"Nicht geduldet"
Dutzende Tote bei Kämpfen gegen Milizen in Libyen
Am Freitag waren in Tripolis zunächst Hunderte Einwohner zum Stützpunkt der Milizen marschiert und hatten zunächst friedlich von ihnen verlangt, die Hauptstadt zu verlassen. Die Kämpfer eröffneten daraufhin das Feuer auf die Menschenmenge, unter anderem mit einem Luftabwehrgeschütz. Die Einwohner zogen sich zwar zunächst zurück, kehrten jedoch bewaffnet wieder, um die Anlage zu stürmen. Später rückte die Armee an und versuchte, die Gruppen zu trennen. Sie regelte auch die Zufahrtstraßen ab.
"Sie haben Häuser angezündet"
Vom Meliana-Platz zogen die Demonstranten zum Hauptquartier der besonders berüchtigten Misrata-Miliz im südlichen Stadtteil Gharghur. Aus den belagerten Gebäuden wurden schließlich Schüsse abgefeuert. Zuerst zielten sie in die Luft, schließlich in die Menge, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Ein Sprecher der Miliz, die aus der Stadt Misrata östlich von Tripolis stammt, sagte dem Privatsender Al-Naba, die Demonstranten hätten das Feuer eröffnet.
Unter die Demonstranten mischten sich dann auch bewaffnete Mitglieder anderen Milizen. Sie stürmten schließlich die Häuser, in denen sich die Misrata-Milizionäre verschanzt hatten. "Sie haben die Häuser angezündet, damit die Milizionäre (aus Misrata) nicht zurückkommen", sagte ein Augenzeuge. Es habe auch auf Seiten der Misrata-Milizionäre Verletzte gegeben. Reguläre Sicherheitskräfte wurden am Ort des Geschehens nicht gesichtet.
Kämpf um Kontrolle über Öl
Zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadafi mithilfe der Milizen ist es der Regierung bisher nicht gelungen, die verschiedenen bewaffneten Gruppen aufzulösen oder in die staatlichen Sicherheitskräfte einzugliedern. Das Militär ist noch nicht stark genug, um sich den schwer bewaffneten Gruppen zu stellen.
Viele Milizkämpfer bleiben ihren Kommandeuren gegenüber loyal. Zwischen den einzelnen Gruppen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Unter anderem kämpfen sie um die Kontrolle über das lukrative Erdöl des nordafrikanischen Landes. Die anhaltenden Kämpfe in dem OPEC-Land und die daraus resultierenden Exporteinbußen hielten am Freitag den Ölpreis hoch.












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