wachsen nicht nur Blumen, sondern Erinnerungen. Diese sterben per Bescheid.
Kleingärtnerin Conny Ebner
Abrissbescheid in Vorweihnachtszeit
Jetzt der endgültige Paukenschlag: Der Abrissbescheid wurde am 9. Dezember 2025 erlassen. Die Rechtsmittelfrist endet ausgerechnet am 29. Dezember. Rechtlich sehen sich die Betroffenen nicht chancenlos. Staranwalt Dr. Alfred Boran wird Berufung einlegen. Er spricht von einem fragwürdigen und angesichts der Fristen perfiden Vorgehen: „Das grenzt an soziale Kälte. Jahrzehntelang gewachsene Strukturen einfach wegzureißen, ist herzlos. Nach 33 Jahren hätte man auch ein paar Tage nach dem Fest zuwarten können.“
„Siedlung ohne rechtlichen Status“
Ortschef Christian Flammer verteidigt den Schritt. Die Anlage sei Anfang der 1990er-Jahre auf Grünland errichtet worden, das als Betriebsgebiet vorgesehen sei. „Die Häuschen dort haben keinen rechtlichen Status. Eine Umwidmung ist laut Land nicht möglich, da sie illegale Bauten legalisieren würde.“
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