Verzweiflung in Graz

200 Bewerbungen, aber Ingenieurin fand keinen Job

Steiermark
27.10.2025 11:00

Sie sind top ausgebildet, aber finden in der Steiermark keinen Job: Dieses Schicksal teilen viele Frauen aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU. Manche geben wieder auf und ziehen in andere Länder weiter. Hier einige Bespiele.

Schon viele Österreicher tun sich schwer, Kinderbetreuung und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Noch schwerer ist die Situation für Frauen aus Drittstaaten. „Viele von ihnen kommen hierher, weil der Ehepartner bei einem großen internationalen Betrieb arbeitet“, sagt Debbie Adams vom Seddwell Center in Graz, einem Ort, an dem sich die Expat-Community austauscht. „Sie kommen oft mitten im Schuljahr. Sie suchen einen Job, aber bekommen keine Kinderbetreuung, weil sie keinen Job haben“, erklärt die Neuseeländerin.

Diplomingenieurin schrieb mehr als 200 Bewerbungen
Ein Beispiel? „Eine studierte Diplomingenieurin aus dem Sudan hat über 200 Bewerbungen geschrieben und keinen Job bekommen.“ Sie zog schließlich nach Deutschland, ihr Mann blieb mit den älteren zwei Kindern in Graz. Paradoxerweise wird die Jobsuche schwerer, je höher die Frauen qualifiziert sind, sagt Adams.

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Sie suchen einen Job, aber bekommen keine Kinderbetreuung, weil sie keinen Job haben.

Debbie Adams 

Auch Sara Crockett von der International Women’s Association (IWA) Graz kennt diese Probleme. Die US-Wissenschafterin lebt seit 2004 in Graz und ist auch Mitglied im Migrant:innenbeirat der Stadt. „Es kann lange dauern, bis Qualifikationen anerkannt werden“, spricht sie den sogenannten Nostrifizierungsprozess an.

„Schlecht für ihren Selbstwert“
Crockett berichtet von einer amerikanischen Ärztin, die schon in vier Ländern gearbeitet hatte, aber in Graz keinen Job fand, und einer chinesischen Bauingenieurin mit jahrelanger Erfahrung, die zwei Jahre lang erfolglos eine Anstellung suchte – trotz Deutschkenntnissen. „Viele dieser Frauen nehmen Jobs an, für die sie überqualifiziert sind. Das ist auch für ihren Selbstwert schlecht.“

Insgesamt haben 47.000 Personen aus Drittstaaten ihren Hauptwohnsitz in Graz. Die größten Gruppen sind Bosnier, Türken und Ukrainer. Die IWA und das Seddwell Center helfen so gut es geht mit ihrem Netzwerk, fordern aber vor allem die steirische Politik zum Handeln auf.

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