So, 19. August 2018

krone.at-Interview

25.12.2013 15:50

Thiem: "Im Mai muss ich unter den Top-100 sein"

Thomas Muster? Den gab's mal. Jürgen Melzer? Den gibt's noch, aber er hat wohl weniger Jahre auf der ATP-Tour vor als hinter sich. Der nächste, dem man es zutraut, in ungeahnte Höhen der Tennis-Weltrangliste vorzustoßen, das ist Dominic Thiem. Der 20-jährige Niederösterreicher, der als Nummer 139 der Welt keinen einzigen jüngeren Spieler vor sich hat, steht heuer vor einem wichtigen Jahr: Die Top-100 locken, und er will endgültig voll im Erwachsenen-Tennis durchstarten. Was er sich von der kommenden Saison erwartet, worauf er hofft und was er denkt, das gab er im Interview mit krone.at preis.

krone.at: Vor zwei Jahren warst du noch die Nummer 722 der Welt, ein Jahr später dann auf Platz 388 des ATP-Rankings – und jetzt stehst du als 139. der Weltrangliste am Sprung in die Top-100. Wie siehst du diese Entwicklung?
Dominic Thiem: Sehr positiv! Immerhin hab' ich mein Ranking praktisch jedes Jahr "halbieren" können. Dabei hat die vergangene Saison gar nicht gut angefangen mit einem extrem schlechten ersten Halbjahr inklusive Krankenhausaufenthalt und so. Aber das hab' ich dann mit einem super zweiten Halbjahr voll kompensieren können. Und jetzt freu' ich mich extrem auf die nächste Saison, weil ich diesmal zum ersten Mal einen richtigen Aufbau machen hab' können - ich hoffe, dass ich am Ende des nächsten Jahres wieder so einen großen Sprung machen kann.

krone.at: Was für Ziele hast du dir konkret für das kommende Jahr gesetzt?
Thiem: Das große Ziel ist, dass ich bei den French Open im Hauptbewerb starten kann - das ist im Mai, da muss ich unter den Top-100 sein. Das ist auch realistisch, weil ich bis dahin kaum Punkte mehr zu verteidigen hab'. Und in Kitzbühel dabei zu sein, ohne eine Wildcard zu brauchen, das wäre mir auch sehr wichtig.

krone.at: Bei den Australian Open wirst du im Jänner erstmals seit den US Open 2011 wieder ein Spiel bei einem Grand-Slam-Turnier bestreiten – während es damals allerdings noch um Ruhm und Ehre bei den Junioren ging, musst du dich jetzt in der Erwachsenen-Welt beweisen. Mit was für Gefühlen und Zielen gehst du in Australien an den Start?
Thiem: Das große Ziel ist, dass ich mich für den Hauptbewerb qualifiziere. Und dazu muss ich drei gute Matches spielen, da sind drei gute Spieler zu schlagen. Nein, ich freu' mich total, dass ich wieder dabei bin bei einem Grand Slam. Wie du gesagt hast, ich kenn's zwar schon ein bisschen von den Junioren, aber dieses Mal starte ich ja zum ersten Mal wie ein echter Profi ins Jahr, zunächst in Doha und dann in Australien.

krone.at: Du hast dich zuletzt auf den Kanarischen Inseln auf die neue Saison vorbereitet – worauf haben du und dein Coach Günter Bresnik besonderen Wert gelegt?
Thiem: Zunächst einmal auf die Ausdauer und die Fitness, da haben wir extrem viel gemacht. Es waren ja noch der Sepp (Resnik; Anm.) und zwei andere Trainer mit dabei – da haben wir zwei bis drei Stunden täglich spezifisch hart gearbeitet. Und dann natürlich auch viel Tennis gespielt, vor allem mit Fokus auf Beinarbeit und Volley. Es war eine echt harte Vorbereitung.

krone.at: Auf den Kanaren waren du und Bresnik nicht allein am Werken, mit dem zweiten Schützling deines Trainers, dem Letten Ernests Gulbis, hattest du ebenfalls viel zu tun. Was konntest du aus den Einheiten mit der Nummer 24 der Welt mitnehmen?
Thiem: Extrem viel! Es gibt keinen, der schneller spielt als er und somit kann ich mich ideal an das Höchsttempo der Besten gewöhnen. Auch wie er sich am Platz bewegt, das hat schon Klasse! Er ist ein echter Topspieler und gehört, find' ich, im Ranking noch weiter nach vor. Ich profitiere extrem von ihm. Es ist generell immer ein sehr gutes Training mit ihm.

krone.at: Auf Facebook hast du von deinem Trainingslager auf Teneriffa auch ein paar Fotos vom Box-Sparring gepostet – was bringt ausgerechnet Boxen einem Tennisspieler?
Thiem: Es sagen viele, dass sich die Sportarten ein bisschen ähneln. Vor allem wegen der Beinarbeit und der Koordination der Beinarbeit mit der "Handarbeit". Es ist auch gleichzeitig ein Ausdauertraining, man hat einen unglaublich hohen Puls, wenn man boxt. Noch dazu boxt man 30 Sekunden und dann gibt's eine Pause - also auch von daher ähnelt es dem Tennisspielen schon auch ein bisschen.

krone.at: Themenwechsel: Deine Kindheits-Idole waren laut deinem ATP-Profil Jürgen Melzer und Stefan Koubek – bist du so ein großer Patriot, dass ein Roger Federer, ein Andy Roddick oder ein Lleyton Hewitt keinen Platz in deinem Herz gefunden haben?
Thiem: Natürlich hab' ich mir die auch extrem gerne angeschaut, aber ich hab' nie so ein so ein richtig großes Idol gehabt. Mir ging's immer darum, die guten Spieler zu verfolgen und mir von denen Sachen abzuschauen. Aber natürlich hab' ich am meisten zu den Österreichern geholfen und wenn ich die im Fernsehen oder etwa in der Stadthalle gesehen habe, dann war ich der größte Fan von denen.

krone.at: Stichwort Austro-Asse: Bist du der seit Jahren herbeigesehnte Nachfolger von Thomas Muster oder Jürgen Melzer?
Thiem: Einerseits ist es natürlich eine Ehre, mit den beiden verglichen zu werden und auch ein bisschen eine Anerkennung meiner Leistung. Aber die zwei sind noch in einer ganz anderen Liga, die haben so viel erreicht und ... (stockt) ... bis ich mich wirklich mit denen vergleichen kann, das dauert noch zehn, 15 Jahre – da muss ich noch so viel gewinnen und das wird extrem schwer.

krone.at: Aber als Belastung siehst du das jetzt auch wieder nicht?
Thiem: Nein, nein! Wie gesagt, das ist eine Riesenbeflügelung und auch eine Anerkennung für das, was ich bis jetzt geleistet hab'.

krone.at: Du bist aktuell die Nummer 139 der Welt, das hab' ich vorher schon erwähnt. Was bedeutet es für dich, dass kein einziger jüngerer Spieler in der Weltrangliste vor dir ist?
Thiem:(lacht) Für mich persönlich ist das nicht unwichtig. Ich glaub', diesen Status als "Bester Junger" hab ich seit eineinhalb oder zwei Jahren, ja, und ich versuch, dass das für immer so bleibt, dass kein Jüngerer vor mir ist. (grinst)

krone.at: Welche Bedeutung haben Günter Bresnik und Sepp Resnik für deine Karriere und deine Weiterentwicklung?
Thiem: Der Günter ist natürlich extrem wichtig! Bei ihm bin ich, seit ich elf Jahre alt war und er hat sich von dem Zeitpunkt an bis jetzt jeden Tag mit mir beschäftigt und mir jeden Tag Sachen beigebracht - ohne ihn wäre das alles unmöglich. Der Günter ist immer der Chef im Team!

krone.at: Kümmert dich das, wenn du, wie zuletzt im Zusammenhang mit deinem Fernbleiben vom Davis-Cup-Team im Duell gegen die Niederlande, quasi als vaterlandsloser Geselle hingestellt wirst?
Thiem: Die Medien haben ja nicht gewusst, was da wirklich dahinter ist. Als es der Günter dann erklärt hat, hat sich das eh schnell beruhigt – ich hätt' damals nichts lieber getan als Davis Cup zu spielen, aber das mit den Förderungen, das hat man einfach klären müssen. Da war halt der Davis Cup dann leider das Opfer, aber das ist jetzt eh vorbei und geklärt.

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