Die weltberühmte Wiener Albertina feiert 2026 ihr 250-Jahre-Jubiläum. Albertina-Direktor Ralph Gleis sprach mit der „Krone“ über das Museum von morgen und kommende Ausstellungsprojekte.
Dunkle Wolken über Österreichs Kulturszene. Offizielle Stellungnahme zu Sparmaßnahmen bei den Bundesmuseen gibt es nicht. Noch nicht! Aber in der Albertina zeigt sich Generaldirektor Ralph Gleis (52) gewappnet. „Man verlässt sich nicht allein auf den Staat, ich setze auf Eigeninitiative“, betonte er schon, als er sich als Chef der Alten Nationalgalerie Berlin verabschiedete und Anfang 2025 in der Albertina antrat.
Gleis, der zuerst an Museen in Antwerpen und Bonn arbeitete und von 2009 bis 2017 als Kurator am Wien Museum die Kunstszene gründlich kennenlernte, schätzt Wien sehr: „Eine Stadt, die die Symbiose von großem Erbe und Avantgarde stets als Tradition zu verkaufen wusste.“
Highlights müssen Tiefgang haben
Die Albertina zu leiten, die unter seinem Vorgänger Klaus Albrecht Schröder zu einer Art Universalmuseum wurde, als er die Sammlungen Batliner und Essl ins Haus holte, reizte Gleis immens: „Ich habe mehr Ideen als realisierbar sind. Und die Spannweite der Sammlung mit rund 1,3 Millionen Objekten von der Gotik bis zur Gegenwart bedeutet ein gewaltiges Potenzial. Wir müssen die Sammlung allerdings neu denken, auf die Gegenwart ausrichten und unsere Ausstellung mit Themen der Gegenwart verknüpfen. Ich habe immer wieder gesagt, dass ich das Wort Blockbuster nicht besonders mag. Ich spreche lieber von Ausstellungs-Highlights, die aktuell sind, offene Fragen zu beantworten versuchen, Tiefgang zeigen.“
40 Prozent der Besucher – jährlich mehr als insgesamt eine Million – sind Österreicher. „Wir wollen ein Museum für alle Menschen sein. Ein Museum der Vielfalt, in dem die Alten Meister der Kunst der Gegenwart begegnen. Und wir wollen nicht nur unsere Bestände zeigen, wir brauchen die internationale Zusammenarbeit mit anderen großen Sammlungen. Wir dürfen uns keinesfalls selbst genügen. Das bedeutete: stehen bleiben! Unsere Frühlingsausstellung über Renaissance zwischen den Giganten Leonardo da Vinci und Dürer, über hundert eigene Arbeiten, brachte Meisterblätter aus den Uffizien, Windsor Castle usw. nach Wien. Kooperation und nachhaltige Zusammenarbeit werden immer notwendiger.“
Im Dezember zeigt Gleis die Schau „Faszination Papier“: „Ein sehr frischer, ungewöhnlicher Blick auf Papierarbeiten, von alten Spielkartenstichen über Altdorfer, Tizian, Rembrandt bis Anselm Kiefer. Damit besinnen wir uns auch auf die ursprüngliche Aufgabe des Hauses, die grafische Kunst.“
Eine große Schau zur „250er“-Feier
Seit Monaten widmet sich Gleis einer großen Aufgabe: 2026 feiert die Albertina ihr 250-jähriges Bestehen: „Wir zeigen eine große Schau über das Werden der weltberühmten Sammlung und das Palais. Aber es ist ein Jubiläum, das wir nutzen, um nicht nur zurückzublicken, sondern mutig in die Zukunft zu denken. Wir zeigen unter anderen Honoré Daumier, Francis Bacon, Pablo Picasso, Richard Prince und die Schau, die die Frauen der Sammlung in den Mittelpunkt stellt.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.