Unbekanntes System

Gehirn entsorgt “Müll”, während wir schlafen

Wissenschaft
18.10.2013 08:06
Schlaf ist die beste Medizin, heißt es im Volksmund, und dass an dieser Weisheit etwas dran ist, zeigt ein aktuelle Studie von US-Forschern: Sie haben herausgefunden, dass das Gehirn auch eine Menge "Müll" entsorgt, während wir schlafen. Es wird dadurch unter anderem von Giftstoffen befreit, die für Alzheimer und andere neurologische Störungen verantwortlich sind.

Das Wissenschaftler-Team um Maiken Nedergaard (auf dem kleinen Bild links) von der Universität Rochester hat zudem herausgefunden, dass die Gehirnzellen während des Schlafes um 60 Prozent "schrumpfen". Dadurch könne der zelluläre Abfall noch effizienter beseitigt werden, schreiben die Forscher in der US-Fachzeitschrift "Science". Sie hoffen, dass diese Erkenntnisse neue Wege zur Behandlung von Alzheimer und ähnlichen Erkrankungen eröffnen.

Die Frage, welchem Zweck der Schlaf dient, fesselt Philosophen und Wissenschaftler seit der Zeit der alten Griechen. Fast jedes Tier - von der Fruchtfliege bis zum Wal - schläft auf irgendeine Weise. Dabei hat Schlaf auch Nachteile, vor allem, wenn Raubtiere lauern. Also nahm man an, dass die Ruhephase eine wichtige biologische Funktion erfüllt müsse.

(Bild: University of Rochester, Medical Center/Maiken Nedergaard)

Bislang unbekanntes System entdeckt
Schon länger ist bekannt, dass durch den Schlaf unter anderem Erinnerungen besser gespeichert werden. Das Team um Nedergaard hat nun nach eigenen Angaben ein bisher unbekanntes System - winzige mit Gehirnflüssigkeit gefüllte Kanäle (im Bild hellblau) - entdeckt, die im Gehirn für die Beseitigung von Abfallprodukten der Zellen zuständig ist. Im restlichen Körper erledigt dies das Lymphsystem, welches sich wegen der sogenannten Blut-Hirn-Schranke nicht auf das Gehirn erstreckt.

Bisher hatten die Forscher darüber gerätselt, wie das Gehirn den zellulären Müll entsorgt - vor allem, weil solche Prozesse nur am lebenden Objekt beobachtet werden können. Das ist erst in den vergangenen Jahren durch neue bildgebende Verfahren möglich geworden. Mit deren Hilfe konnten die Forscher nun an Mäusen das System identifizieren, das dafür sorgt, dass der Zellmüll aus dem Gehirn in den Blutkreislauf und schließlich in die Leber gelangt.

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