So, 19. August 2018

Was steckt dahinter?

30.12.2013 13:39

So interpretieren Sie Job-Inserate richtig

Stellenanzeigen auf passende Angebote zu durchforsten, ist eine mühsame Angelegenheit. Während die einen so oberflächlich und vage formulieren, dass man sich nichts unter dem ausgeschriebenen Job vorstellen kann, setzen die anderen die Anforderungen derart präzise und hoch an, dass man sich sofort abgeschreckt fühlt. Was wirklich verlangt wird und wie Sie die Anzeigen richtig lesen, erfahren Sie hier.

Beim Verfassen von Stellenanzeigen hat jedes Unternehmen seinen eigenen Stil. Sie werden meist in Zusammenarbeit mit jenen Vorgesetzten erarbeitet, die in weiterer Folge für den einzustellenden Mitarbeiter zuständig sind - den Feinschliff gibt es durch erfahrene Personalmarketer. Und je nachdem, wie das Mitarbeiterprofil aussieht bzw. bereits definiert wurde, sieht die Stellenanzeige dann aus: Von vage-schwammig mit viel Interpretationsspielraum bis sehr präzise und utopisch hohen Anforderungen reicht die Bandbreite. Und nicht selten werden Jobs toller umschrieben, als sie eigentlich sind.

Die Sache mit den Managern...
Im heutigen Sprachgebrauch sind englische Stellenbezeichnungen nicht mehr wegzudenken. Was früher eine Sekretärin war, ist heute eine Front- oder Back-Office-Managerin. Was früher ein Telefonist war, ist heute ein Call-Center-Mitarbeiter oder Kundenservice-Manager. Hinter der Bezeichnung Junior Manager steckt oft das Berufsbild des Assistenten. Um wirklich zu durchblicken, welche Stelle ausgeschrieben wird, sollten Sie sich die Anforderungen, die unter dem Punkt "Voraussetzungen" zusammengefasst werden, genau durchlesen. So gewinnen Sie einen Eindruck, welche Qualifikationen erforderlich sind, um den Job zu erfüllen, und welche Art von Mitarbeiter tatsächlich gesucht wird.

Voraussetzungen und Zusatzqualifikationen
Auch gilt es, eine Stellenanzeige dahingehend zu durchleuchten, welche Anforderungen Sie mitbringen müssen und wo die Personalabteilung mit sich reden lässt. Absolute Muss-Kriterien finden Sie unter Anforderungen oder Voraussetzungen angeführt. Das sind meist Kriterien wie Jahre der Berufserfahrung, Ausbildung, bisherige Einsatzgebiete und die sogenannten "Soft-Skills", also Eigenschaften, die Sie auszeichnen - zum Beispiel Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit oder Ähnliches. In der Regel kann man davon ausgehen, dass die Kriterien in absteigender Priorität angegeben werden, also die absoluten Muss-Kriterien gleich als Erstes gelistet werden.

Kann-Kriterien sind meist in einem Absatz unter "Weiters wünschenswert sind..." angeführt. Dies sind Wünsche der Personalabteilung, jedoch können Sie auch ohne deren Erfüllung ein guter Kandidat für den Job sein, wenn Sie sich entsprechend verkaufen. Die Summe aller Kriterien sollten Sie so gut wie möglich in Ihre Bewerbungsunterlagen einfließen lassen, um zu zeigen, dass Sie genau der Kandidat sind, der gesucht wird. Picken Sie sich dafür die Stichworte aus der Anzeige heraus und verwenden Sie sie in Ihrer schriftlichen Bewerbung. So kann der Personaler schneller feststellen, wie hoch die Übereinstimmung ist.

Verklausulierungen
Bestimmte Vertragskonditionen, oft das Gehalt betreffend, finden Sie durch die Blume beschrieben am Ende der Stellenanzeige. Das sprichwörtliche "leistungsorientierte" Gehalt bedeutet, dass Sie provisionsbasierend arbeiten. Flexibilität kann bedeuten, dass Sie verschiedene Dienstorte haben oder einige Überstunden auf Sie zukommen. Ein "sicherer Job mit vielen Weiterbildungsmöglichkeiten" steht dafür, dass das Unternehmen nicht unbedingt zu den besten Zahlern gehört. Auch ein "sehr gutes Betriebsklima" bedeutet oft, dass die Gehälter nicht die höchsten sind. Und die Arbeit in einem "dynamischen Umfeld" kann bedeuten, dass derzeit Restrukturierungen im Laufen sind und daher die Atmosphäre im Unternehmen entsprechend angespannt ist bzw. das Arbeiten täglich unter neuen Voraussetzungen stattfindet. Auch kann hier dahinterstecken, dass oft ein rauerer Umgangston zwischen den unter Druck stehenden Abteilungen herrscht.

Gehalt
Mittlerweile muss jede Stellenanzeige eine Gehaltsangabe aufweisen. Die meisten Unternehmen lösen dies über die kollektivvertragliche Mindesteinstufung ohne Überstunden und versetzen diese mit der Phrase "Bereitschaft zur (deutlichen) Überzahlung bei entsprechender Qualifikation gegeben". Womit wieder alles offen ist. Sie sollten dennoch beim Bewerbungsgespräch darauf achten, dass Sie Ihre Gehaltsangabe nicht utopisch weit weg von dieser Angabe ansetzen – sonst befördern Sie sich selbst aus dem Rennen. In der Regel sind Aufschläge von zehn, bei sehr guter Qualifikation auch von zwanzig Prozent durchaus eine konstruktive Verhandlungsgrundlage, die Unternehmen im Gehalt durch Marktwertzulagen oder Überstundenpauschalen darstellen können und meist auch so budgetiert sind.

Nachfragen
Sind Sie sich nicht sicher, was genau gemeint ist, dann scheuen Sie sich nicht, bei dem Unternehmen anzurufen und nachzufragen. Denn nur so können Sie Unklarheiten beseitigen, die eventuell ausschlaggebend dafür sind, ob Sie den Job haben wollen. Bewerben Sie sich tatsächlich, zeigt Ihr Anruf Engagement und Eigeninitiative.

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