Assange vs. Berg

Schneller als ein Datenhighway: "Inside WikiLeaks"

Kino
30.10.2013 11:20
Wie eine Internetplattform die Spielregeln rund um den globalen Informationsfluss im 21. Jahrhundert für immer verändern sollte, davon erzählt der faktenbasierte topbesetzte Streifen "Inside WikiLeaks" (Kinostart: 31. Oktober).

"Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich spricht", zitiert der Film "The Fifth Estate - Inside WikiLeaks" Oscar Wilde. Und weiter: "Gib ihm eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen." Auch die stille Revolution des WikiLeaks-Gründers Julian Assange war lange Zeit eine gesichtslose, er selbst ein Fürst der Internetfinsternis und Gatekeeper für brisante Informationen, die er nach Gutdünken freigab. Ein Einzelgänger, ja Net-Eremit, der nur Informanten, kaum Freunde kannte und der sich mit seinem engsten Mitstreiter, dem integren Basisaktivisten Daniel Domscheit-Berg, überwarf. Am Ende waren sie Kontrahenten.

2011 hatte die Internetplattform WikiLeaks 250.000 Datensätze des amerikanischen Außenministeriums kühn und unbearbeitet ins Netz gestellt. Geheimes Material über den Afghanistan-Krieg etwa und geheime diplomatisch-digitale Regierungsdepeschen. Die Welt wurde mit Wahrheiten konfrontiert, die man so nicht kannte - ausgespieen aus der absoluten Anonymität. Nicht wenige US-Politiker sollen im kollektiven Schockzustand später gefordert haben, Obama möge Assange via Drohne liquidieren.

"Most Wanted" der Datenhighways
Der Film "Inside WikiLeaks", Regie: Bill Condon ("Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht", "Kinsey" u.a.), verfolgt die Entwicklung von den frühen Jahren von WikiLeaks bis zu den ersten kontroversen Enthüllungen. Der plötzliche Erfolg der Website machte ihre Initiatoren über Nacht zu den "Most Wanted" der Datenhighways und veränderte die weltweite Informationsverteilung grundlegend.

Condon kredenzt uns ein faktenorientiertes Hacker-Drama, das als digitaler Kriminal-Tango im Computerzeitalter fesselt, aber auch die Geschichte einer Männerfreundschaft und ihr Scheitern in den Fokus rückt. Als Basis für das Drehbuch dienten die Bücher "Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" von Daniel Domscheit-Berg sowie "WikiLeaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy" von David Leigh und Luke Harding.

Cumberbatch als Assange
Regisseur Condon: "Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis wir uns wirklich über die kompletten Auswirkungen von WikiLeaks und wie es die Informationsverbreitung revolutioniert hat im Klaren sind. Mir war daran gelegen, die Verflechtungen und Herausforderungen von Transparenz im Informationszeitalter zu untersuchen." Mit Benedict Cumberbatch als dominant-unbeherrschter Assange und Daniel Brühl als Domscheit-Berg fand der Regisseur seine absolute Topbesetzung.

Domscheit-Berg, nun ein prominentes Mitglied der deutschen Piratenpartei, zeigt sich vom Film "Inside WikiLeaks" positiv überrascht: "Natürlich bedeutet eine Hollywood-Produktion auch inhaltliche Reduktion, aber der Wert der Transparenz wird hier klar transportiert." WikiLeaks-Chef Assange indes hält sich bedeckt. An seiner eigenen - filmischen - Demontage instruierend mitzuwirken, widersprach wohl seinen ureigensten Grundsätzen.

Der finale Krach zwischen den beiden, der mit Domscheit-Bergs Rausschmiss endete und der sich an angeblich mangelndem Quellenschutz entzündete, fand im realen Leben per hitzigem Chat statt. In der Filmversion entlädt er sich als lautstarker Streit... Befragt nach seinem inneren Motor, spricht Assange von "wahrer Hingabe". Und am Ende hat er nur einen Rat: "Wenn du die Wahrheit willst, gehe los und suche sie!"

krone.at-Filmkritik: Schneller als ein Datenhighway kommt der Film von Bill Condon teilweise daher, rasante Schnitte und packende Szenen sorgen für einen Polit-Thriller, der Vergleiche mit so manchem erfolgreichen Vorgänger nicht scheuen braucht. "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch, einer der derzeit - zurecht - am meisten gefeierten Charakterdarsteller, brilliert in der Rolle des Aufdeckers Assange, auch Daniel Brühl überzeugt als Daniel Domscheit-Berg. Stanley Tucci ("Captain America") und Laura Linney ("Mystic River") garnieren den Film mit einer Prise Hollywood.

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